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Ex-Fremdenlegionär im Fokus Leichenfunde in Hille: Ermittler vermuten Dreifachmord

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Menschliche Überreste sind auf zwei Höfen in Hille gefunden worden. Ein ehemaliger Fremdenlegionär, der auf einem der Höfe wohnt, sitzt wegen Mordverdachts in U-Haft. Foto: dpaMenschliche Überreste sind auf zwei Höfen in Hille gefunden worden. Ein ehemaliger Fremdenlegionär, der auf einem der Höfe wohnt, sitzt wegen Mordverdachts in U-Haft. Foto: dpa

Hille. Nach drei Leichenfunden in Hille sind die sterblichen Überreste identifiziert. Die Polizei verdächtigt einen ehemaligen Fremdenlegionär, seine drei Bekannten auf grausame Weise getötet zu haben. Die Motive für die Taten sind noch unklar. Ermittler prüfen finanzielle Hintergründe.

Im verworrenen Fall um eine mutmaßliche Mordserie im ostwestfälischen Hille sind die Opfer identifiziert worden. Die Polizei Bielefeld teilte am Freitag mit, dass es sich bei den beiden vergrabenen Leichen um zwei Rentner handele, die seit Längerem im Dorf vermisst werden. Ein DNA-Abgleich soll in der kommenden Woche endgültig Klarheit bringen.

Damit ist die Identität der insgesamt drei Toten so gut wie geklärt. Am 4. März war der Stadthagener Fadi S. von seiner Familie als vermisst gemeldet worden. Auch Jörg W. wurde zu dem Zeitpunkt vermisst. Seine Frau, mit der er auf einem Hof in Hille Pferde züchtete, hatte sich an die Polizei gewandt. Am Freitag entdeckten Polizisten das Auto von Fadi S. auf dem Hof neben dem Anwesen Jörg W.s. In der Scheune fanden sie Fadi S. – erschlagen und in einen Kühlschrank gestopft. Doch Jörg W. blieb verschwunden. Die Polizei lässt bundesweit nach dem 51-Jährigen fahnden.

Das Fahndungsfoto, ein skurriler Schnappschuss, sorgte in den sozialen Netzwerken für Belustigung: Jörg W., ein Zwei-Meter-Hüne mit kahlem Kopf, posiert mit Bierflasche und Knarre neben einem Auto. Am Samstag nahmen Beamte ihn an der österreichischen Grenze fest. Er gab zu, Fadi S. mit einem Hammer erschlagen zu haben. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Bis Montag soll er nach Bielefeld überführt werden, wo er weiter vernommen werden soll.

Bekannt ist mittlerweile, dass beide Männer als Maurer tätig waren und gemeinsame Geschäftspläne geschmiedet haben sollen. Bei den Ermittlungen fand die Polizei außerdem heraus, dass noch zwei weitere Bekannte von Jörg W. seit Monaten vermisst werden.

Tod durch Gewalteinwirkung

Ermittler suchten den Fundort der ersten Leiche ab und gruben auch nebenan das Hofgelände des Tatverdächtigen um. Am Mittwoch fanden Spürhunde auf Jörg W.s Grundstück zwei weitere Leichen – etwa ein Meter tief im Boden verscharrt. Die Obduktion bestätigte den Verdacht, dass es die beiden Bekannten sind. Sie seien durch "erhebliche Gewaltanwendungen" gestorben, teilte die Polizei mit.


Ermittler der Spurensicherung auf dem Gehöft, wo die Leiche eines 30-Jährigen gefunden wurde. Foto: Stefanie Dullweber/Mindener Tagblatt /dpa


Demnach handelt es sich um die Überreste des 71-jährigen Nachbars, in dessen Scheune Fadi S. gefunden worden war. Im Ort sei man davon ausgegangen, dass der Rentner für eine "Entziehungskur" verreist ist. Seit einem halben Jahr hatte ihn niemand gesehen. Die zweite Leiche ist offenbar ein 65-Jähriger, der bei Jörg W. auf dem Hof gelebt und gearbeitet hat. Seine Angehörigen hatten laut Polizei seit Herbst keinen Kontakt mehr zu ihm.

Die Polizei verdächtigt Jörg W. für die Morde verantwortlich zu sein und sucht nach möglichen Motiven. Ansatzpunkt seien dabei die Geschäftsbeziehungen zwischen Jörg W. und dem 30-Jährigen. Habgier hält die Polizei für ein Motiv der anderen beiden Morde. Die Ermittler prüfen, ob das Verschwinden der Rentner dem Tatverdächtigen finanzielle Vorteile brachte.

Über Jörg W. ließ die Polizei wissen, dass er nicht vorbestraft ist und von 1989 bis 1991 der Fremdenlegion angehört habe. Vor einigen Jahren zog er von Duisburg nach Hille um. Seine Frau stehe nicht unter Mordverdacht.

Familie des Opfers erpresst

Doch der Fall scheint noch komplizierter zu sein. Die Staatsanwaltschaft Bückeburg ermittelt wegen eines Erpressungsversuchs. Demnach soll die Familie von Fadi S. Anfang März von Trittbrettfahrern erpresst worden sein, nachdem der 30-Jährige verschwunden war. Unbekannte hätten eine Entführung vorgetäuscht und Lösegeld gefordert. Kurz darauf stellten sich zwei 22-jährige Männer der Polizei und gaben an, sie hätten aus Geldnot 45.000 Euro erpressen wollen.

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