Enkeltrick und Co. NRW setzt Sonderermittler für betrogene Senioren ein

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Trotz Warnungen fallen ältere Menschen häufig auf Betrüger herein. Foto: dpaTrotz Warnungen fallen ältere Menschen häufig auf Betrüger herein. Foto: dpa

Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen werden immer mehr ältere Menschen abgezockt und ausgeraubt. Die Bearbeitung der regionalen Ermittlungsverfahren in Ostwestfalen-Lippe wird jetzt bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld gebündelt.

NRW richtet bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld ein Sonderdezernat für die Verfolgung von Straftaten gegen ältere Menschen ein. Dabei kümmert sich ein Staatsanwalt speziell um über 70-jährige Geschädigte von Vermögensdelikten wie Betrug oder Diebstahl. Das Sonderdezernat soll Ängste und die Hemmschwelle zur Justiz abbauen.

Wegen ihrer Gutgläubigkeit oder eingeschränkten Mobilität würden ältere und hochbetagte Menschen „häufig überrumpelt, betrogen oder schlicht ausgeraubt“, sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) dieser Zeitung. Das habe „oft schlimme traumatische Folgen“, weil man sich anschließend in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühle.

NRW-Regierung setzt auf „Null-Toleranz-Strategie“

Zeugenaussagen in Strafverfahren geraten nicht selten zu einer zusätzlichen Belastung. Vor diesem Hintergrund bündelt das Land die Bearbeitung der Ermittlungsverfahren in der Region Ostwestfalen-Lippe künftig in Bielefeld. „Die psychischen Folgen gehen häufig weit über den finanziellen Schaden hinaus“, sagte Biesenbach. Er setze bei Straftaten gegen Senioren auf eine „Null-Toleranz-Strategie“.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld reagierte erfreut. Die Leitende Oberstaatsanwältin Claudia Hurek verspricht sich von dem Sonderdezernat „insbesondere Erkenntnisse zu Tatzusammenhängen und Strukturen überregional agierender Täter“. Trotz größerer medialer Aufmerksamkeit und „zielgerichteter Präventionsmaßnahmen“ seien die Täter weiterhin erfolgreich.

Zahl der Geschädigten hat sich verdoppelt

Zu den typischen Fallkonstellationen gehören Vermögens- und Eigentumsdelikte wie der sogenannte Enkeltrick. Die Polizei warnt seit Jahren vor der Masche, bei der sich Anrufer als Enkel ausgeben, die in angeblicher Notlage die Großeltern anpumpen. Zudem geben Täter vor, neue Mieter zu sein, um sich Zugang zu Wohnungen zu verschaffen.

In NRW werden immer mehr ältere Menschen so von Betrügern abgezockt und von Dieben ausgeraubt. Die Zahl der Geschädigten, die sich bei der Polizei gemeldet haben, hat sich nach Angaben des Landeskriminalamts von 2016 auf 2017 auf rund 11.700 Einzelfälle mehr als verdoppelt.

Schamgefühl steht Anzeige oft im Weg

Hilfsorganisationen für Kriminalitätsopfer gehen weiterhin von einer hohen Dunkelziffer aus. „Senioren empfinden nach einer Straftat gegen sie oft ein gewisses Schamgefühl“, sagte Jörg Bora, Landesvorsitzender beim Weißen Ring. Daher sei die Einrichtung eines Sonderdezernats „längst überfällig“.

Vorbild ist ein Pilotprojekt in Aachen. Dort werden rund 300 Fälle jährlich bearbeitet. Die Zielgruppe der Über-70-Jährigen habe das Projekt „gut angenommen“, so der Weiße Ring.


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