Prozess vor Landgericht Osnabrück Anleger schlitterten arglos ins Solar-Risiko

Von Christian Schaudwet | 29.07.2014, 19:32 Uhr

Arglos haben sich Hunderte Anleger in einem Geflecht aus Solar-Investments und Vermögensberatungen verheddert, dessen Fäden bei einem gebürtigen Osnabrücker zusammenliefen. Der Prozess gegen vier Männer wegen mutmaßlichen bandenmäßigen Betrugs vor dem Landgericht Osnabrück offenbart das Ausmaß des Schadens – und der persönlichen Tragödien.

Das böse Erwachen für die Anleger kam Ende 2011: Die von dem Osnabrücker gesteuerte SN Solartechnics war insolvent. Von deren Vertriebsgesellschaft hatten 287 Anleger aus ganz Deutschland Fotovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung und -einspeisung erworben und diese an das Osnabrücker Unternehmen verpachtet. Dafür hatten sie stattliche Pachtzinsen erhalten.

Wie sehr sie sich mit der vermeintlich lukrativen Investition aber verhoben hatten, wurde am Dienstag vor dem Landgericht deutlich. Dort müssen sich seit mehr als einem Dutzend Verhandlungstagen der 36-jährige gebürtige Osnabrücker, sein in Osnabrück lebender Vater sowie zwei Angeklagte aus Hamburg und aus der Nähe von Frankfurt verantworten. Sie unterhielten das Firmengeflecht um SN Solartechnics. Der Gesamtschaden der Anleger beläuft sich auf mehr als 13 Millionen Euro .

Keine Ahnung über Firmengeflecht

„Ich habe keine Ahnung, wie diese Firmen alle zusammenhingen, räumte ein 42-jähriger Geschädigter im Zeugenstand ein. Den Kauf der Solaranlage, den Pachtvertrag und alles Weitere habe eine Agentin der süddeutschen Vermögensberatung EuroCon für ihn bewerkstelligt. Um die Anlage erwerben zu können, nahm der Maschineneinsteller aus Oberfranken einen Kredit über 57500 Euro bei der Deutschen Kreditbank auf.

Zwei Jahre lang, bis Ende 2011, flossen zuverlässig Pachteinnahmen auf sein Konto, die deutlich über seinen Kreditratenzahlungen lagen. Alles schien auf bestem Wege, als ihn die Nachricht von der Insolvenz erreichte. Die Einnahmen aus seiner Anlage in einem Solarpark in München versiegten, und der Mann blieb auf seinen Kreditverpflichtungen sitzen. Noch 54000 Euro muss er abstottern. Die Bank habe bereits Lohnpfändungen veranlasst, sagte er. „Es sieht nicht gut aus.“

Wie der Oberfranke haben sich im Jahr 2009 zahlreiche Anleger auf die glänzenden Profitprognosen verlassen, die ihnen zwischengeschaltete Finanzberater schmackhaft machten. Wie er stehen sie nun mit riesigen Kreditverpflichtungen da.

„Solide Anlage“

Das Investment sei absolut risikolos, hatte man ihnen versichert, denn im Zweifel hätten sie ja immer noch das Solarmodul als Sachwert. Viele der Finanzberater sahen in dem Angebot von SN Solartechnics offenbar eine solide und besonders ertragreiche Anlage oder stellten sie ihren Klienten zumindest so dar. Ihr Beruhigungsmittel bei Zweifeln war stets: Die Anlage als Sicherheit im Falle einer Insolvenz. Doch die Sicherheit ist keineswegs sicher: Auch Insolvenzverwalter der Firmen aus dem SN-Solartechnics-Geflecht erheben Anspruch auf die Anlagen.