Landkreis und Städte entscheiden Eis und Schnee: Wann fällt die Schule aus?

06.01.2016, 10:00 Uhr

wie/ann Osnabrück/Emsland/Delmenhorst.Wer entscheidet eigentlich, ob Schüler zu Hause bleiben können oder sich durch Schnee und Eis zur Schule kämpfen müssen? Die Fakten lesen Sie hier...

Die Entscheidung, ob Schüler zum Unterricht antreten müssen, fällt in der Regel erst am Morgen des entsprechenden Schultages. Aber wer entscheidet über den möglichen Schulausfall?

In Niedersachsen sind es die Landkreise oder kreisfreien Städte, die über Schulausfall in den allgemeinen- und berufsbildenden Schulen befinden. Diese Entscheidungen gelten dann stadt- beziehungsweise kreisweit. Allerdings nicht für Lehrer: Sie müssen so oder so zur Schule kommen. Zwar findet bei Unterrichtsausfall kein Schülertransport und auch kein regulärer Unterricht statt; Kinder, die trotz des Wetters zur Schule kommen, werden aber betreut.

Besonders in Flächenkreisen spiegelt die Entscheidung über Unterrichtsausfall nicht immer die Witterungsverhältnisse vor Ort wider. Eltern können auch ohne Unterrichtsausfall aufgrund extremer Witterung ihre Kinder zu Hause behalten. Oder sie vorzeitig aus dem Unterricht abholen, obwohl kein Unterrichtsausfall angeordnet ist.

Warum nicht eher?

Immer ärgern sich Schüler und Eltern, dass die Entscheidung über den Unterrichtsausfall nicht schon am Vorabend fällt. Besonders natürlich, wenn Klausuren oder Klassenarbeiten anstehen. So schön es wäre: Eine Vorabend-Entscheidung wird es nur selten geben, weil der Zustand der Schulwege am Morgen ausschlaggebend ist. Nur wenn am Abend schon feststeht, dass es große Probleme bei der Schülerbeförderung geben wird, kann der Unterricht schon dann abgesagt werden.

NOZ informiert

Entschieden wird darüber, ob die Schule ausfällt. Und nicht darüber, ob sie stattfindet. Sprich: Der Unterricht findet statt, wenn nichts anderes mitgeteilt wird. In der Regel werden Unterrichtsausfälle zwischen 5 und 6 Uhr publik gemacht.

Sobald das Team der NOZ-Digitalredaktion von Schulausfällen erfährt, informieren wir auf unserer Internetseite www.noz.de , in unserer App noz News auf Twitter , per Whatsapp und auf unseren Facebook-Seiten , in welchen Städten und Landkreisen der Region die Schule ausfällt.

 Stadt und Land Osnabrück prüfen gemeinsam 

Im Osnabrücker Land entscheiden der Landkreis für das Kreisgebiet und die Stadt für das Stadtgebiet. Theoretisch. Praktisch wird eine gemeinsame Entscheidung angestrebt, schließlich sind Stadt und Land in Sachen Schule und Schülerbeförderung eng verwoben. Der Fachdienstleiter Schule und die Fachdienstleiterin Ordnung des Landkreises erörtern zusammen mit Fachbereichsleiterin Schule und Sport der Stadt Osnabrück einen Unterrichtsausfall. Grundlage bilden dafür die Berichte der Straßenmeistereien, Rettungsleitstelle und Polizei. Bis 5 Uhr sollte die Entscheidung fallen und dann über Medien, die Websites und im Falle des Landkreises über die kostenlose Katwarn-App verbreitet werden. Die „SMS bei Schulausfall“ wird es so nicht mehr geben.

 Im Emsland entscheidet der Landrat 

Im Emsland entscheidet Landrat Reinhard Winter am frühen Morgen, ob die Witterungsbedingungen einen Schulausfall rechtfertigen. Natürlich nicht nach Lust und Laune: Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei haben ohnehin Bereitschaft. Sie informieren bei entsprechender Witterung den Kreisstraßenmeister und den Leiter des Fachbereiches Straßenbauamt, die sich dann bis 4.30 Uhr einen weiteren Überblick über die Straßenverhältnisse verschaffen. Und dem Landrat oder seinem allgemeinen Vertreter eine Empfehlung unterbreiten, der dann entscheidet, ob der Unterricht ausfallen wird.

Fällt der Unterricht aus, geht bis spätestens 5.15 Uhr eine Meldung an die Rettungsleitstelle und von dort weiter über die Verkehrsmanagement-Zentrale unter anderem an die Medien. Der Kreis Emsland informiert Eltern und Schüler außerdem über die eigene Website, einen kostenlosen SMS-Service und eine Schulfrei-App für Smartphones.

 In Delmenhorst entscheiden Verwaltung und Räumdienst 

In der Stadt Delmenhorst wird die Entscheidung über Schulausfall von der Stadtverwaltung in Absprache mit den Räumdiensten getroffen. Im Regelfall setzt sich Arnold Eckardt, Fachbereichsleiter für Schulen und Bildung, gegen 5 Uhr mit dem Straßenräumdienst in Verbindung und erkundigt sich nach dem Zustand auf den Straßen und Radwegen. Im Anschluss entscheidet Eckardt, ob die Schule ausfällt. Fällt der Unterricht aus, unterrichtet die Verwaltung den Delmenhorster Stadtsprecher Timo Frers, der die Nachricht auf allen Kanälen verbreitet. Zuerst wird die Nachricht auf der Website der Stadt veröffentlicht, im Anschluss (Bis 5.15 Uhr) ist sie auch auf der Seite der Verkehrsmanagement-Zentrale und auf der Twitter-Seite der Stadt zu lesen. Außerdem werden die Delmenhorster über die kostenlose App „BIWAPP“ über Schulausfälle informiert.

 Landrat entscheidet im Landkreis Oldenburg über Schulausfall 

In Ganderkesee, Hude, sowie im restlichen Landkreis Oldenburg wird die Entscheidung über möglichen Schulausfall am frühen Morgen von Landrat Carsten Harings getroffen. Im Anschluss vermeldet der Landkreis den Ausfall über seine eigene Website , die Verkehrsmanagement-Zentrale sowie Rundfunkdurchsagen. Zusätzlich gibt es im Landkreis Oldenburg die kostenlose Hotline 0800 / 2 77 93 00, unter der man sich über Schulausfälle informieren kann.

 In Nordrhein-Westfalen zählt der Elternwille – oder die Volljährigkeit 

Bei der Bezirksregierung in Münster wird alle Jahre wieder zum Winter hin ein alter Runderlass des Kultusministeriums ausgedruckt und für Medienanfragen bereitgehalten. In Nordrhein-Westfalen entscheiden nämlich die Eltern oder volljährige Schüler, ob der Weg zur Schule zumutbar ist. Oder auch nicht. Im März 1980 hatte der Kultusminister in diesem Erlass festgelegt, dass neben Unfällen und Todesfällen in der Familie auch der „plötzliche Eintritt extremer Witterungsverhältnisse“ ein „zwingender Grund für ein Schulversäumnis“ sein kann. Juristen beharren darauf, dass extreme Witterungsbedingungen allein nicht ausreichen, sondern dass diese auch noch plötzlich eingetreten sein müssen. Sich zwei schulfreie Tage hintereinander zu gönnen, könnte damit schwierig werden. Zum Ausgleich können extreme „Witterungsbedingungen“ dafür auch mal zu anderen Jahreszeiten eintreten. Zum Beispiel bei einem Herbststurm.