Preisgekrönt und kritisiert „Zirkus Charles Knie“ gastiert in Oldenburg

Von Ole Rosenbohm | 27.04.2017, 23:41 Uhr

Der „Zirkus Charles Knie“ gehört zu den Großen. 21 renommierte Artisten und Tierlehrer bieten eine zweistündige Show. Doch der Zirkus hat nicht nur Fans. Kritik artikulieren seit Jahren Tierrechtler.

Oldenburg. Der Zirkus ist in der Stadt: Unter Hochdruck bauten die Mitarbeiter von Charles Knie am Donnerstag neben den Weser-Ems-Hallen das 1440 Zuschauer fassende fast niegelnagelneue Zelt auf.

Der Zeitplan ist eng: Noch am Vortag standen die renommierten Rollschuhartisten „Duo Medini“, Clown „Henry“, die Trampolinkünstler „Wulber Brothers“ oder die Handstandartisten „Messoudi Brothers“ in Cloppenburg in der Manege. Ab heute bis zum 3. Mai spielt „Zirkus Charles Knie“ elfmal in Oldenburg, vom 5. bis 21. Mai steht das Zelt dann für nochmals 30 Shows auf der Bremer Bürgerweide.

Bloß nicht untertreiben: „Große Unterhaltung für alle Altersklassen“, verspricht Pressesprecher Patrick Adolph eine „grandiose Zirkusshow“. Bei „Zirkus Charles Knie“, einst ein Familienbetrieb, heute ein zuletzt in Monte Carlo preisgekröntes Zirkus-Unternehmen, handele es sich schließlich um einen der letzten „Großen“ der Zunft: mit rund 150 Tieren, knapp 100 Mitarbeitern aus 13 Nationen und einer Tour, die den über 200 Fahrzeuge großen Tross von März bis November in mehr als 50 Städte führt. Über dem Zelt prangt der Schriftzug „Europas Top-Zirkus“. 2015 gastierte „Charles Knie“ zuletzt in Delmenhorst. Seitdem ist das Programm im vergangenen Winter neu konzipiert worden, sind viele Künstler neu dabei.

Gewohnheit hingegen das Schauspiel vor den Eingängen: Wie zuletzt auch schon in Münster oder wie vor zwei Jahren in Delmenhorst haben Tierrechtler Proteste mit Plakaten angekündigt. Unter anderem kritisiert die Organisation Peta, der Zirkus würde seine Wildtiere – darunter Kamele, Kängurus und Seelöwen – mit dem straffen Tourneeplan unter Stress setzen. Für heute und morgen hat Peta Proteste vor dem Eingang angekündigt.

Partnerschaftliches Zusammenleben

Während Peta die durch „Gewalt und Zwang geprägte Dressur“ kritisiert, betonen die Zirkusleute das partnerschaftliche Zusammenleben von Mensch und Tier. Tierlehrer Jochen Träger etwa, Künstlername „Krenzola Jr.“, 2015 mit seinen Laufenten RTL-Supertalent-Teilnehmer und seit über drei Jahrzehnten in Zirkussen aktiv, kann der Kritik überhaupt nichts abgewinnen: „Man setzt sich 24 Stunden mit seinen Tieren auseinander“, sagt er. „Bei uns dreht sich alles ums Viehzeug.“

Überhaupt: Lange bevor die Zoos ihre Haltung umgestellt hätten, seien in Zirkussen schon Mischgehege und Beschäftigung praktiziert worden. Rund 100 Kleintiere gehören zu Trägers Show: Papageien, Minischweine, Laufenten, Truthahn, Wolfshund, Katzen. Wenn die Chemie zwischen ihm und den Tieren stimme, könne er jedem Tier etwas beibringen. „Was und wie viel, ergibt sich.“

Um 16 Uhr und 19.30 Uhr finden die Vorstellungen wochentags und am Samstag statt, Sonntag und Montag um 11 und 15 Uhr. Die Eintrittspreise bewegen sich von zwölf bis 34 Euro. Die Show mit 22 Darbietungen dauert zwei Stunden. Zwischendurch finden Tierschauen statt.