Tödlicher Unfall auf A1 bei Greven „Ich habe erst einen Wildunfall vermutet“

Von Jörg Sanders


Greven/Münster. Am Samstagabend ist eine Frau bei einem Unfall auf der A1 zwischen Greven und dem Flughafen Münster/Osnabrück ums Leben gekommen. Die Umstände sind weiterhin nicht gänzlich geklärt. Ralph Gockel war einer der ersten am Unfallort. Er berichtete unserer Redaktion von dem Geschehen und spricht vor allem den Helfern Lob und Anerkennung aus.

Gockel war an dem Abend mit seiner Frau auf der A1 auf dem Weg von Georgsmarienhütte ins westfälische Havixbeck unterwegs. Das Paar aus Rheinland-Pfalz hatte Verwandte besucht. „Gegen 21 Uhr haben wir zwei Fahrzeuge vor uns gesehen, die mit Warnblinkern auf der Straße standen“, berichtet der 59-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Er hielt an und schaltete ebenfalls die Warnblinkanlage ein. „Wir hatten keine Idee, was da passiert war.“

Frau von mehreren Autos überrollt

An dem Abend war eine 27-Jährige auf der Autobahn ums Leben gekommen. Dem Ermittlungsstand der Polizei zufolge hatte der Ford der 27-Jährigen unbeleuchtet auf der Überholspur gestanden. Ein 55-jähriger Volvofahrer erkannte das Auto zu spät und prallte auf den Ford. Die Frau wurde auf die Gegenfahrbahn geschleudert und dort von mehreren Autos überrollt. Sie starb an der Unfallstelle. Noch unklar ist, warum das Auto auf dem linken Fahrstreifen gestanden hatte und ob die Frau aus ihrem Auto geschleudert wurde oder daneben gestanden hatte.

„Ich habe erst einen Wildunfall vermutet“

Erst Stunden später erfuhr Gockel von dem Tod der jungen Frau. Gegen 23 Uhr las er auf unserer Homepage, dass eine junge Frau nur wenige Meter neben seinem Auto gestorben war.

Zuvor war der Rheinland-Pfälzer von einem Wildunfall ausgegangen. Auf der Autobahn habe ein Trümmerfeld gelegen, Blut war auf der Straße. Da auch auf der Gegenfahrbahn Autos mit eingeschalteten Warnblinkanlagen standen, dachte Gockel, womöglich hatte eine Wildschweinrotte versucht, die Autobahn zu überqueren. Nur eines war ihm klar: „Es hatte offenbar einen Zusammenstoß mit einem lebenden Wesen gegeben.“

Zwei Minuten, nachdem er sein Auto gestoppt hatte, sei bereits die Polizei eingetroffen, kurz danach die Sanitäter, wiederum kurz danach die Feuerwehr.

Feuerwehr suchte zweite Person

Gockel blieb im Auto sitzen, das habe auch die Polizei verlangt. „Ein Polizist sagte, es wäre nicht gut, wenn wir ausstiegen.“ Er beobachtete, wie die Feuerwehr einen Grünstreifen absuchte, sogar ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera suchte die unmittelbare Umgebung ab. Polizisten befragten die wartenden Autofahrer, ob jemand zugestiegen sei, berichtet Gockel weiter.

Wie sich später herausstellte, war die 27-jährige Frau mit einer zweiten Person unterwegs gewesen. Der 30-jährige Mann war zwischenzeitlich verschwunden und hatte erst nach einiger Zeit an der Unfallstelle auf sich aufmerksam gemacht. Er stand unter Schock und hatte Alkohol getrunken. Ob er der Fahrer oder Beifahrer war, ist weiterhin nicht geklärt.

Gockel: Helfer vorbildlich

Gockels Dank gilt den Rettern und Helfern des Abends. Alle hätten äußerst professionell und engagiert gehandelt. „Alle, insbesondere die freiwilligen, oft sehr jungen Mitarbeiter der Feuerwehr haben sich sehr große Mühe gegeben. Auch dem Notfallseelsorgeteam möchten wir für ihren Einsatz danken.“ Der freiwilligen Feuerwehr Lengerich schrieb Gockel einen Brief, in dem er sich bei den Rettern bedankt. Für sie seien solche Einsätze sicherlich eine große Herausforderung. Statt Dank zu ernten, würden „die Helfer heutzutage ja sogar beschimpft“.

Weiterfahrt nach knapp drei Stunden

Gegen Mitternacht erlaubten Polizisten den noch wenigen wartenden Fahrern direkt vor dem Unfallort, auf der Autobahn zur wenden und an der nächsten Ausfahrt die Autobahn zu verlassen. Knapp drei Stunden Wartezeit – egal. „Die Geduld muss man dann einfach haben“, sagt der 59-Jährige.

Ganz spurlos ist der Unfall nicht an dem Paar vorbeigegangen. Ralph Gockel reagiere nun „sensibler“, wenn er Blaulichter sieht. „Das baut sich auch wohl so schnell nicht wieder ab.“