Vor allem Fernverkehr gestört Sturmtief „Xavier“: Diese Züge in unserer Region fallen aus

06.10.2017, 07:12 Uhr

Auch am Morgen nach den Verwüstungen durch „Xavier“ müssen Reisende in Deutschland viel Zeit mitbringen. Die allermeisten Fernzüge im Norden und Nordosten fallen zunächst aus. Doch die Einstellung des Verkehrs könnte sich auch auf das übrige Netz der Bahn auswirken. Auch in unserer Region sind Züge betroffen.

Reisende und Pendler müssen auch einen Tag nach Sturmtief „Xavier“ mit Zugausfällen, erheblichen Verspätungen und langen Wartezeiten an Bahnhöfen rechnen. Die Einstellung des Verkehrs im Norden und Nordosten Deutschlands am Donnerstag könne sich auch auf das bundesweite Netz der Bahn auswirken, sagte ein Sprecher in der Nacht zum Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Vor allem Fernverkehr gestört

Für Freitagmorgen sollten Fernreisende eher Geduld als Hoffnung auf schnelle Besserung mitbringen. „Strecken, auf denen wir am Abend nicht mehr gefahren sind, werden wir auch am Morgen gar nicht oder nur sehr eingeschränkt befahren können“, sagte der Sprecher. Für die Reisenden im Norden und Nordosten werde es nach Angaben der Bahn „größtenteils“ keine Züge im Fernverkehr geben. Der Sprecher rät Reisenden deutschlandweit, sich mithilfe einer App über Ausfälle und Verspätungen am Freitag zu informieren. (Weiterlesen: Sieben Tote bei schwerem Sturm über Deutschland) 

Diese Strecken sind nicht befahrbar

Weiterhin sind die Strecken Hannover-Berlin, Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Leer-Berlin, Bremen-Wunstdorf, Hamburg-Kiel und Hamburg-Westerland nicht befahrbar. Einige dieser Verbindungen könnten im Laufe des Tages wieder freigegeben werden. Die Bahn rät, Durchsagen zu beachten und die Online-Fahrpläne zu checken.

Die Strecken Rheine-Norddeich, Kassel-Wilhelmshöhe nach Hannover sind inzwischen wieder frei. In Kassel-Wilhelmshöhe mussten gestrandete Leute in Übernachtungszügen schlafen.

In Niedersachsen sind die Strecken der Züge RE5 zwischen Cuxhaven und Hamburg, RE4 und RB41 zwischen Hamburg und Bremen voraussichtlich bis weit in den Tag hinein gesperrt. Bei der RE3 und der RB31 zwischen Lüneburg und Hamburg ist mit Verspätungen zu rechnen. Die Haltestellen Radbruch und Bardowick können nicht angefahren werden. Die R2 fährt zwischen Uelzen und Hannover nicht und zwischen Hannover und Göttingen ist mit Verspätungen zu rechnen.

Bei der RE50 ist die Strecke zwischen Braunschweig und Hildesheim gesperrt und auf der Teilstrecke Hildesheim - Braunschweig fahren Züge mit Verspätung. Zwischen Wolfsburg und Hannover ist mit der RE30 kein Zugverkehr möglich.

So ist die Situation in Osnabrück

Auch in Osnabrück müssen die Bahnreisenden Geduld aufbringen. Die Fernzüge fallen aus. Am Freitagmorgen sind davon unter anderem der IC nach Westerland, der ICE nach Wien, der IC nach Kiel und der EC nach Zürich betroffen. Der IC um 8.05 Uhr nach Berlin (Ostbahnhof) fährt nur nach Hannover. Der regionale Verkehr soll dagegen nicht betroffen sein. Nordwestbahnen, Westfalenbahnen und Regionalzüge der Bahn sollen dagegen regulär fahren. Nur der Zug um 7.34 Uhr nach Bremerhaven fällt nach Angaben der Bahn aus. Der IC nach Lübeck um 10.23 Uhr fällt aus, genauso wie der IC nach Offenburg um 10.36 Uhr. Der Regional-Express nach Bremen (10.34 Uhr) fährt am Freitag nur nach Diepholz.

Ausfallen werden auch der IC nach Westerland um 11.23 Uhr sowie der IC nach Amsterdam (11.53 Uhr). (Lesen Sie auch: So ergeht es Reisenden am Osnabrücker Hauptbahnhof nach Sturm „Xavier“) 

So ist die Situation im Emsland

In Lingen ist der IC um 8.15 Uhr nach Norddeich Mole mit großer Verspätung abgefahren, genauso wie in der Gegenrichtung nach Köln/Karlsruhe, der um 7.44 Uhr in Lingen abfahren sollte. Die Züge um 9.44 Uhr nach Köln und 10.15 Uhr nach Norddeich fallen aus. Ab 11.44 beziehungsweise 12.15 könnte es nach jetzigem Stand wieder normal laufen. Diese Züge fahren normalerweise auch über Meppen und Papenburg.

Die Westfalenbahn, die den RE 15 (Emsland-Express) bedient, fährt derzeit mit Verspätung. Für den Zug um 10.55 Uhr bis Emden Außenhafen ist eine Verspätung von 20 Minuten angekündigt, der RE 15 um 11.04 Uhr Richtung Münster hat ebenfalls 20 Minuten Verspätung. Ab etwa 12 Uhr könnten sich die Verspätungen bei der Westfalenbahn nach jetziger Fahrplanauskunft in beide Richtungen normalisieren.

In Leer in Ostfriesland ist der IC 2039/RE 56 nach Bremen/Leipzig um 10.41 Uhr planmäßig abgefahren. In Richtung Münster soll es um 11.09 pünktlich gehen, genauso wie um 10.53 Uhr in Richtung Köln. Der RE1 nach Hannover, der um 9.41 Uhr abfahren sollte, ist ausgefallen. Auch die Fahrt um 11.41 Uhr dieses Zuges wird nicht stattfinden. Ebenfalls ausfallen werden der IC um 11.09 Uhr nach Norddeich und um 11.22 Uhr nach Emden. Für den Zug der Westfalenbahn (RE15) nach Emden um 10.53 Uhr ist eine Verspätung von 20 Minuten angekündigt, für den Zug um 11.53 Uhr von 15 Minuten.

So ist die Situation in Delmenhorst

Delmenhorst ist am Freitagmorgen sehr stark von Zugausfällen betroffen. Die Bahnen der Regio-S-Bahn-Linien S3 und S4 fahren bis auf Weiteres nicht. Bis 10 Uhr fallen zudem folgende Züge aus: Nordwestbahn nach Bremen (Abfahrt 7.24 Uhr), IC nach Leipzig (Abfahrt 7.54 Uhr), RE nach Emden (Abfahrt 8.04 Uhr), IC nach Emden (Abfahrt 8.04 Uhr), RE nach Hannover (Abfahrt 8.54 Uhr), RE nach Norddeich Mole (Abfahrt 9.03 Uhr), IC nach Leipzig (Abfahrt 9.54 Uhr) und der IC nach Emden (Abfahrt 10.04 Uhr).

Straßen nicht befahrbar

Die Straßen sind in Norddeutschland weitgehend wieder befahrbar. Die meisten Bäume sind weggeräumt. In Hamburg hatte die Feuerwehr in der Nacht mehr als ein Dutzend Einsätze wegen überfluteter Keller. Sie erwarten noch mehr Einsätze.

Viele gestrandete Reisende

Die Nacht verbrachten viele Bahn-Reisende in Hotels oder in von der Bahn bereitgestellten Zügen. Insgesamt 20 Züge stellte die Bahn zur Verfügung. So standen zum Beispiel drei Übernachtungszüge in Kassel-Wilhelmshöhe, außerdem gab es sogenannte Hotelzüge auch in Berlin am Hauptbahnhof und an den Stationen Spandau und Südkreuz sowie an den Hauptbahnhöfen in Köln, Dortmund, Bielefeld, Düsseldorf, Leipzig, Hamburg und Hannover. In Kassel waren Schnellzüge gestrandet, weil sie aus dem Süden nicht weiter in Richtung Norden fahren konnten. Ähnliches passierte an Bahnhöfen in Köln und Leipzig.

Der Sturm legte am Donnerstag nicht nur den Fernverkehr lahm. Auch die öffentlichen Netze von Großstädten wie Berlin oder Hamburg waren beeinträchtigt. „Am stärksten betroffen ist aber der Fernverkehr“, betonte der Bahn-Sprecher. Er wirke sich am stärksten auf das gesamte Netz aus. Nach dem Unwetter, das die Bahn am Donnerstag zur Einstellung von einigen Teilen des eigenen Netzes zwang, drohen auch am Freitag große Beeinträchtigungen und viele Zugausfälle.

Die Bahn hatte am Donnerstag wegen des Sturms den Zugverkehr in mehreren Regionen eingestellt. Besonders betroffen waren Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Sogar am Wochenende noch mit Auswirkungen zu rechnen

Wie lange die Arbeiten dauern würden, war in der Nacht zum Freitag noch ungewiss. Es sei nicht auszuschließen, dass es auch am Wochenende noch Auswirkungen auf den Verkehr gebe, hieß es.

Die Bahn überprüfe die ganze Nacht ihre Strecken. Auf manchen Abschnitten sei dies aber ohne Tageslicht nicht oder nur schlecht möglich, erklärte der Sprecher.

Das Sturmtief hatte am Donnerstag mindestens sieben Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Am späten Abend entspannte sich zumindest die Wetterlage. Beim Verkehr ist eine Beruhigung der Situation noch nicht absehbar.

Nicht genutzte Zugtickets von Donnerstag noch gültig

Derweil hat die Bahn erklärt, dass Reisende am Freitag nicht genutzte Zugtickets von Donnerstag nutzen können. Wer ein gültiges Zugticket vom 5. Oktober habe, könne damit am Freitag reisen, kündigte die Deutsche Bahn an. Diese Regelung gelte auch bei Tickets mit Zugbindung.