Keine Vorgabe „von oben herab“ Niedersachsen: Land gegen Heizpilz-Verbot in Außengastronomie

Von Lars Laue | 27.08.2022, 01:00 Uhr 4 Leserkommentare

Umweltverbände nennen Heizpilze „Energiefresser“ und wollen sie verbieten. Niedersachsens Landesregierung allerdings spielt da nicht mit.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert ein Verbot von Heizstrahlern im gastronomischen Bereich. „Es gibt gute Gründe, Heizpilze in der Außengastronomie zu verbieten“, erklärte Oliver Powalla, beim BUND für Energiepolitik zuständig, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Die Geräte seien eine „extrem ineffiziente Art zu heizen und sollten auch im Sinne des Klimaschutzes nicht genutzt werden“. Im kommenden Winter werde nicht nur Gas, sondern auch Strom knapp und sehr teuer. „Den Luxus, auch bei kalten Temperaturen gemütlich warm draußen zu sitzen, können wir uns derzeit nicht leisten“, betonte Powalla und rief dazu auf, auch im privaten Bereich freiwillig auf Heizpilze zu verzichten.

Auch dem NABU sind Heizstrahler ein Dorn im Auge

Unterstützung erhält der BUND vom Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen. Laut Holger Buschmann, Landesvorsitzender, lehnt der NABU Heizpilze grundsätzlich ab. Gasbetriebene Heizpilze seien wegen ihres CO2-Ausstoßes „klimaschädlich und Energiefresser“. Wer in den kalten Monaten draußen sitzen wolle, solle lieber auf Decken und Kissen zurückgreifen.

Städtetag sieht Einsatz ebenfalls kritisch

Auch der Niedersächsische Städtetag (NST) sieht den Einsatz von Heizpilzen kritisch. „Aufgrund der sich abzeichnenden Gasmangellage würden wir ein landesweites Verbot von Heizpilzen in der Gastronomie und in privaten Haushalten begrüßen“, sagte Hauptgeschäftsführer Jan Arning gegenüber der NOZ.

Umweltminister Lies: „Menschen den Winter nicht vermiesen“

Niedersachsens Landesregierung indes will momentan nichts von einem Heizpilz-Verbot wissen. Landesumweltminister Olaf Lies stellte auf Nachfrage klar: „Ich halte gerade in der Gastronomie wenig von einer Vorgabe von oben herab“. Die Gastronomie sei durch Corona bereits „schwer leidgeprüft“. Die steigende Inflation mache es nicht einfacher. „Ich halte nichts davon, hier mit Verboten den Betrieben das Leben noch weiter zu erschweren und den Menschen den Winter zu vermiesen“, machte der SPD-Politiker auf NOZ-Nachfrage deutlich. Anders sehe die Angelegenheit indes im privaten Bereich aus. „Da gebieten es allein schon Anstand und Vernunft, dass die Heizpilze diesen Winter bitte aus bleiben“, sagte Lies. 

In Energiekrise noch zeitgemäß?

Debatte um Heizpilze: Auf Vernunft statt auf Verbote setzen

Meinung – Lars Laue
Noch ist es warm und draußen auch abends gut auszuhalten. Doch das kann und wird sich mit dem nahenden Herbst bald ändern. Dann kehrt nicht nur die Kälte zurück, sondern werden wir voraussichtlich auch ein weiteres Corona-Comeback erleben.

Ein Zwiespalt

Gut also, wenn die Außengastronomie so lange wie möglich weitergenutzt werden kann. Doch ist angesichts der Klima- und Energiekrise der Einsatz von Heizpilzen vertretbar, um es sich draußen muckelig zu machen?

Die Frage ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Einerseits stehen die Energieschleudern nicht erst seit dem Ukraine-Krieg in der Kritik, weil sie in hohem Maße ineffizient sind und ihre Wärme unter freiem Himmel geradezu verpufft. Andererseits ist in Coronazeiten eine Faustformel nach wie vor unbestritten: Lieber draußen als drinnen, um Ansteckungen zu vermeiden.

Bitte nicht noch ein Verbot

Was es jedenfalls nicht braucht, ist ein landesweites Verbot der energieintensiven Heizstrahler. Die Gastronomen haben über Gebühr unter den Einschränkungen gelitten, die die Pandemie mit sich gebracht hat. Sie werden sich den Einsatz von Heizpilzen angesichts der explodierenden Energiepreise ohnehin sehr gut überlegen und ihren Gästen lieber die ein oder andere Decke mehr zur Verfügung stellen.

Kommt demnächst die Heizpilz-Polizei?

Gleiches gilt übrigens für den privaten Bereich, wo sich ein Verbot ohnehin nur schwerlich kontrollieren ließe. Oder steht demnächst etwa die Heizpilz-Polizei auf der heimischen Terrasse?
Zum Kommentar

Wirtschaftsminister zeigt auf Kommunen und lehnt landesweites Verbot ab

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann ist sich unterdessen „sicher, dass auch die Gastronomie ihren Teil dazu beitragen wird, möglichst wenig Energie zu verbrauchen und auf Heizpilze im Außenbereich verzichtet“. Die Entscheidung über ein Verbot liege bei den Kommunen. Ein weitergehendes Verbot hält der CDU-Politiker nach eigenen Worten für „nicht erforderlich“.

4 Kommentare
Clemens Ratte-Polle
"So hohen Kohlendioxid-Ausstoß wie ein Auto in einem Jahr Nach NABU-Berechnungen blasen gasbetriebene Wärmepilze schon bei mittlerer Betriebstemperatur stündlich rund zwei Kilogramm umweltschädliches Kohlendioxid in die Luft, bei maximaler Leistung bis zu dreieinhalb Kilogramm. Bei einer durchschnittlichen Betriebsdauer von 36 Stunden in der Woche seien das rund vier Tonnen Kohlendioxid im Jahr. D...