Porträt Christof Rasche – der Abwehrchef der Liberalen im Landtag NRW

Von Florian Pfitzner

„Kein Sozial-, sondern ein Wirtschaftsliberaler“: Christof Rasche (l.), und FDP-Chef Christian Lindner. Foto: dpa„Kein Sozial-, sondern ein Wirtschaftsliberaler“: Christof Rasche (l.), und FDP-Chef Christian Lindner. Foto: dpa

Düsseldorf. Seit dem Abgang von Christian Lindner führt Christof Rasche die FDP-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag. Schon früher hat er für den Parteivorsitzenden häufig den Ausputzer gegeben.

Höflich aber resolut verteidigt Christof Rasche den Kurs seiner Fraktion, als man ihn mit der repressiven Logik der NRW-Regierung konfrontiert. Er stellt die Handkanten auf den Tisch und erklärt, warum sie das „Sicherheitspaket“, das die Befugnisse der Polizei gewaltig ausweitet, mitgetragen hat.

Er deutet einen Balken an: rechts gemäßigte Gefahrenlage, links hohe Alarmstufe. „Wir müssen uns der veränderten Situation stellen“, sagt Rasche und zieht die rechte Hand zur linken. Vorsorgliche Gewahrsam und Fußfesseln für Gefährder gehörten genauso zu einem zeitgemäßen Sicherheitskonzept wie Videobeobachtung. So stelle sich für die Liberalen die Frage nach einem vernünftigen Ausgleich von Freiheit und Sicherheit. 

So viel hat sich für ihn gar nicht geändert

Gleichgewicht, die richtige Mischung - solche Begriffe zählen zu Rasches Grundrepertoire. Der 55-jährige Westfale führt die FDP-Fraktion im NRW-Landtag seit dem Wechsel des Parteiheiligen Christian Lindner in den Bundestag. Er gilt als Pragmatiker, gewiefter Strippenzieher und Politikmanager. Oft gab er früher als Parlamentarischer Geschäftsführer den Ausputzer, als Lindner in Wahlkämpfen durch Deutschland tingelte.

Insofern hat sich für Rasche so viel gar nicht geändert seit dem Abgang des FDP-Chefs. Er sagt pflichtgetreu: „Ohne Christian hätte es für uns keine Rückkehr gegeben.“ Ihre Weltanschauungen glichen sich, so Rasche, der „kein Sozial-, sondern ein Wirtschaftsliberaler“ sei. Er vertraue „dem Markt, aber nicht dem grenzenlosen“.

„Streiter für den ländlichen Raum“

Stephen Paul kennt Rasche über zwanzig Jahre. Er sei ein „Teamspieler“, sagt der Herforder FDP-Landtagsbgeordnete. Zuletzt habe Rasche das gezeigt, als er auf seine geplante Kandidatur auf der NRW-Landesliste für den Bundestag verzichtet und auf Lindners Wunsch den Chefposten in der Landtagsfraktion übernommen hat.

16-jährig in die Partei eingetreten, führte Rasche später, Mitte der 1990er, den Erwitter Ortsverein, den sein älterer Bruder gegründet hatte. In der SPD von Peer Steinbrück oder der CDU von Friedrich Merz hätte er sich „womöglich auch wohlgefühlt“, sagt der Rasche, Vater eines Sohnes. Jetzt ist der ehemalige bau- und verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion angetreten, um „Brücken zu schlagen“ zu Ministerien und dem Koalitionspartner in der schwarz-gelben Landesregierung. Mit den Grünen könne er als „Streiter für den ländlichen Raum“ indes weniger anfangen.

Geschätzt bei den Grünen

Dabei achtet man ihn dort für seine Kompetenz. Bei allen Meinungsverschiedenheiten habe er Rasche „durch seine meist sachkundige Arbeit zu schätzen gelernt“, sagt der Vorsitzende der Grünen im Landtag, Arndt Klocke. Jetzt hätte Rasche „die Chance, die liberale Tradition der FDP wiederzubeleben“ und die Fraktion, gerade in Gesellschafts- und Bürgerrechtsfragen, „als Korrektiv zur CDU“ aufzustellen. Noch sei er davon weit entfernt.

Rasche grenzt sich klar ab zu der Phase zwischen 2005 und 2010, als die FDP als regierungstragende Fraktion im Landtag saß. „Kalt“ sei der Umgang oft gewesen, weitgehend ohne Teamgeist. Daraus habe er gelernt, sagt der frühere Handballspieler. Zwei Schneidezähne hat er als Abwehrchef verloren. „Ohne Kampf geht nix“, sagt Rasche, „trotzdem sollte man respektvoll spielen.“