Verändertes Ausgehverhalten Haben Diskotheken in der Region ausgedient?

Von Nadine Sieker | 09.07.2017, 12:00 Uhr

Das Meppener Update und das Aero in Diepholz haben vor Kurzem geschlossen, das Retro in Delmenhorst kämpft ums Überleben. Ist die Zeit der Diskotheken abgelaufen?

„Es läuft nicht mehr so wie früher“, sagt Hans-Bernd Pikkemaat, Betreiber des Aura in Ibbenbüren und Präsident des Bundesverbands deutscher Diskotheken (BDT). Aber: „Von einem Disco-Sterben kann man nicht sprechen.“ Dennoch sei die Zahl der Discobesuche in den vergangenen 15, 20 Jahren stark gesunken. Während Betreiber ihre Läden früher ohne Probleme an zwei oder drei Tagen rappelvoll bekommen hätten, sei es heute schon schwierig, das an einem Tag zu schaffen. Etwa eine Million Menschen gehen heutzutage bundesweit jede Woche in die Disco.

Kleinere Hauptzielgruppe

Die Gründe für den Rückgang seien vielfältig. Zum einen habe der demografische Wandel die Hauptzielgruppe der 18- bis 25-Jährigen von zehn Millionen auf rund 6,5 Millionen verkleinert. Zum anderen gebe es eine große Konkurrenz: „Überall sprießen Festivals aus dem Boden. Der große Aufwand, der dort betrieben wird, begeistert viele“, sagt Pikkemaat. Und wer Cocktails trinken wolle, gehe lieber in ein Café oder eine Bar anstatt in die Disco. (Lesen Sie auch: Warum tausende Partybegeisterte zum Frühtanz Tange pilgern)

Kontakte im Internet knüpfen

Auch das Internet sorgt laut Pikkemaat dafür, dass weniger Menschen in die Disco gehen. „Früher waren Discobesuche wichtig, um Kontakte zu knüpfen.“ Statt auf der Tanzfläche oder bei einem Drink an der Theke werden Dates heutzutage über Online-Plattformen vereinbart. „Trotzdem ist die Disco immer noch die liebste Freizeitbeschäftigung.“

Verändertes Ausgehverhalten

Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Niedersachsen hat sich das Ausgehverhalten verändert. „Heute ist der Besuch individueller Clubs eher angesagt, weil man weiß, dass einem da die Mischung der Gäste gefällt. Bei einer Großraumdisco weiß man nie, wer noch so kommt“, sagt eine Dehoga-Sprecherin. Eine Umfrage des Radiosenders 1live zu dem Thema hingegen ergab, dass viele jüngere Menschen lieber zuhause feiern. Sei es, wegen der Atmosphäre oder weil man in kleinerer Runde besser andere Leute kennenlernen könne. (Lesen Sie auch: Schockierendes Video: Schlägerei vor Disco Index wirft Fragen auf)

Neue Angebote

78 Diskotheken haben laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland im Jahr 2015 Insolvenz angemeldet, im vergangenen Jahr waren es nur 47. In Niedersachsen waren es nach Angaben des Landesamts für Statistik im Jahr 2016 sieben. Neben sinkenden Besucherzahlen würden einigen Betreibern Pikkemaat zufolge auch steigende Mieten und Personalkosten sowie ein veraltetes Arbeitszeitgesetz Probleme bereiten. Doch fast alle würden versuchen, mit kreativen Angeboten mehr Gäste anzulocken. „Schon länger wird die Disco ab 16 angeboten und mit Ü-Partys versucht man die älteren anzusprechen.“

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