Vortrag im Landtag Widerständler als „Verräter“

Von Hans Brinkmann | 23.07.2014, 19:43 Uhr

Im Landtag ist am Mittwoch das Wirken der Widerstandskämpfer gegen das Naziregime gewürdigt worden. Zugleich wurde aber auch daran erinnert, dass es erstmals in Niedersachsen gelungen sei, die noch nach Kriegsende weit verbreitete Einstufung der Hitler-Kritiker als „Verräter“ zu durchbrechen.

In einem Vortrag anlässlich des 70. Jahrestages des fehlgeschlagenen Angriffs auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beleucherte Helmuth Caspar Graf von Moltke, Sohn des durch den „Kraisauer Kreis“ bekannt gewordenen Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke, die Bemühungen mutiger Demokraten, Hitler und sein unmenschliches Regime zu Fall zu bringen.

Dabei erinnerte er daran, dass in Deutschland in den ersten Jahren nach dem 2. Welrtkrieg die Einstellung zum Widerstand generell und besonders zu den Männern des 20. Juli ablehnend gewesen sei. „Man hielt sie für Verräter – und die Witwen und Kinder, die sie überlebten, mussten neben ihrem Opfer im Kampf gegen die Nazis auch noch Anfeindungen ertragen“, schilderte von Moltke.

Einen Wendepunkt habe es dann 1951 gegeben, als der ehemalige Wehrmachtsoffizier Otto Ernst Remer in einer Wahlkampfveranstaltung für die Sozialistische Reichspartei in Niedersachsen die Männer des 20. Juli als Landesverräter beschimpfte und der damalige Braunschweiger Generalstaatsanwalt Fritz Bauer Klage wegen „übler Nachrede in Tateinheit mit Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“ erhob. Remer verlor laut Moltke den Prozess und wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. „Damit begann eine langsame Neueinschätzung des Widerstands“, berichtete Graf Moltke.

Der gebürtige Schlesier schilderte die Kontrrahenten im Übrigen als extrem gegensätzlich: Während Remer 1944 persönlich von Hitler den Auftrag zur Vereitelung eines Staatsstreichs nach dem Attentat erhielt und später zum Generalmajor befördert wurde, war SPD-Mitglied Bauer in ein KZ gesteckt worden und dann vor den Nazis nach Schweden geflüchtet.

Landtagspräsident Bernd Busemann lobte den Mut der Widerstandskämpfer. „Es ist gut, dass es diese Menschen geben hat“, betonte er. Verpflichtung der Demokraten sei es, für die Ideale dieser Kämpfer einzutreten.