Katastrophe von Duisburg Loveparade-Kläger warten auf Signale aus der Staatskanzlei

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Die Initiative „LoPa 2010“ hat Nebenklägern geraten, zu Hause zu bleiben. Foto: dpaDie Initiative „LoPa 2010“ hat Nebenklägern geraten, zu Hause zu bleiben. Foto: dpa

Düsseldorf . Die „Betroffenen-Initiative LoPa 2010“ hat dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) einen Brief geschrieben. Die Traumatisierten des Unglücks sollen „endlich ernst genommen werden“.

Sogar hartgesottene Nebenkläger bleiben nach dem Wirbel zu Prozessbeginn lieber zu Hause. Zum sechsten Verhandlungstag sind nur wenige von ihnen nach Düsseldorf gekommen, auch im Zuschauerblock sitzen kaum Betroffene der Loveparade-Katastrophe. Zu groß die Wut, zu groß die Angst vor den Erinnerungen.

Die Duisburger Loveparade am 24. Juli 2010, bei der 21 junge Menschen starben und 652 teils schwere Verletzungen davontrugen - „dieser Tag hat mein Leben zerstört“, sagt Jörn Teich im Gespräch mit dieser Redaktion. Eigentlich wollte er nur „gucken gehen“, mit seiner Tochter. Lena war damals vier, heute ist sie die jüngste Nebenklägerin.

„Viele ertragen das nicht mehr“

Auf dem Rückweg sind sie im Gedränge des Karl-Lehr-Tunnels steckengeblieben, ganz in der Nähe der Rampe zum Festivalgelände. Wie so viele andere Besucher der Technofeier leidet Teich unter einer „PTBS“, einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Teich, inzwischen 43 Jahre alt, hat sich jahrelang um Angehörige gekümmert und ihnen nun geraten, den Verhandlungsterminen fernzubleiben. „Viele ertragen das nicht mehr“, sagt er. „Ihre Anwälte regeln das schon.“

Verteidiger bürsten Gutachter ab

In der „Außenstelle Düsseldorf“ des Landgerichts Duisburg sitzen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier der Veranstaltungsfirma Lopavent, angeklagt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Ihre Verteidiger bringen einen Befangenheitsantrag gegen den Sachverständigen Keith Still ein. Nach ihrer Meinung hat der britische Panikforscher seinen Auftrag nie erfüllt, sein Gutachten „strotzt vor Fehlern und Widersprüchen“.

Da ist sich Teich mit den Strafverteidigern einig. Er hält weder Gutachter Still noch dessen Mitarbeiter für integer, die Expertise für reichlich ungenau. Man dürfe schon mal gespannt sein auf die kritische Abrechnung, die er für seine Aussage vorbereitet habe, sagt Teich. Heute (11. Januar) sollen die ersten beiden Zeugen befragt werden, zwei Nebenkläger. Einige fühlen sich nicht in der Lage, haben Atteste vorgelegt, sagt der Vorsitzende Richter Mario Plein. Er könne „nicht einschätzen, wie intensiv die Vernehmungen werden“. 

„Auf die Aufklärung warten wir bis heute“

Teich geht es zunächst um so etwas wie Versöhnung. „Wir erwarten eine ehrliche Entschuldigung von der Politik“, sagt der Sprecher der „Betroffenen-Initiative LoPa 2010“. Er hat NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) einen Brief geschrieben und zu einem Gespräch eingeladen. „Es muss doch möglich sein, an einen Tisch zu kommen.“

Der alleinerziehende Vater hofft auf Unterstützung für diejenigen, denen die Erlebnisse wie ihm schwer nachhängen. „Da wurden Menschen aus der Bahn geschossen.“ Er fordert „individuelle Hilfe für die Traumatisierten“, sie gehörten „endlich ernst genommen“. Auf die „lückenlose Aufklärung“, die Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zugesichert hat, „warten wir bis heute“.

Teich will nun weitere Briefe mit Gesprächsaufforderungen verschicken: einen an Lopavent-Chef Rainer Schaller, einen an Duisburgs Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Beide sitzen nicht auf der Anklagebank.


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