Westfleisch und Danish Crown Nach Gausepohl-Pleite: Bald Sauen-Schlachtung in Dissen

Von Dirk Fisser | 06.10.2015, 16:03 Uhr

Die Branchengrößen Danish Crown und Westfleisch wollen künftig gemeinsam Sauen im Osnabrücker Land schlachten, zerlegen und vermarkten. Standort für den Zusammenschluss der Konkurrenten soll der ehemalige Gausepohl-Schlachthof in Dissen sein. Den hatte Westfleisch im Zuge der Insolvenz des Rinderfleischproduzenten übernommen.

Statt Rindern also künftig Sauen. Die Umbauarbeiten an den Gebäuden sind bereits angelaufen. „Das Ganze ist dabei, Form und Struktur anzunehmen“, sagte ein Westfleisch-Sprecher unserer Redaktion. Was allerdings noch fehle, sei die Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörde zu dem Gemeinschaftsprojekt mit dem Namen „Westcrown“. Etwa 355.000 Tiere sollen in Dissen zunächst im Jahr geschlachtet werden, bestätigte der Sprecher einen Bericht des NDR. Die Kapazitäten sollen aber ausgebaut werden.

200 Werkvertrags-Schlachter?

Das Unternehmen kalkuliert mit etwa 200 Arbeitskräften im Osnabrücker Land. Diese werden aber wohl nicht direkt bei Westcrown, sondern bei Subunterhemen angestellt, mit denen der Schlachtbetrieb einen Werkvertrag abschließt. Dies ist branchenüblich. Der Sprecher von Westfleisch wollte dazu noch keine Angaben machen.

 Im Februar dieses Jahres hatte Westfleisch, Nummer vier auf dem deutschen Fleischmarkt, den Standort Dissen sowie die gesamte Rindersparte von Gausepohl übernommen. Der Kaufpreis blieb geheim, spekuliert wurde aber über einen siebenstelligen Betrag. Kurz darauf wurde die geplante Zusammenarbeit der beiden genossenschaftlich organisierten Unternehmen Westfleisch und Danish Crown öffentlich. (Weiterlesen: Westfleisch übernimmt Rindersparte von Gausepohl) 

Bislang im Münsterland und Dänemark geschlachtet

Westfleisch ließ nach eigenen Angaben bislang 355.000 Sauen im Jahr bei der Firma Tummel in Schöppingen im Münsterland schlachten. Zum Juni 2016 hat Tummel den Vertrag allerdings gekündigt, berichten die „Westfälische Nachrichten“. Westfleisch braucht also einen neuen Standort für die Sauenschlachtung. Dies soll nun Dissen werden.

Wunschpartner Danish Crown schlachtet Sauen in Dänemark, 325.000 Tiere sollen es bislang pro Jahr sein. Das Fleisch wird nach Unternehmensangaben überwiegend an Kunden in Deutschland verkauft. Mit dem Standort in Dissen würden die Dänen also näher an ihre Kunden heranrücken und Lieferwege verkürzen. Danish Crown ist Nummer drei der Fleischproduzenten hierzulande hinter Tönnies und Vion.

Gegenpol zu Marktführer Tönnies?

Wann die EU über das Joint Venture der genossenschaftlichen Schlachtunternehmen entscheidet, ist offen. Der Schlachtsauenmarkt in Deutschland konzentriert sich auf wenige Unternehmen. Das Fleisch der Sauen wird vor allem in der Wurstproduktion verwendet. Marktführer in beiden Bereichen ist die Tönnies-Gruppe, zu der auch der Wurstproduzent Schulte aus Dissen gehört.

Die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter (ISN) sieht die hohe Konzentration auf dem Sauenmarkt kritisch. „Westcrown“ könnte nach Einschätzung des Verbandes ein Gegengewicht zu Tönnies werden.

Die Zahl der Sauenhalter hat in Deutschland nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes stark abgenommen: von 30.000 im Jahr 2006 auf derzeit noch 9900. Die Zahl der Sauen verringerte sich im selben Zeitraum von fast 2,5 Millionen auf etwas mehr als 2 Millionen Tieren.

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