Mehr Geld für Opfer im Westen Ehemalige Heimkinder: Großartige Nachricht

Von Uwe Westdörp | 31.05.2015, 18:02 Uhr

Große Erleichterung unter ehemaligen Heimkindern: Auch der Fonds für Opfer der Heimerziehung im Westen wird aufgestockt – von 120 auf 302 Millionen Euro. Zudem zeichnet sich eine Lösung für Kinder und Jugendliche ab, die nach dem Krieg in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie untergebracht waren.

„Das ist eine großartige Nachricht für ehemalige Heimkinder.“ Dass es nun nicht nur für ehemalige DDR-Heimkinder, sondern auch für Heimerziehungsopfer im Westen deutlich mehr Geld geben soll, lässt den sonst so ernsten Jürgen Beverförden strahlen. Beverförden, Jahrgang 1943, ist selbst Betroffener . Er verbrachte eine bittere und leidvolle Zeit in Osnabrücker Heimen. Seit Jahren kämpft er für die Interessen seiner Leidensgenossen, als ihr Sprecher in Niedersachsen, als Mitglied in Fachbeiräten und gefragter Interviewpartner. Auch sein Engagement hat dazu beigetragen, dass der Bund, die westdeutschen Länder und die Kirchen 2012 den Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ gegründet und zu je einem Drittel finanziert haben.

Nun gibt es einen Zuschlag von 182 Millionen Euro, wie das Bundesfamilienministerium bestätigte. Ministerin Manuela Schwesig zeigt sich sicher, dass allen Antragstellern geholfen werden kann. Dazu wird die Laufzeit des Fonds bis zum 31. Dezember 2018 verlängert. Neue Anträge können nicht mehr gestellt werden. Die Frist dafür ist Ende 2014 abgelaufen.

Zwischen 700000 und 800000 Menschen lebten bis 1975 in westdeutschen Heimen. Viele wurden gedemütigt, geschlagen, missbraucht und unbezahlt zu Arbeit gezwungen. Aus dem Fonds können sie Rentenersatzleistungen und andere Hilfen im Wert von bis zu 10000 Euro erhalten. Mit 12617 Betroffenen wurden bereits Leistungen im Gesamtwert von 157 Millionen Euro vereinbart. Nun kann die Arbeit weitergehen. Auch Beverförden sieht eine gute Chance, dass Tausende von Opfern, die noch nichts bekommen haben, nun Hilfen erhalten.

 Der Heimkinderfonds Ost war bereits 2014 von 40 Millionen Euro um 325 Millionen Euro aufgestockt worden. Wie im Westen war auch hier die Zahl der Antragsteller deutlich höher als erwartet. Das Geld für den Ostfonds bringen der Bund und die ostdeutschen Länder jeweils zur Hälfte auf. Die Kirchen sind an diesem Fonds nicht beteiligt, weil die Heime in der ehemaligen DDR in staatlicher Hand waren.

Außerdem sollen nach Informationen der Katholischen Nachrichten-Agentur zügig Entschädigungsleistungen für ehemalige Heimkinder auf den Weg gebracht werden, die nach dem Krieg in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie untergebracht waren und für die es bislang keine Entschädigungsleistungen gab. Dem Vernehmen nach geht es um rund 10000 Menschen. Bund und Länder hätten hier eine Lösung bis 2016 zugesichert; das sei Teil der Paketlösung, heißt es in Kirchenkreisen. In welcher Form die Hilfen kommen sollen – etwa mit einem Fonds oder einer Stiftung – soll in dieser Woche beraten werden. „Da muss dringend was passieren“, fordert auch Beverförden. „Opfer aus Behindertenheimen und Psychiatrien haben denselben Anspruch auf Hilfe wie alle anderen ehemaligen Heimkinder.“

Beverförden freut sich im Übrigen über eine weitere gute Nachricht: Bundespräsident Joachim Gauck verleiht ihm auf Vorschlag von Ministerpräsident Stephan Weil das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik. Details weiß der Bramscher noch nicht, verspricht aber schon vor Überreichung des Ordens: „Das ist Ansporn weiterzumachen. Ich bleibe Ansprechpartner für Heimkinder, wo immer es Probleme gibt.“