Staatsschutz ermittelt Unbekannte werfen Brandsätze gegen Kulturzentrum in Ahlen

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Die Polizei sucht Zeugen. Symbolfoto: Michael GründelDie Polizei sucht Zeugen. Symbolfoto: Michael Gründel

dpa/ngr/pm Münster. Nachdem Unbekannte am frühen Montagmorgen mehrere Brandsätze gegen ein türkisches Kulturzentrum in Ahlen geschleudert haben, hat der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Münster die Ermittlungen übernommen. Auch in anderen Städten hat es zuletzt eine Reihe von Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen gegeben.

Wie die Staatsanwaltschaft Münster und die Polizeibehörden Warendorf und Münster in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben, schleuderten Unbekannte am Montagmorgen um 2.10 Uhr mehrere Brandsätze gegen ein türkisches Kulturzentrum an der Rottmannstraße. Zeugen beobachteten die vermummten Täter und löschten die Flammen. Die Fassade wurde durch Ruß beschädigt. Auch in einen vor dem Haus abgestellten Mercedes warfen die Täter laut Mitteilung einen Brandsatz, der jedoch kein Feuer auslöste.

Polizei sucht Zeugen

Da ein politisch motivierter Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, hat der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Münster die Ermittlungen übernommen.

Die Polizei sucht weitere Zeugen, die Hinweise zu der Tat oder den Tätern geben können. Wer etwas gesehen hat, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 0251/2750 zu melden.

Weitere Brandanschläge

Die Tat in Münster ist nicht die einzige gewesen. In den vergangenen Tagen hatte es in Deutschland eine Reihe von Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen gegeben, bei denen der Hintergrund nicht eindeutig geklärt ist, aber ein Zusammenhang zur türkischen Militäroffensive gegen Kurden in Nordsyrien für möglich gehalten wird. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft teilte in einer gemeinsamen Erklärung mit den Polizeibehörden mit, sie fahnde nach dem Brandanschlag auf eine Moschee in Lauffen am Neckar in der vergangenen Woche nach fünf Tätern, bei denen es sich möglicherweise um kurdische Extremisten handeln könne. „Diese Anschläge gefährden unschuldiges Menschenleben und schaden politisch in erster Linie dem Anliegen der Kurden und gefährden das friedliche Zusammenleben in Deutschland“, sagte der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde, Ali Ertan Toprak.

Videos im Netz

Im Internet tauchten Videos der nächtlichen Attacke in Lauffen bei Heilbronn sowie von einem Angriff auf ein Vereinslokal im sauerländischen Meschede auf. Ein Sprecher der Arnsberger Staatsanwaltschaft stufte das Video aus Meschede als vermutlich authentisch ein. Der Anschlag habe den rechtsextremen türkischen „Grauen Wölfen“ gegolten, hieß es auf einer kurdischen Website. Als Verdächtige wurden dort drei Syrer festgenommen. Sie wurden später auf freien Fuß gesetzt. Die Staatsanwaltschaft sah keinen dringenden Tatverdacht.

NRW-Polizei in erhöhter Bereitschaft

In Nordrhein-Westfalen wurden sämtliche Polizeieinheiten in erhöhte Bereitschaft versetzt. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, es sei damit zu rechnen, „dass sich die seit dem Wochenende zu beobachtende Eskalation in der kurdischen Community weiter fortsetzt“. Nach Angaben des Lagezentrums des Landes gab es am Montag bis zum späten Abend keinerlei Zwischenfälle. Auch in anderen deutschen Städten wurde demonstriert, darunter in Berlin, Hamburg und Mainz. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf.

Der Berliner Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen wertete den Anschlag auf eine Moschee im Berliner Bezirk Reinickendorf und ähnliche Attacken als Terror. „Es ist nicht wichtig, welchen politischen Hintergrund die Taten haben. Wer Gotteshäuser anzündet, dem geht es nur um ein Ziel: Angst und Einschüchterung zu verbreiten. Dem geht es darum, eine Bevölkerungsgruppe zu terrorisieren“, erklärte Germeshausen. Womöglich stehe der Berliner Angriff in der Nacht zum Sonntag in Zusammenhang mit dem Angriff türkischer Truppen auf das kurdische Afrin in Syrien. „Wer versucht, die Konflikte in den Herkunftsländern vieler Berlinerinnen und Berliner zu instrumentalisieren und hier auszutragen, wendet sich direkt gegen das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Genau wie die Rassisten“, sagte Germershausen.

Reaktion der türkischen Regierung

Die türkische Regierung reagierte. „Wir beobachten mit Sorge, dass Angriffe auf türkische Moscheen in Deutschland durch rassistische und anti-islamische Gruppen sowie die Terrororganisation PKK zuletzt zugenommen haben“, teilte das Außenministerium in Ankara mit. „Wir erwarten von den deutschen Behörden, dass sie die Verantwortlichen für diese Angriffe sobald wie möglich aufspüren und bestrafen und dass sie alle Maßnahmen ergreifen, damit keine ähnlichen Angriffe stattfinden.“

Die Ditib-Moscheen waren zuletzt wegen ihrer engen Beziehungen zur türkischen Regierung in die Kritik geraten. Kurdische Gruppen hatten den Gemeinden vorgeworfen, sie betrieben in den Gotteshäusern „Kriegspropaganda“.

In der Region Afrin geht die türkische Armee seit dem 20. Januar mit einer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die Türkei stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein.


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