„Wir müssen Maßhalten“ Misereor-Fastenaktion beschäftigt sich mit Klimawandel

Von Franziska Kückmann | 20.02.2015, 14:36 Uhr

Zum Start der diesjährigen Misereor-Fastenaktion zum Thema Klimawandel hat Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode gefordert, das westliche Wirtschaftssystem und damit den eigenen Lebenswandel immer wieder infrage zu stellen. Am Sonntag wird die bundesweite Aktion mit einem Gottesdienst im Osnabrücker Dom eröffnet.

Länder wie die Philippinen spüren die Folgen des Klimawandels unmittelbar: 20 Taifune von unterschiedlicher Intensität suchen den Inselstaat inzwischen pro Jahr heim. Wetterextreme wie der verheerende Taifun Haiyan im November 2013 bringen Zerstörung. Deshalb stehen die Philippinen bei der diesjährigen Misereor-Fastenaktion zum Thema Klimawandel und Klimagerechtigkeit im Mittelpunkt.

Auch das Motto „Neu denken! Veränderung wagen“ sei auf das Land zugeschnitten, sagte Misereor-Geschäftsführer Pirmin Spiegel am Freitag in Osnabrück, denn: „Auf den Philippinen haben die Menschen längst begonnen, umzudenken und sich den neuen Bedingungen anzupassen.“ Der Klimawandel zwinge sie zur Veränderung ihres Lebensstils.

Motor des Klimawandels

Diese Veränderung forderte Osnabrücks Bischof Bode auch von den Industriestaaten. „Unser Lebensstil ist der Motor dafür, dass sich das Klima wandelt“, erinnerte er an die Verantwortung der westlichen Welt. „Deshalb müssen wir unser Wirtschaftssystem immer wieder infrage stellen und dürfen uns nicht zurücklehnen.“ Mit seinen Aussagen zu Wirtschaft und Kapitalismus sei der Papst dabei eine große Hilfe.

Die 57. Misereor-Fastenaktion wird am Sonntag, 22. Februar, um 10 Uhr mit einem Gottesdienst im Osnabrücker Dom eröffnet. Die ARD überträgt die Messe live im Ersten. Seit Mittwoch arbeitet der NDR bereits im Dom. „Dort sieht es aus wie in einem Fernsehstudio“, schmunzelte Bischof Bode.

Zum zweiten Mal in Osnabrück

Er freue sich darüber, dass Misereor zum zweiten Mal nach 1999 die Fastenaktion in Osnabrück starte, sagte er. „Bei Misereor geht es um mehr als ums Spendensammeln“, betonte der Bischof. „Es geht darum, ein Bewusstsein für die zentralen Fragen unserer Zeit zu schaffen und Antworten auf sie zu finden.“

Spiegel hob hervor: „Wir brauchen Sensibilität für das Leiden von Menschen, auch wenn sie viele tausend Kilometer von uns entfernt leben.“ Der Misereor-Geschäftsführer forderte auch die Menschen in Deutschland zum „Maßhalten“ auf, zum „Neu-Denken unserer Lebensweise, unseres Konsums, der Art unserer Mobilität“.

Dass diese Themen hierzulande längst diskutiert werden, zeigt die jüngste Kontroverse zwischen Misereor und landwirtschaftlichen Vertretern aus unserer Region. So haben sich zehn Landjugend-Ortsgruppen aus dem nördlichen Emsland dazu entschlossen, in diesem Jahr nicht am traditionellen Misereor-Fastenmarsch am 8. März im Dekanat Emsland-Nord teilzunehmen.

Kritik an Misereor

Sie wollen damit ihren Unmut darüber ausdrücken, dass Misereor während der Grünen Woche in Berlin an der agrarkritischen Demonstration „Wir haben es satt“ von Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbänden teilgenommen hat. Auf einer Diskussionsveranstaltung mit Misereor im emsländischen Niederlangen vor einigen Tagen hatten Bauern und Bürger deutlich gemacht, dass Landwirte nicht zu Sündenböcken abgestempelt werden dürften und Respekt für ihre Arbeit verdienten.

Sowohl Spiegel als auch Bode bedauerten die Entscheidung der Ortsgruppen. „Wir werden weiterhin das Gespräch mit den kritischen Verbänden hier in der Region suchen“, versicherte der Misereor-Geschäftsführer, der selbst gelernter Landwirt ist. Es läge ihm fern, Bauern zu Sündenböcken machen zu wollen, betonte er, aber eine kritische Diskussion über das Höfesterben, die Schaffung immer größerer Betriebe und den Preisverfall bei Agrarprodukten sei dringend notwendig. Misereor sei auch bereit dazu.

Bode gab zu, dass ihn die heftige Reaktion aus dem Emsland überrascht habe. Es gehe nicht darum, die Landwirtschaft für alles Übel verantwortlich zu machen. „Wir alle sind durch unseren Lebenswandel die Verursacher dieser Entwicklung“, hob er hervor. Auch das Bistum Osnabrück werde aktiv den Kontakt zu den kritischen Landjugend-Gruppen suchen.

Frühwarnsysteme auf Philippinen

Erzbischof Antonio Ledesma aus Cagayan de Oro von der philippinischen Insel Mindanao richtete den Blick anlässlich der Fastenaktion auf sein Heimatland. Die Zunahme der Wirbelstürme führe den Menschen dort vor Augen, wie wichtig Frühwarnsysteme seien, sagte der Bischof, der zur Eröffnung der Misereor-Aktion nach Deutschland gereist ist. „Wir verursachen den Klimawandel nicht maßgeblich“, sagte Ledesma, „aber wir sind diejenigen, die unter ihm leiden müssen.“

Er beschrieb, wie die Menschen versuchen, sich mit den veränderten Lebensbedingungen zu arrangieren. Etwa die Fischer, die nicht mehr direkt an der Küste wohnen, um dem Meer bei einer Sturmflut nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Als besonders wichtig hob er ein Projekt hervor, das auch von Misereor unterstützt wird: den Ausbau der Mangroven-Wälder zum Schutz vor den Wassermassen bei Wirbelstürmen. Tausende Setzlinge seien bereits angepflanzt worden.

Das katholische Hilfswerk Misereor startet in jedem Jahr in der Fastenzeit eine Fastenaktion, deren Spendenerlös Projekten zugute kommt. Im vergangenen Jahr brachte die Fastenkollekte mehr als 14,5 Millionen Euro ein.