Schwerer Unfall an Bahnübergang Zug rammt Müllwagen im Kreis Nienburg – Lasterfahrer stirbt

Von dpa | 30.12.2016, 15:48 Uhr

Wieder hat es an einem unbeschrankten Bahnübergang gekracht. Ein Regionalzug rammt einen Müllwagen. Für den Fahrer des Lasters kam jede Hilfe zu spät. Die Bahnstrecke bleibt erstmal gesperrt.

Horrorszenario am unbeschrankten Bahnübergang: Ein Zug ist am Freitag im Kreis Nienburg in einen Müllwagen gekracht. Der 32 Jahre alte Fahrer des Müllwagens wurde bei dem Unfall getötet, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Triebwagen des Zuges sprang aus den Schienen, der Mülllaster wurde von dem Aufprall auf die Seite geworfen. Er ging ebenso wie das Führerhaus des Zuges in Flammen auf. Allein 160 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

In dem Regionalzug Minden-Nienburg saßen laut Polizei etwa 50 Fahrgäste, sieben von ihnen wurden nach Angaben der Polizei leicht verletzt. Auch der Zugführer erlitt Verletzungen und wurde stationär im Krankenhaus aufgenommen. Die Fahrgäste wurden größtenteils mit Bussen nach Nienburg gebracht.

Unfall auf freier Strecke

Der Unfall geschah auf freier Strecke auf einer Verbindungsstraße in der Nähe des Kraftwerkes Landesbergen. Weder Bäume noch Häuser versperrten die Sicht. Andreaskreuze weisen auf den Bahnübergang hin. Außerdem gebe der Lokführer rechtzeitig vor dem Übergang ein akustische Pfeifsignal, sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. „Da gibt es feste Vorschriften.“

Einige hundert Meter vor dem Übergang wird für den Fahrzeugverkehr die zulässige Geschwindigkeit auf zehn Stundenkilometer reduziert. Warum der Müllwagenfahrer den herannahenden Zug nicht bemerkt hat und die Gleise überquerte wird wohl ungeklärt bleiben. „Gegen Tote kann man nicht ermitteln“, sagte Polizeisprecher Axel Bergmann. Der Mann war allein unterwegs. Geladen hatte er Grünmüll. Woher er kam und wohin er wollte, müsse noch geprüft werden. Das Fahrzeug gehört zur Abfallwirtschaft Nienburg Weser.

Die eingleisige Bahnstrecke zwischen Minden und Nienburg bleibt bis voraussichtlich Mittwoch gesperrt. Auf der Strecke werde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, sagte Meyer-Lovis. Der Schaden ist immens. Der Triebwagen des Zuges wurde im vorderen Bereich komplett zerstört. Auch zahlreiche Schwellen seien beschädigt und müssten ersetzt werden, sagte er. Eine genaue Schadenshöhe nannte er nicht. Der aus den Schienen gesprungene Triebwagen muss mit einem Kran geborgen werden. „Genau dort laufen Überlandleitungen. Das wird noch eine große Herausforderung“, sagte Meyer-Lovis. Möglicherweise müsse für die Bergungsarbeiten auch der Strom abgeschaltet werden.

Immer wieder Unfälle

Immer wieder kommt es an unbeschrankten Bahnübergängen zu Unfällen. Im September hatte ein Zug im niedersächsischen Oerel ein Auto gerammt. Die 28 Jahre alte Fahrerin und ihre beiden vier- und einjährigen Kinder starben bei dem Unfall. Im August hatte ein Güterzug bei Osnabrück trotz Vollbremsung einen Gelenkbus erfasst, dessen Heck auf dem Bahnübergang stand. Für die Menschen im Bus ging das Unglück vergleichsweise glimpflich aus. Zwei Fahrgäste wurden schwer verletzt.