Gastgeschenk Heino bringt NRW-Heimatministerin in Not

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„Heimat- und Vaterlandslieder“: Heino schenkt Ministerin Scharrenbach seine fragwürdige Doppel-LP aus dem Jahr 1981. Foto: dpa„Heimat- und Vaterlandslieder“: Heino schenkt Ministerin Scharrenbach seine fragwürdige Doppel-LP aus dem Jahr 1981. Foto: dpa

Düsseldorf. Der Schlagersänger Heino hat der nordrhein-westfälischen Ministerin für Heimat, Ina Scharrenbach (CDU), eine Schallplatte mit deutschtümelnden Liedern geschenkt. Die oppositionelle SPD-Fraktion im Landtag reagierte empört.

Ihr gefühliges Heimatressort hat noch nicht einmal eine eigene Abteilung, trotzdem wird Ina Scharrenbach (CDU) eher als Heimat- denn als Kommunal-, Bau- oder gar Gleichstellungsministerin wahrgenommen. Inzwischen sowieso, da sie ob ihres gerade erst angeworbenen „Heimatbotschafters“ Heino in Schwierigkeiten geraten ist.

Der Schlagersänger und seine Frau Hannelore haben Scharrenbach beim landesweit ersten und recht aufwendig beworbenen Heimatkongress in Münster eine seiner früheren Schallplatten mit den „schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandsliedern“ geschenkt – unter anderem darauf gepresst: der Titel „Wenn alle untreu werden“, ein altes Volkslied zwar, im „Liederbuch der SS“ aber gleich nach dem „Horst-Wessel-Lied“ aufgeführt.

Gefundenes Fressen für die SPD

Die Ministerin kam somit in die Verlegenheit, sich strikt dagegen zu verwahren, „in irgendeiner Weise mit der nationalsozialistischen Ideologie in Verbindung gebracht zu werden“. Ihr Haus teilte auf Anfrage mit, Heinos Gastgeschenke seien „bei der Übergabe nicht unter dem Aspekt der politischen Korrektheit überprüft worden“.

Die größte Oppositionsfraktion im Landtag gab sich empört. Die SPD schickte gleich drei Abgeordnete vor die Presse. Sie fragten nach den „vertraglichen Vereinbarungen“ zwischen Heino und der schwarz-gelben NRW-Regierung. Warum er überhaupt zu der Veranstaltung gekommen ist? Weshalb das gemeinsame Foto trotz der Kritik noch auf der Internetseite des Ministeriums steht?

„Warum Heino?“

„Warum Heino?“, fragte SPD-Vizefraktionschef Christian Dahm grundsätzlich. Der Herforder sieht in der Posse einen „Fehlstart der teuren Heimatkampagne“. Sven Wolf riet zu einem „modernen Heimatbegriff“. Scharrenbach solle ihn dringend „zu einer Seite abgrenzen“, sagte der kommunalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion.

Die Grünen reagierten gelassener. Über Heinos Musik könne man streiten, „über seine vielen fragwürdigen Aktionen in der Vergangenheit sicher nicht“, sagte Fraktionschef Arndt Klocke in Anspielung auf einen Auftritt des Schlagerbarden in Südafrika zu Zeiten der Apartheid („Schwarzbraun ist die Haselnuss“). Auch trug der Sänger einmal alle drei Strophen des Deutschlandliedes vor, weshalb er sich regelmäßiger Kritik an seiner Haltung zu völkischem Liedgut ausgesetzt sieht. Insofern sei Heino womöglich „nicht nur der nette Schlager-Onkel und Heimatfreund von nebenan“, sagte Klocke.

Sollte man Heino also aus dem 47-köpfigen Kreis der nordrhein-westfälischen Heimatbotschafter ausschließen? So weit wollte die SPD dann doch nicht gehen. Man müsse die Musik ja nicht mögen, sagte Dahm, „aber gewisse Liedtexte stehen schon für eine Heimatverbundenheit“.


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