Wende im Fall Harms am Wall Bremer Kaufhausbrand: Geschäftsführer der Brandstifter?

18.06.2015, 13:32 Uhr

dpa/ngr/cg Bremen/Osnabrück. Sechs Wochen nach dem Großfeuer im Modehaus Harms nimmt der Fall eine dramatische Wendung: Nun gilt der Geschäftsführer als Tatverdächtiger. Unterdessen geht es auch um die Frage, wie es weitergeht am Wall.

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  • Ein Großbrand im Mai zerstörte das Kaufhaus Harms am Wall
  • Der Geschäftsführer meldete Insolvenz an
  • Jetzt wurde der Geschäftsführer vorübergehend verhaftet

Am Mittwoch war der Geschäftsführer des Traditionshauses, Hans Eulenbruch, vorübergehend festgenommen worden. Er soll das Feuer gelegt haben. „Wir gehen davon aus, dass er selber für den Brandanschlag verantwortlich ist und den Raub nur vorgegeben hat“, sagte Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bremen. „Gegen ihn wird wegen schwerer Brandstiftung, versuchten Betrugs und Vortäuschung einer Straftat ermittelt.“

Anfang Mai hatte ein Großfeuer das Gebäude am Wall zerstört, in dem das Modehaus untergebracht war. Auch zwei angrenzende Häuser wurden stark beschädigt. Es entstand ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Nach dem Feuer hatte Eulenbruch ausgesagt, überfallen, ausgeraubt und von dem Täter in einen Raum eingeschlossen worden zu sein. Anschließend sei das Feuer gelegt worden. Der Geschäftsführer hatte sich nach eigenen Angaben befreien können und die Aufzeichnungen der Videokamera mitgenommen. Diese zeigen einen maskierten Mann, der kurz vor dem Feuer in dem Haus war. Eine 15-köpfige Sondergruppe der Polizei ermittelte in dem Fall – auch wegen versuchten Mordes.

Widersprüche

Medienberichten zufolge zweifelten Polizei und Staatsanwaltschaft von Anfang an an der Version des Geschäftsführers. Die Ermittler seien Widersprüchen in seiner Darstellung nachgegangen und dabei auf weitere Verdachtsmomente gestoßen. „Das sind einfach zu viele Ungereimtheiten“, sagte Passade.

Unter den benachbarten Geschäftsleuten wollte sich gestern niemand zu den neuesten Entwicklungen in Sachen Kaufhausbrand bei Harms äußern. „Das sind alles nur Mutmaßungen, dazu kann und will ich keine Stellung beziehen“, erklärte etwa ein Geschäftsmann, der in unmittelbarer Nähe des ausgebrannten Gebäudes sein Ladenlokal betreibt.

Einbußen

Einige Passanten auf der Straße hingegen waren etwas meinungsfreudiger. So sagte beispielsweise ein Besucher, der von außerhalb zum Einkaufen in die Stadt gekommen war: „Ich kann mir schon vorstellen, dass etwas an den Vorwürfen dran ist. Schließlich wissen wir alle, dass es aufgrund der großen Konkurrenz im Internet dem Einzelhandel immer schlechter geht.“ Ein anderer sagte: „Das ist schon ein richtiger Krimi.“

Das Stimmungsbild unter den Geschäftsleuten ist vielschichtig. Wirtschaftlich macht das Feuer den Anrainern auch nach sechs Wochen noch durchaus zu schaffen: Die Straße ist für Autos gesperrt, der Brandgeruch immer noch wahrnehmbar. Viele Kaufleute sind frustriert und hatten in den vergangenen Wochen unter sinkenden Umsätzen zu leiden. Friedrich Bungalski vom Elektrofachgeschäft B&O sagte dagegen: „Die Zeiten werden auch wieder besser, und bei vielen herrscht jetzt so eine Art Gefühl: Jetzt erst recht.“ Bungalski hatte selbst einen hohen Schaden zu verzeichnen, da Löschwasser in sein Geschäft eingedrungen war.

Insolvenzantrag

Bei Harms waren für Ende des Jahres eine Neueröffnung und eine Feier zum 150-jährigen Firmenjubiläum geplant. Stattdessen stellte das Modehaus nach dem Brand einen Insolvenzantrag. So hätten die Gehälter der 45 Mitarbeiter für drei Monate gesichert werden können, teilte das Unternehmen mit. Vor dem Feuer hatte Harms auch mit Umbauarbeiten begonnen. Dabei soll es Berichten zufolge Streit gegeben haben. Der Hauseigentümer habe bei der Sanierung nicht mitziehen wollen.

Anfang Juli will das Traditionsgeschäft an anderer Stelle wieder öffnen – allerdings deutlich kleiner als an der alten Adresse. Die Zahl der Mitarbeiter werde auf 20 sinken, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Neben der Diskussion über den eigentlichen Vorfall hat der Brand in den vergangenen Wochen aber auch dazu angeregt, über die Entwicklung des Walls nachzudenken. Angesichts der erzwungenen Sperrung werden Stimmen laut, die eine Verkehrsberuhigung oder eine Einbahnstraßenregelung fordern. Zudem wünschen sich Vertreter aus Politik und Einzelhandel auch mehr Außengastronomie und damit eine größere Öffnung zu den Wallanlagen.

Wie es mit dem zerstörten Gebäude des Traditionshauses weitergeht, ist unklar. In den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen ist eine Umgestaltung des Walls jedenfalls ein Thema.