Krach um Lehrerarbeitszeit GEW greift CDU-Kandidat Althusmann an

Von Klaus Wieschemeyer, Klaus Wieschemeyer | 31.07.2017, 18:08 Uhr

Im Kampf um die Arbeitzeiten von Lehrern hat die Gewerkschaft GEW den Ton gegenüber der CDU verschärft.

Im Streit um die Lehrerarbeitszeit in Niedersachsen droht die Bildungsgewerkschaft GEW dem CDU-Spitzenkandidaten Bernd Althusmann mit „massiven Auseinandersetzungen“. Sowohl der scheidende GEW-Vorsitzende Eberhard Brandt als auch seine designierte Nachfolgerin Laura Pooth kritisierten das Wahlprogramm der Landes-CDU.

„Provokation auf ganzer Linie“

Die Partei strebt im Falle eines Wahlsiegs im Januar eine unabhängige Arbeitszeituntersuchung an. Für Pooth ist das eine „Provokation auf ganzer Linie“, da die GEW selbst vor einem Jahr eine eigene Arbeitszeitstudie in Auftrag gegeben hatte. Deren Ergebnis: Niedersachsens Lehrkräfte arbeiten mehrheitlich deutlich mehr als die beamtenüblichen 40Stunden in der Woche. Dass die CDU diese Ergebnisse nun nicht anerkenne, sei „an Dreistigkeit und Ignoranz“ kaum zu überbieten, polterte Pooth. Mit der amtierenden Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) war die GEW hingegen weniger streng: Diese habe die Studienmacher sogar in die aktuelle Kommission zur Lehrerarbeitszeit aufgenommen. Gewerkschaftschef Brandt erklärte den Umgang mit der GEW-Studie zur „Schlüsselfrage“ für den Landtagswahlkampf. Kandidaten, die die Studie ignorierten oder ablehnten, dürften bei Wahlkampfveranstaltungen „lebhafte Auftritte von Lehrern erleben.“ 2018 müsse es zu einer Entlastung bei den Pflichtstunden kommen.

Zwangsversetzte Lehrer

Ein kurzfristiges Rezept gegen den Lehrermangel an Niedersachsens Schulen hat die GEW nicht. Sie fordert das Gymnasiallehrergehalt (Besoldungsstufe A 13) für alle und eine gute Ausbildung. Das dürfte aber nur langfristig viel nutzen, da Lehrer derzeit in allen Bundesländern Mangelware sind.

Um den Mangel in den unteren Jahrgängen abzumildern, hat das Kultusministerium kurz vor Schuljahresstart zahlreiche Gymnasiallehrer befristet an die Grundschulen abgeordnet. Viele Pädagogen erfuhren davon per Mail im Urlaub. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, sprach von einem „unerträglichen Zustand, der eindeutig zulasten der Bildung unserer Schülerinnen und Schüler geht“. In Sachen Unterrichtsversorgung dümple das Kultusministerium weiterhin plan- und ziellos dahin, erschöpfe sich in Schönrederei und leugne sogar die dramatische Situation, deren Zeugen Lehrer, Schüler und Eltern täglich würden.