Landesmeisterschaft in Oldenburg Poetry-Slam-Titel für Delmenhorster Schrade

Von Ole Rosenbohm | 24.10.2016, 20:22 Uhr

Bei den Poetry-Slam-Landesmeisterschaften setzte sich Schrade im Oldenburger Staatstheater in der Kategorie U20 durch. Im Finale der Über-20-Jährigen holte sich Gewinner Florian Wintels sogar eine 10,0 bei der Jury ab.

Oldenburg. Noch nie hatte sich Hauke Schrade so intensiv auf einen Wettbewerb vorbereitet, las erstmals bei einem Poetry Slam nicht vom Zettel ab, hatte noch nie so viel wert auf seine Performance gelegt. „Die Leute müssen glauben, ich bin bekloppt“, hatte er sich als Ziel für seinen Diskurs in die Welt der Verschwörungstheorien gesetzt. Es klappte: Am Sonntagabend gewann der 20-jährige Delmenhorster im Staatstheater in Oldenburg den Nachwuchs-Wettbewerb bei den Poetry-Slam-Landesmeisterschaften für Niedersachsen und Bremen, sein bisher wichtigster Titel.

„Das Ende ist nah“

Von den drei Finalisten im Dichterwettstreit trat Schrade nach seinem Kumpel Justus Schlicht (am Ende Dritter) und Kira Müller (Zweite) als Letzter auf die Bühne im vollbesetzten Großen Haus und steigerte das ohnehin schon hohe Niveau bei den noch nicht 21-Jährigen: 43,9 Punkte (von 50 möglichen) gab es von der zufällig unter den Zuschauern ausgewählten Jury auch für sein Zusammenspiel mit dem Publikum beim fünfhundertfach ertönten Ruf „Das Ende ist nah“. Von Nervosität bekam niemand etwas mit, auch wenn Schrade zugab, seine Atempausen hätten dazu gedient, sich seinen Text zu vergegenwärtigen.

Der Pokalübergabe im Justus-Schlicht-Fanshirt – dieser wiederum trug ein Hauke-Schrade-Shirt – folgte das Finale im Ü-20-Wettbewerb. Und die neun Finalisten zeigten großen Poetry Slam. Die Jury überbot sich selbst mit immer höheren Wertungen etwa bei „Lippi Punkstrumpf“, deren sechs Minuten fast komplett aus Namen von Naschkram aus dem Kiosk-Regal bestanden. Stampfend, rappend, kreischend, leise oder verzweifelt wie der Hannoveraner Johannes Berger: „Mein Leben schmeckt nach einem Smoothie aus Spinat, Brokkoli und Hundekot – nur ohne Spinat und Brokkoli.“ Das Publikum ging mit, die Wertungen überstiegen die 47 Punkte. „Das Niveau“, sagte nicht nur Schrade nach fast drei Stunden moderierter Show, „war großartig“.

Dreimal Höchstnote für den Sieger

Die Darbietungen von gut bis sehr gut überbot noch der spätere Sieger: Forian Wintels aus Bad Bentheim, 23, Musikstudent, erntete im Stechen der besten Drei sogar eine umjubelte „10,0“ für seine schauspielreife Darbietung mit überragender Poesie, Sprache und Witz.

Selbst etablierte Bühnen-Cracks unter den Zuschauern wie der Oldenburger Kammersänger Paul Brady waren beeindruckt: „Riesig – der muss Schauspieler sein“, sagte Brady. Nein, noch singt Wintels in einer Band. Platz zwei ging an Tobias Kunze aus Hannover, Smoothie-Mann Berger wurde Dritter. Kommendes Jahr könnte sich der ebenfalls vielgelobte Delmenhorster Schrade dazwischen schieben. (Weiterlesen: Regelmäßige Poetry Slams für Delmenhorster Publikum)