Niedersachsen: 90 Prozent erschlossen Digitalfunk: Polizei kämpft gegen Funklöcher

Von Dirk Fisser | 30.09.2013, 14:00 Uhr

Alles neu bei der Polizeidirektion Osnabrück: Notrufe gehen in einer zentralen, sogenannten bunten Leitstelle ein und gefunkt wird digital. Eine neue Ära, heißt es bei den Ordnungshütern. Mit kleinen Schönheitsfehlern. Denn manchmal hapert es bei der Sprachqualität und vereinzelt gebe es noch Funklöcher.

Im Landkreis Leer gibt es beispielsweise eins, sagt Reinhard Lange. Er ist nicht nur Polizist, sondern auch Einführungsbeauftragter Digitalfunk der Polizeidirektion Osnabrück. Seine Aufgabe in den vergangenen Monaten war es, die neue Technologie zwischen Nordseeküste und Teutoburger Wald voranzubringen.

Und Funklöcher wie das in Leer zu schließen. Wie? In dem eine neue, sogenannte Basisstation errichtet wird, sagt Lange. 78 gebe es davon mittlerweile im Bereich der Polizeidirektion. Sie sollen ein flächendeckendes digitales Funknetz garantieren - eigentlich. An drei bis vier Stellen funktioniere das noch nicht ganz so gut, so Lange. Dort passiert das, was Handynutzer nur zu gut kennen: Die Verbindung bricht ab.

Aus Sicht des Einführungsbeauftragten aber eher Kinderkrankheiten, denn mit dem Digitalfunk sei „eine neue Ära eingeläutet worden“. Allein im Bereich der Direktion gibt es jetzt etwa 1900 neue Funkgeräte, die eher an ein Mobiltelefon als an die klobigen Geräte aus vergangenen Tagen erinnern. Der analoge Funk, erzählt Lange, sei ohnehin Auslaufmodell: Es habe kaum noch Ersatzteile für die Geräte gegeben.

Jetzt läuft’s also digital - und das landesweit. 280 Millionen Euro hat Niedersachsen bis 2021 für den Aufbau und Unterhalt des neuen Netzes eingeplant, geht aus einer Mitteilung der Zentralen Polizeidirektion hervor. Es umfasst neben Polizei auch Rettungsdienste und Feuerwehr, insgesamt also rund 50.000 Helfer.

Bundesweit wird der Ausbau derzeit vorangetrieben, es soll das größte digitale Funknetz der Welt werden und zudem abhörsicher sein. Niedersachsen liegt dabei im Mittelfeld, wie der Internetseite der Bundesanstalt für Digitalfunk zu entnehmen ist. Schuld daran: die Polizeidirektion Göttingen, die bislang nur im Probebetrieb digital funkt. Insgesamt seien 90 Prozent des Landes erschlossen. Hinten an ist Bayern, das fast komplett noch in der Aufbauphase steckt.

Doch Niedersachsens Polizei arbeitet nicht nur mit anderen Bundesländern zusammen. Bei grenzüberschreitenden Ermittlungen sind die niederländischen Kollegen gefragt. Bislang sind die aber nicht per Funk zu erreichen. Laut Lange verwenden die Niederländer eine andere Technik. „Wir arbeiten aber gerade an einem gemeinsamen System, das den grenznahen Raum abdecken soll“, so Lange.

Ebenfalls noch relativ neu ist die bunte Leitstelle bei der Polizeidirektion Osnabrück. Im Gebäude des Landkreises Osnabrück laufen sämtliche polizeilichen Notrufe aus den Landkreisen Emsland, Osnabrück und Grafschaft Bentheim zusammen. Seit fast einem Jahr läuft die Leitstelle jetzt - und die zuständige Dezernatsleiterin Andrea Menke ist zufrieden. Zwischen 6500 und 7000 Notrufe kämen im Monat rein, daraus würden dann 5000 bis 6500 Einsätze resultieren.

Hin und wieder gebe es aber Probleme mit der Sprachqualität, fügt Sie an. Genau das war eigentlich ein Argument für den Digitalfunk. Doch die Geräte unterschiedlicher Hersteller seien nicht immer zu hundert Prozent kompatibel. Es werde aber an der Lösung des Problems gearbeitet.