Mit Laser und Schutzpanzer Niedersachsens Polizei rüstet sich für Terrorkampf

Von dpa | 23.06.2016, 14:52 Uhr

Angesichts wachsender Bedrohungen verbessert Niedersachsens Polizei seine Ausrüstung: Kugelsichere Westen, lasergestützte Schusstrainings, neue Zielerfassungen und eine neue Dienstpistole gehören dazu. Außerdem testen die Beamten einen ausziehbaren Schlagstock.

Wenn Niedersachsens Polizei Einsätze mit Schusswaffengebrauch trainiert, kann es schonmal klecksen: Bei Schießtrainings nutzen die Beamten kleine Farbkügelchen wie beim Paintball. Da auch mal ein Schuss daneben geht, ist die Begeisterung von Schulleitern und Hausmeistern über große Amokübungen in Häusern begrenzt. Das soll sich jetzt ändern: Die Polizei testet ein Lasersystem, bei dem Sensoren die virtuellen Schüsse kleckslos messen.

Mit dem System lassen sich auch Großeinsätze mit hunderten Beteiligten simulieren, schwärmt Polizeiausbilder Carsten Rudolph.

Panzer halten Kalaschnikowkugeln

Das Lasersystem ist eines von vielen Beispielen einer modernisierten Ausstattung: Aktuell tauscht die Polizei die alte Standardpistole P2000 durch das Modell SFP9 (Heckler & Koch) aus. 1200 Maschinenpistolen erhalten eine neue Zieloptik. Durch das Visier sollen Beamte zielen können, ohne gleichzeitig das andere Auge zukneifen und damit ihr Umfeld aus dem Blick nehmen zu müssen. Auch die Schutzausrüstung wird verstärkt: Streifenwagenbesatzungen erhalten 2500 neue Plattenpanzer der Klasse 4: Diese Keramikplatten können sogar dem Beschuss von Kalaschnikows standhalten. Die Kosten liegen bei 1,5 Millionen Euro. Die sind aus Sicht von Innenminister Boris Pistorius (SPD) unumgänglich, um Terroristen zu begegnen, welche töten wollen. Der abgesagte Karnevalszug in Braunschweig und das abgesagte Fußball-Länderspiel in Hannover hätten gezeigt, dass sich die Polizei jederzeit auf terroristische Gefahren einstellen müsse.

Teleskopstöcke im Test

Auch sonst setzt die Polizei auf Modernisierung: In Göttingen werden gerade elektrische VW-Golfs als Streifenwagen getestet, Polizisten haben Tablet-Computer dabei und kommunizieren über ein autarkes Digitalfunksystem. „Die Polizei darf nicht am Anfang des 21. Jahrhunderts stehenbleiben“, fordert Pistorius: Der Staat müsse seine Vertreter auf der Straße zeitgemäß ausstatten.

Dazu gehört auch die laufende Verbesserung der kiloschweren Ausrüstung: Aktuell testet die Polizei ausziehbare Schlagstöcke, bestätigt die zuständige Teilreferatsleiterin Claudia Puglisi unserer Zeitung. Voraussichtlich bis Jahresende sollen die Teleskopschlagstöcke getestet werden. Die bisherige Waffe gilt insbesondere bei Streifenfahrten als unhandlich. Die Form des auch für die Abwehr geeigneten Schlagstocks mit Quergriff (Tonfa) soll aber beibehalten werden.