Verteidiger trägt Erklärung vor Anwalt unter Betrugsverdacht: Verteidiger weist Vorwürfe zurück

Von dpa | 02.02.2017, 16:40 Uhr

Ein Insolvenzverwalter soll 2007 bei der Abrechnung eines Millionen-Honorars das Amtsgericht Aurich getäuscht und dadurch mindestens 148.000 Euro zuviel kassiert haben. Das wirft die Staatsanwaltschaft Osnabrück dem Fachanwalt aus Bremen vor. Der Mann muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Aurich wegen Betruges verantworten.

Der 56-Jährige wollte sich zum Prozessauftakt zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Stattdessen ließ er seinen Verteidiger sprechen, der dem Gericht eine umfangreiche Erklärung vortrug. Darin bezeichnete er die Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft als „Fehleinschätzung“.

Der Fall um das Millionen-Honorar hatte vor zehn Jahren bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Insolvenzverwalter hatte für seine Arbeit von April bis Ende Juni 2007 eine Vergütung von rund 14,4 Millionen Euro beantragt. Davon musste er jedoch rund 11,5 Millionen Euro zurückzahlen, entschied 2013 das Auricher Landgericht.

Bei der strafrechtlichen Prüfung kam die Staatsanwaltschaft Osnabrück zu dem Ergebnis, dass der Insolvenzverwalter dem Sachbearbeiter des Amtsgerichtes wesentliche Umstände verschwiegen habe. Wenn der Anwalt wahrheitsgemäße Angaben gemacht hätte, wäre sein Honorar um mindestens 148.000 Euro gekürzt worden.

Im Kern geht es um Arbeitsaufträge, die der Insolvenzverwalter an externe Berater vergeben hat. Diese Dienstleistungen soll er aus der Insolvenzmasse abgerechnet haben. Dem Amtsgericht habe er dies jedoch als eigene Leistung dargestellt und Zuschläge beantragt, hieß es in der Anklage.

Verteidiger Reinhard Schlothauer rechtfertigte die Höhe des Honorars mit den komplexen Aufgaben, die der Insolvenzverwalter damals bewältigen musste. Die externen Berater hätten zudem im Sinne des insolventen Unternehmens gearbeitet.

Das Gericht hat bis Ende Mai 20 weitere Prozesstage angesetzt. Die Verhandlung wird am 6. Februar fortgesetzt.