Kommentar zum Islamunterricht Stimme, die nicht gehört werden will

Meinung – Stefanie Witte | 31.01.2019, 18:09 Uhr

Es ist absurd: Zwei Muslimverbände stellen sich offenbar quer, als es darum geht, sexuelle Vielfalt, also etwa Homo-, Bi- und Transsexualität, im Religionsunterricht zu berücksichtigen. Aber von den Verantwortlichen fühlt sich niemand zuständig. Dabei gehört der Schulunterricht in Deutschland zum zentralen Handlungsfeld großer Religionen.

Die Islamverbände dürfen in Niedersachsen mitbestimmen, was gelehrt wird. Selbst wenn es hier zum Thema sexuelle Vielfalt unterschiedliche Auffassungen gibt: Das könnte im Unterricht thematisiert werden. Wo also ist das Problem?

Vor allem aber wirft der Streit kein gutes Licht auf die Islamverbände, die sich zu solchen zentralen Fragen öffentlich nicht äußern und so tun, als sei all das nur Sache eines Beirates für Religionsunterricht. Die Vertreter in diesem Beirat werden immerhin von Ditib und Schura entsandt und handeln nicht als Einzelpersonen. Ihre Positionen sollten transparent sein und nicht hinter geschlossenen Türen verhandelt werden.

Entweder wollen Ditib und Schura ihren Standpunkt nicht formulieren, oder sie halten das Thema für unwichtig. In beiden Fällen stellt sich die Frage, welche Rolle die Verbände dann überhaupt spielen sollten.

Hessen hat die Zusammenarbeit mit Ditib beim Reliunterricht gerade beendet. Auch in NRW steht das zur Debatte. Wenn sich die Verbände weiterhin lieber bedeckt halten, könnte ihnen in Niedersachsen ein ähnliches Schicksal drohen.