Mitgliederschwund gestoppt Wieder mehr Aktive bei Feuerwehren in Niedersachsen

Von Hans Brinkmann | 21.07.2014, 16:16 Uhr

Die Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen verzeichnen erstmals seit Jahren keinen Mitgliederschwund mehr: 2013 gab es gegenüber 2012 eine Steigerung um 983 Aktive. Auch bei den Frauen sowie den Kinder- und Jugendwehren war ein Plus zu verzeichnen.

Hocherfreut über diese Entwicklung, die dem demografischen Wandel mit ständig sinkenden Geburtenraten trotzt, zeigten sich am Montag Innenminister Boris Pistorius (SPD) und Landesbranddirektor Jörg Schallhorn bei der Vorlage des aktuellen Jahresberichts.

Sie erklärten, dass die vom Land gestarteten Werbe- und Imagekampagnen für die Feuerwehren gefruchtet hätten. Diese Aktionen, so Pistorius, müssten aber fortgeführt werden, um noch mehr Frauen und Migranten für den Dienst zu gewinnen.

Nach Angaben von Pistorius und Schallhorn ist die Zahl der freiwilligen Feuerwehren im letzten Jahr zwar um zehn auf 3318 gesunken; mit 125013 Aktiven wurde aber bereits wieder das Niveau von 2011 übertroffen. Dazu gab es noch elf Berufsfeuerwehren mit 2189 hauptamtlichen Brandschützern sowie 101 Werksfeuerwehren mit 4485 haupt- und ehrenamtlichen Kräften.

Pistorius und Schellhorn würdigten, dass die Zahl der Frauen in den Feuerwehren von 12064 im Jahr 2009 auf 13076 im Jahr 2013 gesteigert werden konnte. Dennoch sieht hier der Innenminister noch Luft nach oben: Frauen seien weiterhin unterrepräsentiert.

Ein erfreulicher Trend wurde bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr beobachtet: Mit 40035 Jungen und Mädchen unter 18 Jahren erreichte man einen bislang nie verzeichneten Stand. Allein bei den Kinderfeuerwehren gab es seit 2009 eine Verdoppelung von 4595 auf 9383 Mitglieder im Alter von sechs bis zwölf Jahren.

Damit konnten Defizite im Jugendbereich mehr als ausgeglichen werden.

Parallel zu den steigenden Mitgliedszahlen wurden aber auch mehr Einsätze bei den Feuerwehren registriert. Alles in allem gab es 2012 einen Anstieg um 12,6 Prozent mit insgesamt 104232 Alarmierungen.

Im Brandbereich wurde eine Steigerung um 3,6 Prozent auf 21147 Brände verzeichnet. Noch erheblich größer fiel allerdings die Zunahme bei den technischen Hilfeleistungen aus. Sie nahmen um 18,2 Prozent auf 60379 zu. Landesbranddirektor Schallhorn führte dies in erster Linie auf Hochwassereinsätze an der Elbe sowie auf Hilfsmaßnahmen nach Stürmen wie „Xaver“ und „Christian“ zurück.

Ärgerlich: In 10419 Fällen (neun Prozent mehr als im Jahr davor) mussten die niedersächsischen Feuerwehren aufgrund von Fehlalarmen vergebens ausrücken. Dagegen ging die Zahl der böswilligen Alarme leicht auf 507 zurück.

Als rückläufig erwies sich auch die Zahl der Brandstiftungen: Hatten sie 2012 noch bei 1378 gelegen, so sanken sie im letzten Jahr auf 1260 Fälle.

Pistorius kündigte abschließend die Absicht an, das Ehrenamt, das gerade im ländlichen Raum eine hohe Bedeutung habe, weiterhin zu fördern. Er appellierte zugleich an die Arbeitgeber im Land, ihren Mitarbeitern ein Engagement bei den freiwilligen Feuerwehren zu ermöglichen. Mit den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern sei auch eine entsprechende Werbung in den Betrieben vereinbart worden. Pistorius dankte allen Aktiven in den Freiwilligen Feuerwehren für ihren Einsatz, für den sie viel Freizeit opferten und der bisweilen mit enormen Gefahren verbunden sei. Die Feuerwehren in diesem Land seien hervorragend aufgestellt und bedeuteten „ein gutes Stück Niedersachsen“, so der Innenminister