Niedersachsen lässt prüfen Fipronil-Eier in Lebensmitteln verarbeitet?

Von Dirk Fisser | 04.08.2017, 07:05 Uhr

Welchen Weg sind die mit Fipronil verseuchten Eier gegangen? Möglicherweise auch in Kuchen, Kekse oder Nudeln. Das soll jetzt überprüft werden.

Nach den Niederlanden lässt nun auch Niedersachsen Lebensmittel mit Ei-Anteil auf Fipronil-Rückstände hin untersuchen. Das kündigte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) im Gespräch mit unserer Redaktion an. „Wir können nicht ausschließen, dass vergiftete Eier auch in Kuchen oder Nudeln gelandet sind“, sagte der Minister. (Weiterlesen: Zehntausenden Fipronil-Hühnern droht vorzeitiger Tod) 

Er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass keine Kennzeichnungspflicht bei verarbeiteten Eiern besteht. „Das ist nicht nur aus Verbrauchersicht intransparent. Das erschwert auch die Aufklärung von Lebensmittelskandalen.“ Meyer rief die Bundesregierung auf, den Weg für eine Kennzeichnungspflicht analog zum Stempel auf frischen Eiern frei zu machen. „Selbst die Wirtschaft ist dafür. Nur der Bundeslandwirtschaftsminister blockiert mal wieder“, so Meyer.

Connemann für Ei-Kennzeichnung

Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, kündigte an, sich für eine entsprechende Kennzeichnungsinitiative auf nationaler Ebene einsetzen zu wollen. „Wir brauchen schnellstmöglich eine vernünftige Kennzeichnung – auch wenn es weh tut“, sagte die CDU-Agrarpolitikerin unserer Redaktion. Die Fipronildebatte mache deutlich, dass Verbraucher erkennen müssten, woher Lebensmittel kommen. „Aber noch ist der Verbraucher auf einem Auge blind: Er hat nur Klarheit beim Frühstücksei, nicht aber beim Kauf von Fertigprodukten mit Flüssig- oder Trockeneianteilen“, sagte Connemann.

„Situation ist unter Kontrolle“

Unterdessen hat die EU-Kommission die Verbraucher beschwichtigt. „Die Höfe sind identifiziert, die Eier geblockt, verseuchte Eier sind vom Markt genommen und die Situation ist unter Kontrolle“, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Donnerstag. „Wir stehen im permanenten Kontakt mit unseren Kollegen in den Mitgliedstaaten, die mit der Sache befasst sind.“ Eine weitere Sprecherin sicherte zu: „Sie können also unbeschadet Eier essen, hoffentlich.“ Inzwischen wurden in mehr als der Hälfte der deutschen Bundesländer Funde von Eiern bekannt, die mit dem Mittel belastet waren. Discounter nahmen Eier aus Betrieben unter Fipronil-Verdacht aus ihren Regalen. (Weiterlesen: Fipronil-Skandal: So kam das Gift in die Ställe)