Rätsel um Leichenfund Cloppenburg: Urban Explorers sollen Toten entdeckt haben

Von Christian Schaudwet | 17.03.2015, 16:20 Uhr

Sogenannte Urban Explorers sollen Anfang Januar die Leiche gefunden haben, nach der die Polizei in einem verlassenen Gebäude in Cloppenburg zunächst vergeblich suchte. Offenbar drangen die Unbekannten durch ein Kellerfenster ein und kletterten dann waghalsig durch einen engen Schacht hinauf ins Obergeschoss, wo sie auf den Toten stießen.

Urban Explorers nennt sich eine Szene in Deutschland, die verlassene und verfallende Industriebrachen, aber auch städtische Kanalisationen, Tunnel und Dachgeschosse erkundet. Bei einer solchen Tour könnten Mitglieder der Szene die Leiche des 32-Jährigen Mannes in der ehemaligen Raststätte „Cloppenburger Land“ entdeckt haben. (Weiterlesen: Urban Exploring: Suche nach verlassenen Gebäuden)

Ein anonymer Anrufer habe sich als Urban Explorer ausgegeben, berichtet der Cloppenburger Polizeisprecher Frank Soika vom ersten Hinweis auf den Leichenfund. Möglich wäre dieser Hintergrund, denn offenbar waren diejenigen, die den Toten entdeckten erfahren darin, sich in dunklen, schwer zugänglichen Abbruchhäusern zu bewegen. „Das müssen sehr geübte Kletterer gewesen sein“, sagt Soika. Sie seien aus dem Keller durch einen engen Wäscheschacht der ehemaligen Herberge in den verschlossenen Raum geklettert, in dem die Leiche sich befand.

Wie kamen Reporter in den Raum mit der Leiche?

Vor diesem hatte die Polizei nach dem ersten Hinweis gestanden, hatte aus Rücksicht auf den Eigentümer aber nicht die Tür aufgebrochen. Soika verwies auf rechtliche Hürden . Der Besitzer des Gebäudes hatte versichert, die Stahltür nicht öffnen zu können.

Vor wenigen Tagen dann passierte das Kuriose: Einer Bremer Boulevard-Reporterin gelang es, den Raum zu betreten und von ihren Eindrücken dort und dem Toten zu berichten. In einem Bericht warf die Zeitung „Bild“ der Polizei „Schlamperei“ vor . Die Beamten fragen sich nun, wie die Reporterin in den Raum gelangen konnte, ohne die Tür aufzubrechen oder sich ebenfalls durch den Wäscheschacht nach oben zu arbeiten. Demnach war die Tür zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen.

Die Ermittlungen zur Leiche selbst sind beendet – eine Obduktion ergab laut Polizei, dass der Mann sich selbst das Leben genommen hatte. Offen ist hingegen, ob der Besitzer des Gebäudes Strafantrag wegen Hausfriedensbruches gegen diejenigen stellt, die vor der Polizei in den Raum mit dem Toten gelangten. Er könnte sich gegen die unbekannten mutmaßlichen Urban Explorers richten, aber auch gegen die Reporterin. Der Besitzer des Gebäudes behalte sich diesen Schritt vor, sagt Polizeisprecher Soika.

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