Mehr Islam-Studenten in Osnabrück Kaum Lehrerinnen in Niedersachsen wollen mit Kopftuch unterrichten

Von dpa | 02.06.2016, 09:21 Uhr

Immer wieder sorgte das Kopftuchverbot für Lehrerinnen in Niedersachsen für Diskussionsstoff. Seit rund einem Jahr können Pädagoginnen nun mit Kopfbedeckung unterrichten. Kaum jemand aber nutzt die neue Freiheit. Viel Wirbel um Nichts also?

Ein Jahr nach Abschaffung des Kopftuchverbots gibt es an Niedersachsens Schulen keinen Ansturm von Lehrerinnen mit Kopfbedeckung. Allerdings interessieren sich verstärkt muslimische junge Frauen für das Studium zur islamischen Religionslehrerin, teilte der Beirat für den islamischen Religionsunterricht in Hannover mit.

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Unterdessen soll der seit 2013 als Regelfach angebotene Unterricht vom kommenden Schuljahr an auf die siebte Klasse ausgedehnt werden, Voraussetzung sind nach Angaben des Kultusministeriums genügend interessierte Schüler und verfügbare Lehrer.

Pauschales Kopftuchverbot gekippt

Nachdem das Bundesverfassungsgericht ein pauschales Verbot von Kopftüchern im März 2015 gekippt hatte, hatte Niedersachsen Lehrerinnen das Tragen der Kopfbedeckung per Erlass in aller Regel erlaubt. Nur wenn der Schulfrieden durch eine Lehrerin mit Kopftuch konkret gefährdet ist oder die staatliche Neutralität in Gefahr ist, kann über ein Verbot nachgedacht werden.

„Es gibt keinen Ansturm von Muslimen mit Kopftuch, die den Lehrerberuf ausüben wollen“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Emine Oguz. „Da hat sich überhaupt noch nichts verändert.“ Ihr seien nur eine kleine Handvoll Lehrerinnen mit Kopftuch bekannt. Im Bereich des islamischen Religionsunterrichts habe sich noch niemand gemeldet, der nun mit der Kopfbedeckung unterrichten wolle.

Mehr Studierende in Osnabrück

„Das wird relativ unkompliziert gehandhabt. Lehrerinnen, die mit Kopftuch unterrichten, werden eingestellt“, sagt Annett Abdel-Rahman, die für den Landesverband der Muslime (Schura) im Beirat für den islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen sitzt. „Wir haben jetzt wesentlich mehr Studierende an der Universität in Osnabrück, die islamische Theologie studieren wollen, weil sie wissen, dass sie mit Kopftuch unterrichten können.“

Wegen eines Mangels an islamischen Religionslehrerin hatten die beiden Verbände muslimische Abiturientinnen schon vor einiger Zeit zu dem entsprechenden Studium an der Universität Osnabrück ermuntert - das Kopftuchverbot hatte nach ihrer Einschätzung aber etliche Interessentinnen davon abgehalten.

Nach einem zehnjährigen Modellversuch wird Islamische Religion seit 2013 als Regelfach an den Klassen eins bis drei der Grundschule und in den Jahrgängen fünf und sechs der weiterführenden Schulen unterrichtet, nach dem Sommer auch in der siebten Klasse. Mindestens zwölf Schüler müssen sich jahrgangsübergreifend melden, damit das Fach eingerichtet wird. Über 3000 Schüler an 62 Schulen erhalten derzeit in Niedersachsen islamischen Religionsunterricht. (Rückblick: Osnabrücker Islam-Professor begrüßt weitere Förderung)

Lehrermangel in ländlichen Regionen

„Jetzt besteht ein Lehrermangel, auch in ländlichen Regionen“, sagte Oguz. Mitunter gebe es noch organisatorische Probleme bei den Schulbehörden, um den Unterricht bei Bedarf auch auf die Beine zu stellen. Abdel-Rahman aber ist optimistisch: „Das ist eine Sache, die sukzessive anläuft, das wird sich einrenken.“