Zahlreiche Veranstaltungen stehen an Amokfahrt in Münster: Zufahrt zum Platz normalerweise mit Pollern versperrt

Von dpa

Die Zufahrtstraße, über die der Amokfahrer den späteren Tatort ansteuerte, wird normalerweise von Pollern versperrt. Foto: dpaDie Zufahrtstraße, über die der Amokfahrer den späteren Tatort ansteuerte, wird normalerweise von Pollern versperrt. Foto: dpa

Münster. Es ist ein grausiger Zufall: Normalerweise versperren Poller die Zufahrt, durch die der Amokfahrer in Münster am Samstag den Platz am Kiepenkerl-Denkmal ansteuerte. Doch wegen Bauarbeiten waren die Poller entfernt worden. Auch über Poller an anderen Stellen in der Innenstadt wird aus Sicherheitsgründen bereits nachgedacht. Und wegen weiterer Großveranstaltungen hat Münsters Ordnungsamtsdezernent nach der Amokfahrt kurzfristig eine Besprechung der Sicherheitsbehörden terminiert.

Die getöteten, verletzten und traumatisierten Menschen auf dem Platz am Kiepenkerl-Denkmal sind nicht nur Opfer eines unfassbar brutalen Amokfahrers geworden, sondern auch Opfer eines grausamen Zufalls, der die Tat begünstigt hat. Der Täter steuerte nach vorliegenden Informationen den Platz, der dann zum Tatort wurde, über die Straßenachse Bogenstraße/Spiekerhof an. Normalerweise ist eine Zufahrt von dieser Seite aber nicht möglich, da Poller die Zufahrt versperren. Erreichbar ist der Platz am Kiepenkerl sowie die benachbarte Straße „Wegesende“ nur über eine kleine Stichstraße, die zwischen der Apostelkirche und dem Eiscafé Macellum verläuft. Diese Stichstraße ist derzeit wegen Bauarbeiten aber gesperrt. Ersatzweise wurde der Platz am Kiepenkerldenkmal nach Süden, also zum Spiekerhof hin geöffnet, wie die „Westfälischen Nachrichten“ schreiben. (Weiterlesen: Spurensuche in Münster geht weiter – Ermittler erstellen Bewegungsprofil)

Poller in der Innenstadt

Poller spielen in der Sicherheitsdebatte schon länger eine Rolle. In Münster werden derzeit versenkbare Poller rund um den Schlossplatz installiert. In einer zweiten Stufe sollen bis 2019 weitere Standorte in der Innenstadt folgen. Laut Ratsbeschluss sollen weitere Sperren bereits mit Beginn der Weihnachtsmärkte installiert sein.

Von Matthias Lückertz, dem Vorsitzenden des Vereines der Kaufmannschaft sowie der Initiative Starke Innenstadt, kommt derweil der Vorschlag, die Standortliste für versenkbare Poller, die die Stadt an sensiblen Punkten installieren möchte, möglichst schnell abzuarbeiten. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer fordert mehr Poller, um Fußgängerzonen und Innenstädte besser vor Amokfahrten mit Fahrzeugen zu verhindern. (Weiterlesen: Kritik an Hetze im Netz)

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) tritt laut „Bild-Zeitung“ (Montag) mit Unterstützung von Teilen der Unionsfraktion für mehr Poller zum Schutz vor Attacken mit Fahrzeugen ein. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) plädierte dabei allerdings für Gelassenheit. „Die Antwort kann nicht sein, dass wir unsere Städte zubetonieren“, sagte Reul am Montag im Radioprogramm SWR Aktuell. „Die Antwort muss sein, klug darüber nachzudenken, an welchen Stellen man mit welchen Hilfsmitteln die Sicherheit erhöht. Es nutzt kein Poller, wenn jemand mit dem Messer herumläuft.“

Auf Sperren und Poller bei Großveranstaltungen setzt auch Renate Dölling, Geschäftsführerin beim Hotel- und Gaststättenverband. Die Branche werde sich künftig „deutlich mehr Gedanken über das Thema Sicherheit“ machen müssen, auch wenn ein Attentat wie das am Kiepenkerl-Denkmal nie ausgeschlossen werden könne. Eine dauerhafte Schwächung der Außengastronomie, die in Münster ja einen regelrechten Boom erlebt hat, befürchtet Renate Dölling aber nicht. „Ich glaube nicht, dass die Menschen jetzt weniger nach draußen gehen.“

Zahlreiche Großveranstaltungen in Münster

Weil in Münster in den kommenden Wochen zahlreiche Großveranstaltungen stattfinden, hat Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer nach der Amokfahrt vom Samstag sofort reagiert und kurzfristig eine Besprechung der Sicherheitsbehörden in Münster terminiert. Denn am kommenden Wochenende startet der Frühjahrssend, in gut vier Wochen findet der Katholikentag in Münster statt, danach folgen die Public Viewings zur Fußball-WM und später Innenstadt-Events wie das Stadtfest und der Schauraum. (Weiterlesen: Was bislang über den Amokfahrer in Münster bekannt ist)

Der Katholikentag dürfte von herausragender Bedeutung sein. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken, der Münsteraner Thomas Sternberg, geht davon aus, dass alles „noch einmal auf den Prüfstand kommt“. Zugleich hält er das Sicherheitskonzept für diese Großveranstaltung aber für „ausgereift“ und hat volles Vertrauen in die Polizei.

Katholikentag fordert die Behörden

Münsters Polizeipräsident Hajo Kuhlisch habe sich bereits auf dem Katholikentag in Leipzig umgesehen und wisse, was Münsters Polizei erwarte, so Sternberg. „Sie werden die Sache professionell angehen“. Ganz abgesehen davon gebe es bei Amokfahrten wie der am Samstag „keine völlige Sicherheit“. Die Herausforderung beim Katholikentag werde darin bestehen, das Sicherheitskonzept voll umzusetzen, zugleich aber keine dauernde, sichtbare Polizeipräsenz bei den Veranstaltungen zu haben.


Telefonseelsorge

Der Täter hatte allem Anschein nach psychische Probleme und hat sich selbst getötet. Hilfe bei ähnlichen Gedanken bietet unter anderem anonym die Telefonseelsorge, die kostenfreie Nummer ist 0800 111 0 111.