Konkurrenz aus dem Netz Oldenburgs Einzelhandel hofft auf Schlussverkauf

Von Ole Rosenbohm | 30.01.2017, 22:09 Uhr

Rabattschlachten und Leerstände. Oldenburgs Einzelhandel hat zu kämpfen. Nicht nur der Onlinehandel macht den Geschäftsleuten zu schaffen.

Prozente allerorten: Gestern haben viele Einzelhändler im Nordwesten ihren inoffiziellen Winterschlussverkauf gestartet. Nach einem für viele durchwachsenen Weihnachtsgeschäft hoffen die stationären Einzelhändler auch in Oldenburg noch einmal auf gute Zahlen.

Auf etwa 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beziffert Jan König, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordwest, das Umsatzplus im abgelaufenen Weihnachtsgeschäft – Oldenburg folge damit ganz dem Bundestrend, sagt König. Aber: Im 50. Jahr des Bestehens der Fußgängerzone ist von Partystimmung in den inhabergeführten Geschäften Oldenburgs wenig zu spüren. Denn vor allem der Onlinehandel und auch die großen Ketten greifen sich Jahr für Jahr einen größeren Anteil am Gewinn ab. Das sei auch dieses Jahr so gewesen, sagt König: „Der konjunkturelle Rahmen stimmt, aber die Verteilung ist extrem unterschiedlich.“

Die Kerben des Strukturwandels in Oldenburg sind unübersehbar, der Leerstand erneut leicht gestiegen. Die Achternstraße etwa wird der erst im vergangenen April mit Unterstützung Dieter Bohlens eröffnete 1800-Quadratmeter-Laden „The Store“ mit unbekanntem Ziel verlassen.

Die Ankündigung des Einrichtungshauses Ullmann, eines 180-jährigen Familienbetriebs, bis vor zwei Jahren auch in Bremen präsent, ist die aktuellste Hiobsbotschaft. Ullmanns Ende bedeutet auch eine weitere schlechte Nachricht für die Heiligengeiststraße am nördlichen Ende der Innenstadt. Denn immer noch zu drei Vierteln leer ist das große City-Center CCO, das weiter keinen Nachfolger für den ans andere Innenstadtende gezogenen Elektronikhändler Saturn präsentieren kann. Auch für Ullmann ist noch kein Nachfolger gefunden. Und am Ende der Straße wird wohl noch in diesem Frühjahr das Finanzamt seinen marode gewordenen Standort gen Stadtrand verlassen. Die Gastronomen der Straße verlieren damit allein 300 Angestellte als potenzielle Kunden.

Der Oldenburger Innenstadt könnte es besser gehen, doch noch habe die älteste Fußgängerzone Deutschlands einen guten Bestand, sagt König. „Als Oberzentrum zieht die Stadt noch immer viele Leute von außen an“, sagt er. 40 Prozent der Kunden kommen aus dem Umland in die Stadt. Und immerhin: Der inhabergeführte Einzelhandel hätte sich gegen den Strukturwandel immer tapfer zur Wehr gesetzt – auch wenn er nie von den Veränderungen profitieren würde.