Nordhorn top, Osnabrück flop Niedersachsens Radler klagen über unsichere Straßen

Von Klaus Wieschemeyer, Klaus Wieschemeyer | 19.05.2017, 18:33 Uhr

In Sachen Fahrradfreundlichkeit bleibt das Münsterland nach einer ADFC-Umfrage vorbildlich. Gute Noten bekommt auch die Grafschaft Bentheim. Schlecht schneidet Osnabrück ab.

Münster und das Münsterland haben in Sachen Fahrradfreundlichkeit in Deutschland weiter die Nase vorn. Das ist das Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Demnach belegen die nordrhein-westfälischen Städte Münster, Bocholt, Reken und Wettringen beim „ Fahrradklima-Test 2016 “ vordere Plätze. Für die regelmäßige Erhebung wurden rund 120000 Fahrradfahrer befragt.

Klassenbester mit „Ausreichend“

Niedersachsen gilt laut Umfrage mit einer Durchschnittsnote von 3,7 als fahrradfreundliches Bundesland. Das sei aber kein Grund zum Jubeln, sondern entspreche gerade mal der „Ausreichend“-Schulnote betonte ADFC-Landeschef Dieter Schulz am Freitag in Hannover. Zudem habe sich die Bewertung insgesamt leicht verschlechtert. Er kritisierte, dass die Pro-Kopf-Ausgaben niedersächsischer Kommunen für den Radverkehr meist unter fünf Euro lägen. In den Niederlanden seien es hingegen mehr als 30.

Fahrradparadiese in der Grafschaft

Die Ergebnisse für die niedersächsischen Städte fielen sehr durchwachsen aus: So gab es vor allem für Kommunen aus der Grafschaft Bentheim gute Noten: Nordhorn erreichte einen Schnitt von 2,59 und zählt damit für den ADFC zu den zehn radfreundlichsten Städten in ganz Deutschland. Die Gemeinde Emlichheim kommt ebenfalls auf 2,59, Bad Bentheim noch auf 2,89. „Wer sehen will, wie Radfahren gemanagt und gefördert wird, sollte sich in die Grafschaft Bentheim begeben“, sagte Schulz. Auch Emden (3,32) und Lingen (3,47) schnitten überdurchschnittlich gut ab.

Schlechte Noten für Hamburg

Deutlich schlechter lief es für Cuxhaven (3,58) und Osterholz-Scharmbeck (3,93). Die ostfriesischen Städte Leer (3,65), Aurich (3,66) und Norden (3,62) landeten im Mittelfeld. Bei den Stadtstaaten konnte sich lediglich Bremen (3,5) gut halten, Bremerhaven (4,1) und Hamburg (4,2) bekamen sehr schlechte Bewertungen. Auch Delmenhorst (3,84) und Verden (3,49) liegen in ihren jeweiligen Städte-Größenklassen auf hinteren Plätzen. Generell wurden kleinere Städte besser bewertet als größere.

Osnabrück liegt hinten

Niedersachsen Großstadt mit der schlechtesten Radfahrnote ist Osnabrück mit einem Schnitt von 4,2. Schulz bewertete dieses Ergebnis als „erschreckend“. „Hier muss dringend etwas getan werden“, sagte er. Auch Melle schnitt mit einer Note von 4,1 sehr schlecht ab. Die Radfahrer in Osnabrück beklagten vor allem enge Radwege und darauf parkende Autos.

Diese Probleme sieht Schulz im ganzen Land. Eigentlich seien die Niedersachsen passionierte Radfahrer. Doch viele fühlten sich im Straßenverkehr unsicher: Schlechte Ampelschaltungen und fehlende gesicherte Abstellmöglichkeiten würden das Radfahren zusätzlich erschweren. Zudem denke die Verkehrsplanung in vielen Kommunen oft zuletzt an den Radverkehr. Insbesondere an Schnellstraßen fehlten gesicherte Wege „Ein bisschen Farbe auf dem Asphalt macht keine Infrastruktur“, kritisierte Schulz.