Kommentar Gefährliche Brechstangenpolitik

Meinung – Klaus Wieschemeyer, Klaus Wieschemeyer | 02.02.2017, 20:16 Uhr

Niedersachsens AfD-Landeschef Hampel setzt sich über den Beschluss des eigenen Schiedsgerichts hinweg. Das kann der Partei erheblichen Schaden zufügen.

Ein AfD-Schiedsgericht hält die für das Wochenende geplante Kandidatenkür der Partei für unrechtmäßig. Doch selbst dieser einstimmige Richterspruch kann Parteichef Hampel nicht von seinem Kurs abbringen. Der umstrittene Landesvorsitzende will bereits an diesem Wochenende als Spitzenkandidat sein Ticket in die große Berliner Politik lösen – koste es seine Partei, was es wolle.

Bedenken werden von ihm mit Verweis auf „mehrere Rechtsexperten“ und die „Mehrheit“ des Landesvorstands beiseite gewischt: Eine Fristverletzung bei der Einladung? Ist Unwichtig. Das eigene Schiedsgericht? Ist nicht zuständig und sowieso von Hampel-Kritikern beherrscht.

Die Eile hat System. Noch stehen große Teile der AfD hinter Hampel. Vereint in der Ablehnung gegen „Systemparteien und -medien“ verzeihen viele Mitglieder dem Landeschef schlechte Wahlergebnisse und interne Streitereien. Doch vielen dürfte langsam dämmern, dass sich die Aufstände in zahlreichen Kreisverbänden beim besten Willen nicht mit einer ominösen Unterwanderung destruktiver Kräfte erklären lässt. Die Zeit läuft gegen den Spitzenmann.

Hampels Brechstangenpolitik ist gefährlich: Selbst wenn ihn seine Getreuen am Samstag auf den Spitzenkandidatenschild heben, ist der innere Schaden schon jetzt gewaltig. Sollte sich die Aufstellung als rechtswidrig entpuppen, wird er riesig.