Votum im größten Landesverband SPD-Chef Groschek und sein Sohn ringen um die GroKo-Frage

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Zwei Generationen, zwei Meinungen: Michael Groschek (r.) ist für, sein Sohn Jesco gegen die Große Koalition. Foto: dpaZwei Generationen, zwei Meinungen: Michael Groschek (r.) ist für, sein Sohn Jesco gegen die Große Koalition. Foto: dpa

Düsseldorf. Zum Auftakt des SPD-Mitgliederentscheids über eine Neuauflage des Bündnisses mit den Unionsparteien gärt es vor allem an der Basis in Nordrhein-Westfalen. Sogar in der Familie des Landesvorsitzenden Michael Groschek gehen die Überzeugungen weit auseinander. Derweil sehen sich die Sozialdemokraten mit der nächsten Schockumfrage konfrontiert.

Zumindest beim Fußball sind Michael und Jesco Groschek dieser Tage noch einer Meinung. Sie gehen regelmäßig gemeinsam zu Borussia Dortmund. Ihre geteilte Freude am BVB nimmt schon fast religiöse Züge an, erzählt Jesco: ein Fußballverein, das sei „wie inner Kirche, man ist damit groß geworden“.

Geht es um die Zukunft ihrer Partei, halten sich in der Familie derzeit gegenläufige Überzeugungen. Michael Groschek, Chef der NRW-SPD, wirbt für eine Neuauflage der Großen Koalition. Sein Sohn Jesco, Mitglied im Juso-Landesvorstand, trommelt gegen ein Bündnis mit der Union. Und das in einer Zeit, in der die SPD Woche für Woche neue Umfragerückschläge zu verkraften hat. In einer INSA-Befragung liegen die Sozialdemokraten erstmals hinter den rechten Populisten von der AfD.

Das Gebot hieß: Erneuerung in der Opposition

Verabredung zum Gespräch mit Jesco Groschek in einem Düsseldorfer Café. Er trägt Bart, die Haare zu einem Knoten gebunden und die Parteizeitung „Vorwärts“ in der Umhängetasche. Als Ausgleich für den Sonntagsdienst hat er einen Tag frei. Jesco Groschek, studierter Kindheitspädagoge, arbeitet beim Düsseldorfer Jugendamt. Er könne die SPD „nicht guten Gewissens in die Regierung schicken“, sagt er. Dafür gebe es gerade bei Pflege, Bildung, Soziales „noch viel zu viel zu tun“.

Michael Groschek führt die NRW-SPD seit der historischen Wahlniederlage im Mai. Er versprach eine „Generalinventur“; der größte Landesverband sollte den „Marschbefehl für die Bundespartei“ geben, so der frühere Marine-Soldat. Nach dem Absturz bei der Bundestagswahl hielt er es wie SPD-Chef Martin Schulz, eine erneute Koalition mit den Unionsparteien lehnte er strikt ab. Das Gebot hieß: Erneuerung in der Opposition.

„Da war ich schon ziemlich geknickt“

Umgedacht hat Groschek senior nach der Mahnung des Bundespräsidenten an die Parteien zu einer stabilen Regierungsbildung. „Im ersten Moment war ich da schon ziemlich geknickt“, sagt sein 26-jähriger Sohn. Es dauerte eineinhalb Wochen, bis sich die beiden trafen. Sie stritten „ruhig und respektvoll“, erzählt Jesco. „Mir war aber schnell klar, dass unsere Meinungen da einfach auseinandergehen.“

Selbstbewusst hat Michael Groschek im Willy-Brandt-Haus Pflöcke für den Umgang mit der Union eingeschlagen, feinsinnig erwirkte er einen ständigen Austausch mit den Genossen an der Basis. Trotzdem ist die Abneigung gegen die GroKo nirgendwo so ausgeprägt wie in Nordrhein-Westfalen. Im Internet gibt es eine gemeinsame Erklärung der Gegner. Zu den Unterzeichnern gehören Mandatsträger und Ex-Minister, Mitglieder des Landesvorstands – und Jesco Groschek.

Vieles sei „irgendwie abstrakt in die Zukunft geschoben“

Er kennt die Argumente seines Vaters genau. Obwohl die SPD bei der Bundestagswahl nur zwanzig Prozent der Stimmen errungen habe, habe sie achtzig Prozent ihrer Ziele erreichen können, behauptet Michael Groschek. „Nee, davon sind wir weit weg“, meint Jesco, wie sein Vater in Oberhausen geboren und in einer ehemaligen Bergarbeitersiedlung aufgewachsen. Vieles sei „irgendwie abstrakt in die Zukunft geschoben“. Er könne mit dem Koalitionsvertrag „nix anfangen – auch wenn da nicht nur Murks drinsteht“.

Jesco Groschek sieht „einfach keine Schnittmengen mehr“ mit den Unionsparteien. Schon gar nicht mit der CSU, „die sich mit Viktor Orban solidarisiert und gegen Flüchtlinge abschottet“. Gewiss, die SPD habe zuletzt in der GroKo „gute Sachen umgesetzt“, etwa den Mindestlohn. Jetzt aber seien „die inhaltlichen Grundlagen für eine Zusammenarbeit mit der Union erschöpft“.

„Es wird auf jeden Fall knapp“

Es gab hartnäckige Überzeugungsversuche in der Familie Groschek. Inzwischen habe man sich genug ausgetauscht, sagt Jesco. „Ich glaube, mein Vater hat auch keine Lust auf GroKo, sieht sie aber als kleineres Übel an.“ Und der Mitgliederentscheid? „Es wird auf jeden Fall knapp.“

Vater und Sohn haben „keine Beziehung nach dem Motto ‚Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst ...‘“, sagt Michael Groschek. Er habe „Respekt“ vor den politischen Überzeugungen seines Sohnes. Die Jusos seien nun einmal „der Stachel im Fleisch der SPD und nicht die Kaffeeholer wie die Jugendorganisationen in anderen Parteien“.


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