Getötete Judith Thijsen Blasse Erinnerungen: Mitinsassen sagen im Mordprozess Klosterwald gegen Jörg N. aus

Von Laura Nowak | 25.11.2021, 17:10 Uhr

Im Prozess um den Mord im Klosterwald an Judith Thijsen haben am Donnerstag zwei Mitinsassen des Angeklagten Jörg N. vor Gericht ausgesagt. Doch entscheidende Details fehlten in ihren Erinnerungen.

Ihre Erinnerungen blieben blass: Zwei Mitinsassen des Angeklagten Jörg N. sagten als Zeugen im Prozess um den Mord an Judith Thijsen im Klosterwald Loccum in Niedersachsen aus.

Einer der Zeugen wohnte mit dem verurteilten Sexualstraftäter N. zwischen 2019 und 2020 zusammen in einer Wohngruppe eines Maßregelvollzugszentrums. Der Zeuge sagte vor Gericht aus, er selbst sei dort gewesen, weil er zwei Menschen bewusstlos gewürgt habe. In einem Gespräch habe N. mehr über die Gründe und das Vorgehen wissen wollen. Doch er habe abgeblockt. "Er hat dann sowas gesagt wie: 'Jungchen, von mir kannst du noch etwas lernen'," erzählte der Zeuge. Es sei vermutlich lustig gemeint gewesen. Jörg N. würgte bei seinen Straftaten Frauen teilweise bis zur Ohnmacht.

Im Fall von Judith Thijsens Tod im September 2015 ist N. zum dritten Mal angeklagt: Beim ersten Prozess wurde er wegen Totschlags verurteilt, als der Prozess wieder aufgerollt wurde, wurde er freigesprochen.

Jörg N. soll von "Ritual" mit Mädchen erzählt haben

Bei zwei Gesprächen habe N. gesagt, er habe ein Verhältnis mit einem Mädchen gehabt und dabei auch ein "Ritual" mit ihr gemacht, sagte der Mitbewohner. Dass es sich dabei um Thijsen handeln könnte, dass N. das Mädchen mehrmals getroffen habe, dass er sie vergewaltigte – all diese Aussagen seien seine eigenen Schlussfolgerungen, sagte der Zeuge, als der Richter mehrmals nachhakte. Ob N. ihn wirklich nach einem dieser Gespräche am Arm gepackt und bedroht habe, wollte der Richter wissen. "Ich bin mir unsicher, ob das so war", gab der Zeuge zu.

Weiterlesen:

Der andere Zeuge teilte sich zu der Zeit, als Judith Thijsen starb, ein Zimmer mit Jörg N. im Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg. Er erinnerte sich, dass dieser in einem Buch festhielt, wo er sich wann befand und darin Kassenbons einklebte. Doch ob N. erst nach dem Tod von Thijsen damit anfing, "das weiß ich nicht", sagte der Mann. Bei der Durchsuchung des Zimmers fand die Polizei damals in einem Schrank leere Tabaktüten von der Sorte, nach der Thijsen kurz vor ihrem Tod an einer Tankstelle gefragt haben soll. Der Schrank habe ihm gehört, die Tabakpackungen darin auch, sagte N.'s Zimmergenosse nun.

Begründung für Kratzer im Gesicht unklar

Die einzige DNA-Spur, die die Polizei zum Angeklagten führte, wurde auf einem Kaugummipapier nahe des Tatorts gefunden. Der Richter wollte wissen, ob N. Kaugummi gekaut habe. "Das kann ich Ihnen heute nicht mehr sagen", antwortete der Zimmergenosse aus Bad Rehburg. Er erinnerte sich, dass N. von seinem Freigang an dem Tatwochenende mit Kratzern im Gesicht und am Hals zurückkehrte. Doch ob er ihm gegenüber gesagt habe, er habe sich bei einem Fahrradunfall verletzt oder bei der Gartenarbeit, "ich weiß es nicht mehr", sagte der Zeuge fast aggressiv. Nur darüber, dass zwei verschiedene Versionen kursierten, da war er sich sicher. Jörg N. hat sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen geäußert.