Lies: Das geht gar nicht Westfalenbahn übernimmt Problemstrecken nach 1700 Zugausfällen

Von Dirk Fisser | 06.12.2015, 17:59 Uhr

Tausende Passagiere in der Region können womöglich bald aufatmen: Am 13. Dezember löst die Westfalenbahn auf drei Strecken in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Deutsche Bahn ab. 1700 Züge waren in dem sogenannten Emil-Netz allein in diesem Jahr ausgefallen. „Geht gar nicht“, befand Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies, der am Sonntag in Rheine mit seinem NRW-Kollegen Michael Groschek (beide SPD) den Startschuss für den Betreiberwechsel gab.

Der stand schon seit vielen Monaten fest. Die vergleichsweise kleine Westfalenbahn aus Bielefeld hatte sich im Ausschreibungsverfahren bis 2030 für das sogenannte Emil-Netz, welches die Strecken Emden–Münster (RE 15), Rheine–Braunschweig (RE 60) und Bielefeld–Braunschweig (RE 70) umfasst, gegen den Platzhirsch DB Regio durchgesetzt. Etwa 10.000 Menschen sind hier täglich unterwegs.

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300 Angestellte, 28 neue Züge

Während die Westfalen ihr Personal seitdem auf 300 Angestellte aufgestockt und für 250 Millionen Euro 28 neue Züge gekauft haben, hatte die Bahn ihre Mühe, den Regionalverkehr auf der Emslandstrecke sowie der Mittellandlinie aufrechtzuerhalten.

1700 Ausfälle seit Jahresanfang

Seit Jahresanfang zählte die niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) 1700 Zugausfälle im sogenannten Emil-Netz. Die Behörde vergibt im Namen des Landes die Aufträge im Schienennahverkehr. Die Ursachen waren laut Behörde vielfältig, zur Hälfte aber bei der Bahn selbst zu suchen. So kam es bei Zügen vermehrt zu technischen Problemen. Weiterhin Bestand hatten bekannte Personalprobleme: Angesichts des Betreiberwechsels hatten sich Lokführer wegbeworben. Zurück blieben leere Führerstände.

Fuhren die Züge, haperte es mit der Pünktlichkeit: Laut LNVG erreichten auf der Emslandstrecke dieses Jahr 87,4 Prozent der Züge ihr Ziel pünktlich, das heißt mit einer Verspätung von maximal fünf Minuten. Auf der Mittellandlinie seien es 87,3 Prozent gewesen. Vertraglich vereinbart zwischen Bahn und LNVG sei eine Pünktlichkeit von 95 Prozent. (Weiterlesen: 1700 Zugausfälle in Region Osnabrück-Emsland in diesem Jahr) 

Bereits 2014 Probleme

Bereits 2014 hatte das Land einen sechsstelligen Betrag wegen Verspätungen und Zugausfällen auf der Emslandstrecke einbehalten. Für das Jahr 2015 könnten die Sanktionen noch höher ausfallen. Verkehrsminister Lies wollte darüber am Sonntag nicht spekulieren. Er stellte aber fest, die Leistung der Bahn sei „sehr schlecht“ gewesen. Im Nahverkehr sei für Bahnkunden Verlässlichkeit wichtig. Gerade hier habe es in den vergangenen Monaten gehapert. „So verlieren wir das Vertrauen der Kunden. Das geht gar nicht“, sagte Lies. Nun soll darüber nachgedacht werden, wie künftig sichergestellt werden kann, dass Vertragspartner auf der Schiene „einen Qualitätsmaßstab bis zum Ende“ einhalten.

Die Westfalenbahn jedenfalls startet optimistisch. „Alle Mitarbeiter sind heiß“, sagte Geschäftsführer Rainer Blüm. Eigentümer seines Unternehmens sind zu 75 Prozent kommunale Unternehmen wie die Stadtwerke Bielefeld. Weitere 25 Prozent hält das Unternehmen Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn.

Automaten nicht bereit

Sowohl Groschek als auch Lies äußerten die Erwartung, dass die Zahl der Passagiere in den kommenden Jahren gesteigert werde. „Wir wollen, dass die Menschen in den Zug umsteigen“, sagte Lies. Dafür sei „mehr Qualität und ein neues Maß an Attraktivität erforderlich“. Die neuen Züge würden dies einhalten. Auf der Emslandstrecke setzt die Westfalenbahn künftig einstöckige Züge ein. Bislang waren hier Doppelstockwagen der DB unterwegs. Diese wiederum werden demnächst auf der Emslandstrecke unterwegs sein. Beide Minister wiesen auf das kostenlose WLAN hin, dass ab kommendem Frühjahr in den Bahnen verfügbar sein soll. (Weiterlesen: Wann gibt es Wlan in Regionalzügen in Niedersachsen?) 

Kleiner Wermutstropfen für das Unternehmen: Zwar sind alle Züge termingerecht geliefert worden, die Ticketautomaten an den Bahnhöfen bereiten aber noch Probleme. Laut Westfalenbahn wird kein Automat bis zum Fahrplanwechsel ordnungsgemäß funktionieren. Einstweilen müssen Tickets weiter an den Automaten der DB gezogen werden.