Neue Initiative in Hannover gestartet Niedersachsens Schulen sollen mehr Demokratie wagen

Von Klaus Wieschemeyer | 02.09.2019, 19:09 Uhr

Niedersachsens Schulen sollen sich als Orte der Kinderrechte und Demokratie profilieren. Kultusminister Tonne will damit auch Rechtspopulisten bremsen.

Mit der neuen Initiative „Demokratisch gestalten“ will das Niedersächsische Kultusministerium die Teilhabe in den Schulen im Land stärken. Am Montag gab Minister Grant Hendrik Tonne vor hunderten Teilnehmern auf dem Hannoverschen Messegelände den Startschuss. Mit dem Projekt sollen Kinder und Jugendliche zu mehr Teilhabe angeregt werden. Ziel sind unter anderem regionale Schulnetzwerke für Demokratie, Nachhaltigkeit, Kinderrechte und Friedensbildung.

Dabei machte der SPD-Politiker auch klar, für was und gegen wen sich die Initiative richtet. Die Initiative sei ein „deutliches Signal für Demokratie, Toleranz und eine solidarische Gesellschaft“. Der „massive Rechtsruck der letzten Jahre“ bereite ihm große Sorge.

Insbesondere Rechtspopulisten nutzten menschenfeindliche Einstellungen und Vorurteile, die bis in die Mitte der Gesellschaft reichten, schürten Ängste und „stellen immer wieder unsere demokratischen Grundwerte und Institutionen offen infrage“, sagte Tonne. Auch Schulen würden „von rechtsaußen unter Druck gesetzt“, erklärte der SPD-Politiker. Als Beispiel zählte er die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim, die Herderschule in Lüneburg sowie die KGS Schinkel in Osnabrück auf. Alle drei Schulen waren in der Vergangenheit wegen politischer Meinungsäußerungen von Schülern und Lehrern von der AfD scharf kritisiert worden. Gegen solche Angriffe müsse sich die demokratische Gesellschaft wehren, sagte Tonne. Man gebe „keinen Millimeter“ der Demokratie preis, betonte er.

Mehr Freiräume im Unterricht gefordert

Zum Auftakt forderten Referenten insgesamt mehr Engagement von Schülern, Lehrern und Eltern. „Traut euch!“, rief die elfjährige Emma Schlegel von der IGS Oyten, an der Schüler in sozialen Projekten Verantwortung übernehmen.

Einen kompletten Kurswechsel im schulischen Lernen forderte Margret Rasfeld von der Initiative „Schule im Aufbruch“, die ungebundene Stundenkontingente mit Namen „Frei-Days“ fordert. Die semantische Ähnlichkeit zur „Fridays for Future“-Bewegung ist dabei nicht unabsichtlich. Bei den Akademien der Bewegung gebe es hochrangige Referenten, gleichzeitig bremse die Schule mit ihren „zugeballerten“ Lehrplänen die Jugend aus, beklagte die frühere Berliner Schulleiterin. Die Schule müsse Freiräume schaffen für Demokratie und Zukunft, forderte Rasfeld.