Spezielle Kurse mit Kinderbetreuung sollen helfen Länder fordern mehr Hilfe für Flüchtlingsfrauen

Von Klaus Wieschemeyer, Klaus Wieschemeyer | 16.06.2016, 18:20 Uhr

Weiblichen Flüchtlingen bleibt der Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt oft versperrt. Die Länder wollen nun mit speziellen Angeboten gegensteuern.

klw Hannover. Die Frauen- und Gleichstellungsministerinnen der Bundesländer wollen weiblichen Flüchtlingen die Integration weiter erleichtern. Das kündigte Niedersachsens Gleichstellungsministerin Cornelia Rundt (SPD) nach einer Konferenz mit ihren Länderkolleginnen am Donnerstag in Hannover an. Konkret fordern die Länder vom Bund vor allem eine „vertiefte Vermittlung des Gleichheitsgrundsatzes“ aus dem Grundgesetz bei Integrationskursen. Zudem wünschen sich die Ministerinnen spezielle Sprach- und Qualifikationskurse für Frauen mit angeschlossener Kinderbetreuung. „Auch eine gemeinsame Teilnahme von Frauen und Kindern sollte erwogen werden“, heißt es in einem Beschluss der 16 Länder.

Weit weg vom Arbeitsmarkt

Laut einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vom Januar dieses Jahres streben knapp 79 Prozent der zugewanderten Frauen eine Erwerbstätigkeit an. Gleichzeitig kommen laut Bamf aber kaum Flüchtlingsfrauen auf dem Arbeitsmarkt an. Da der Frauenanteil unter den Flüchtlingen steigt, sehen die Ministerinnen Handlungsbedarf. Bisher sei das Thema Qualifikation auf Männer zugeschnitten. Spezielle Förderkurse für Frauen könnten auch helfen, „die vielfach bestehende traditionelle Rollenverteilung aufzubrechen“, heißt es in einem einstimmig verabschiedeten Papier. Will heißen: Die theoretische Vermittlung von Gleichberechtigung bringe wenig, wenn am Ende der Mann zu Hause seiner Frau den Lohn abnimmt. In Sachen Gewalt gegen Frauen sowie Schwule, Lesben und andere Minderheiten schlagen die Ministerinnen eine Aufweichung der gerade erst verabschiedeten Wohnsitzauflage vor. Ein Umzug sei oft die einfachste Möglichkeit, gewaltgeprägten Situationen aus dem Weg zu gehen.

Weit weg von Geschlechtergerechtigkeit

Insgesamt zeigten sich die Ministerinnen unzufrieden mit den Fortschritten auf dem Weg zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft: So klaffen Theorie und Praxis in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau weiter auseinander. So gaben 94 Prozentbefragten Frauen 2014 bei einer Studie an, zum Familieneinkommen beitragen zu wollen. Praktisch geben viele Frauen ihre Arbeit aber nach dem ersten Kind auf. Anderses bei Männern: Kinderlose Männer sind zu 80 Prozent vollerwerbstätig, Männer mit Kindern zu 90 Prozent.

Handlungsbedarf sehen die Länder auch bei den Frauenhäusern. Hier habe sich die Klientel in den vergangenen Jahren gewandelt: Fanden anfangs hauptsächlich Opfer männlicher Gewalt Zuflucht in den Häusern, kommen heute oft Frauen mit psychischen Belastungen und Drogenproblemen in die Einrichtungen. Manche haben auch halbwüchsige Söhne dabei. Damit die Frauenhäuser darauf reagieren können, müssen viele umgebaut werden. Die Ländern forderten den Bund zu einem entsprechenden Förderprogramm auf.