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Polizisten Waffe abgenommen – Frau mit Messer verletzt Schüsse und Geiselnahme bei geplanter Abschiebung in Borgholzhausen

Am frühen Morgen ist eine geplante Abschiebung in Borgholzhausen eskaliert. Einem Polizisten wurde die Waffe abgenommen, es fielen Schüsse, eine Frau, die abgeschoben werden sollte, wurde mit Stichverletzungen aufgefunden. Symbolfoto: Michael GründelAm frühen Morgen ist eine geplante Abschiebung in Borgholzhausen eskaliert. Einem Polizisten wurde die Waffe abgenommen, es fielen Schüsse, eine Frau, die abgeschoben werden sollte, wurde mit Stichverletzungen aufgefunden. Symbolfoto: Michael Gründel

Borgholzhausen. Am frühen Morgen ist eine geplante Abschiebung eines Ehepaars aus Aserbaidschan in Borgholzhausen eskaliert. Einem Polizisten wurde die Waffe abgenommen, es fielen Schüsse. Eine Frau, die abgeschoben werden sollte, wurde mit Stichverletzungen aufgefunden.

Gegen 3.30 Uhr betraten ein Mitarbeiter des Kreisausländeramts Gütersloh, Polizeibeamte, ein Sicherheitsdienstmitarbeiter und ein Arzt eine Unterbringungseinrichtung in Borgholzhausen an der Sundernstraße. Sie sollten ein Ehepaar aus Aserbaidschan abschieben, teilte die Polizei mit.

Mehrere Schüsse abgegeben

Dazu kam es nicht, sondern zu einem Gerangel. Einem Polizisten wurde die Dienstwaffe abgenommen, mehrere Schüsse fielen. Verletzt wurde dadurch niemand.

Viele offene Fragen

Wer dem Beamten die Waffe abgenommen und wohin diese Person geschossen hatte, sei noch unklar, sagt Anja Rehmert, Sprecherin der Polizei Bielefeld, auf Anfrage unserer Redaktion. Im Haus befand sich unter anderem das Ehepaar (49 und 53 Jahre), deren zwei erwachsene Töchter sowie ein Besucher der Familie. Es sei auch noch unklar, ob der Beamte seine Waffe bereits gezogen hatte oder ob sie sich noch im Holster befand, als sie ihm abgenommen wurde. Das alles werde noch ermittelt, sagt Rehmert. Einen Medienbericht, dass eine der Töchter geschossen haben soll, widersprach Rehmert.

Geiselnahme im Haus

Nach den Schüssen flohen die Polizeibeamten und der Arzt aus der Einrichtung. Der Mitarbeiter der Ausländerbehörde sowie der Sicherheitsdienstmitarbeiter entkamen nicht aus dem Haus. Die Familie, immer noch in Besitz der Waffe, verschanzte sich mit ihnen als Geiseln in ihrer Wohnung. Gegen 4.15 Uhr setzte die Polizei einen Notruf ab.

Familie gibt auf

Gegen 4.55 Uhr übernahm die Polizei Bielefeld den Einsatz und forderte eine Spezialeinheit an. Allerdings gab die Familie schon vor dem Zugriff auf und stellte sich der Polizei.

Frau mit Stichwunde

In der Wohnung wurde die Frau mit einer Stichverletzung gefunden. Der Polizei zufolge fügte sie sich die Verletzung selbst zu. Sie befindet sich im Krankenhaus. Der Vater wurde festgenommen. Die Polizeibeamten und der Mitarbeiter des Ausländeramts werden psychisch betreut.

Kreis hält an Abschiebung fest

Die Kreis Gütersloh kündigte am Donnerstagmittag an, an der Abschiebung des Ehepaars festzuhalten. „Wir werden die Abschiebung konsequent weiterverfolgen. Es wäre ein fatales Signal, wenn der gewaltsame Widerstand daran etwas ändern würde“, wird Landrat Sven-Georg Adenauer in einer Mitteilung zitiert.

Abschiebung womöglich vorerst nicht möglich

Das ist aber womöglich so schnell gar nicht möglich, da die Behörden nun ermitteln. Zwar ist es möglich, eine Person abzuschieben, selbst wenn Behörden strafrechtlich gegen sie ermittelt, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld auf Anfrage unserer Redaktion. Das hänge vom Tatvorwurf ab. Für die Abschiebung benötige die Ausländerbehörde aber die Genehmigung der Staatsanwaltschaft, ergänzt der Sprecher. „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung.“

Eltern waren ausreisepflichtig

Die Familie war dem Kreis zufolge 2004 unter falschen Namen eingereist. 2011 verließ die Familie Deutschland vor einer drohenden Abschiebung, nachdem ihr Asylantrag abgelehnt worden war. 2012 beantragte die älteste Tochter ein Visum und erhielt dieses dem Kreis zufolge wegen einer „qualifizierten Beschäftigung“. Das Ehepaar und die jüngere Tochter folgten 2013 der älteren Tochter nach Deutschland. Die Asylanträge der Eltern blieben erneut erfolglos, sie wurden ausreisepflichtig. Die jüngere Tochter durfte aufgrund von Sonderregelungen des Ausländergesetzes und „einer erfolgreichen Integration“ bleiben.

Kreis rechtfertig Uhrzeit

Die Abschiebung selbst sei sorgfältig geplant gewesen. Die Behörden hätten mit Schwierigkeiten gerechnet. Der Kreis erklärt auf Anfrage auch den Zugriff mitten in der Nacht. „Dass die Abschiebung so früh am Morgen erfolgen sollte, liegt an den verfügbaren Flügen und vorgegebenen Flugplänen“, schreibt die Pressestelle auf Anfrage. Der Flug nach Baku ab Frankfurt am Main sollte um 13.40 Uhr mit dem Ehepaar starten. „Im konkreten Fall war auch eine medizinische Anschlussbehandlung für den Ehemann in Baku organisiert worden, eine Ärztin hätte ihn direkt auf dem Flughafen in Empfang genommen“, teilte die Pressestelle des Kreises mit.

Die Ermittlungen und Spurensicherung des Polizeipräsidiums Bielefeld dauern an.


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