Vogelgrippe in Niedersachsen Verbrauchertipps: Gibt es bei Stallpflicht noch Freilandeier?

Von Waltraud Messmann | 16.11.2016, 17:06 Uhr

In Niedersachsen gibt es einen ersten Vogelgrippefall bei einem Wildvogel im Landkreis Peine. Tote Wildvögel sollten auf keinen Fall berührt werden. Doch was bedeutet der Vorfall für den Verzehr von Geflügel und Eiern? Ist die Weihnachtsgans in Gefahr? Die Verbraucherzentrale Niedersachsen gibt Hinweise für den sicheren Umgang mit Geflügel.

Eine Gefahr für den Menschen über den Verzehr von Geflügel besteht nach Angaben der Verbraucherschützer nicht: Wird in einem Geflügelbetrieb die Vogelgrippe festgestellt, werden die Tiere des betroffenen Betriebes sowie in der Umgebung getötet. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Fleisch der Tiere in den Handel gelangt.

Bei der Lagerung und Zubereitung von Geflügelspeisen sollten Verbraucher dennoch darauf achten, generelle Hygieneregeln einzuhalten:


  • Rohes Fleisch grundsätzlich getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren und zubereiten
  • Messer und Schneidebrett nach der Benutzung direkt mit heißem Wasser und Spülmittel abwaschen – keinesfalls ungewaschen für andere Lebensmittel verwenden
  • Verpackungen des Fleisches sowie Tauwasser umgehend entsorgen
  • Hände vor der Verarbeitung anderer Lebensmittel gründlich mit warmem Wasser und Seife waschen
  • Geflügelspeisen gründlich durchgaren, da das Vogelgrippevirus hitzeempfindlich ist (Kerntemperatur mindestens 70°C, d.h. Fleisch innen nicht mehr rosa)
  • Eier gut durchgaren (Eiweiß und Eigelb)

Wer diese Tipps befolgt, kann nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen Geflügelprodukte weiterhin unbeschwert genießen – und muss auch auf die Weihnachtsgans nicht verzichten.

Es folgen noch einige Antworten der Verbraucherzentrale auf wichtige Fragen:

 Gibt es bei einer Stallpflicht überhaupt noch Freilandeier? 

Die Freilandhaltung ist klar geregelt. Wenn eine Stallpflicht angeordnet wird, dürfen die Eier aus dieser Haltungsform noch bis zu 12 Wochen als Freilandeier verkauft werden, auch wenn die Hühner im Stall stehen. Sollte die Stallpflicht länger andauern, müssen sie als „Bodenhaltung“ deklariert werden. Die Haltungsform können Sie über die erste Zahl auf dem Eiercode erkennen. Die Legebetriebsnummer zeigt an, aus welchem Betrieb das Ei stammt und ob es möglicherweise in einem Gebiet mit Stallpflicht gelegt wurde.

 Betrifft das auch Bio-Eier? 

Nein. Zwar müssen auch die Tiere auf ökologisch wirtschaftenden Höfen in den Stall, doch auch im Stall haben sie mehr Auslaufmöglichkeiten als auf konventionellen Höfen. Die Eier dürfen weiterhin als Bio-Eier vermarktet werden, solange die Stallpflicht behördlich angeordnet wird wie im vorliegenden Fall.

 Die Vogelgrippe kommt ja häufig in Asien vor. Wie kann der Verbraucher überhaupt die Herkunft von Geflügelfleisch und Eiern erkennen? 

Über den Aufdruck auf dem Ei können Sie das Herkunftsland sowie die Legebetriebsnummer mit Stallnummer herausfinden.

Das im Handel angebotene Geflügelfleisch, das in Deutschland geschlachtet und zerlegt wurde, trägt auf der Verpackung oder auf dem Etikett die Zulassungsnummer des Schlacht- bzw. Zerlegebetriebes. Die Nummer und der Betrieb können auf der Internetseite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingesehen werden. Wenn das Produkt aus einem Nicht-EU-Land eingeführt wurde, muss die Herkunft angegeben werden. Seit April 2015 ist die Angabe von Aufzucht und Schlachtung auf Fleisch aus der EU und Nicht-EU verbindlich. Für verarbeitete Produkte, wie z. B. Chicken Nuggets gilt dies jedoch nicht.

  Bis wann und wo gilt die angeordnete Stallpflicht? 

Nachdem sich der Geflügelpest-Verdacht bei einer kleinen Geflügelhaltung in Schleswig-Holstein bestätigt hat und weitere Fälle bei Wildvögeln in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Baden-Württemberg aufgetreten sind, muss das Geflügel auch in weiten Teilen Niedersachsens im Stall bleiben.

Das betrifft die Landkreise Emden, Aurich, Leer, Emsland, Grafschaft Bentheim, Ammerland, Cloppenburg, Stadt und Landkreis Osnabrück, Vechta, Stadt und Landkreis Oldenburg, Delmenhorst, Diepholz, Nienburg, Osterholz, Cuxhaven, Verden, Rotenburg (Wümme), Stade und Harburg. Im Zweckverband Veterinäramt JadeWeser mit seinen Landkreisen Wittmund, Friesland, Wesermarsch und der Stadt Wilhelmshaven gilt eine teilweise Stallpflicht, zum Beispiel für Betriebe in Gewässernähe. Auch im Landkreis Lüneburg müssen nur Geflügelhalter beidseits der Elbe ihre Tiere im Stall lassen.

Hinzugekommen sind nun die Gebiete Lüchow-Dannenberg, Celle und die Region Hannover, die eine teilweise Stallpflicht verhängt haben.

Die Verfügungen gelten laut Landwirtschaftsministerium bis zum 31.01.2017.