Interview: „Recht auf Rausch“ Hanf-Aktivisten wollen Cannabis in Münster legalisieren

Von Sven Kienscherf | 16.04.2014, 19:07 Uhr

Drei Hanf-Aktivisten setzen sich in Münster dafür ein, dass Cannabis legal konsumiert werden kann. In einer Petition an den Stadtrat fordern sie die Einrichtung eines Cannabis Social Clubs, in dem unter Aufsicht der Stadt Gras angebaut und an Mitglieder legal verkauft wird. Jonas Höltig studiert Jura und Politikwissenschaften und ist einer der Antragsteller.

Herr Höltig, Sie fordern, dass jedes Mitglied des Clubs zwei Gramm Cannabis pro Tag bekommt. Wenn man das konsequent verbraucht, kriegt man sonst nicht mehr viel auf die Reihe, oder? Das stimmt wohl. Allerdings geht es uns darum, erst mal eine Ausnahmegenehmigung auf den Weg zu bringen. Wie man es dann konkret ausgestaltet, muss man sehen. Wenn man Cannabis auch zur Schmerzlinderung nimmt, kann es schon sein, dass man phasenweise so viel verbraucht. Im Übrigen: Genauso wie man nicht jeden Tag einen Liter Wodka trinken sollte, sollte man nicht jeden Tag zwei Gramm Gras rauchen.

Vielleicht sollte man beides generell lieber lassen. Oder gibt es ein Recht auf Rausch? Wenn Sie mich so fragen: Ja, es gibt ein Recht auf Rausch. Ich zum Beispiel kiffe nicht oft. Aber ich finde es ätzend, dass ich mich dafür auf den Schwarzmarkt begeben muss, um dann vielleicht noch gestrecktes Zeug zu bekommen und mich darüber hinaus strafbar zu machen.

Wie war denn die bisherige Resonanz auf Ihren Vorschlag? Bisher erstaunlich gut. Die beiden Münsteraner Zeitungen und kleinere Anzeigenblätter haben berichtet, Spiegel Online hat auch schon angefragt. Das Echo war weitestgehend positiv.

Was sagen denn die politischen Parteien bei Ihnen im Rat? Die Piraten unterstützen unseren Vorschlag, und ich vermute mal, dass die Grünen und die Linke Sympathie für den Vorschlag haben. Allerdings brauchen wir auch eine der großen Fraktionen, die SPD oder die CDU, auf unserer Seite.

Sie rechnen nicht im Ernst damit, dass Ihr Vorschlag angenommen wird. Ich glaube nicht, dass es aussichtslos ist. Dann hätten wir den Antrag nicht geschrieben. Das hat schon eine Menge Zeit gekostet.

Sie studieren Jura und Politikwissenschaften. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie jetzt als Vorzeigekiffer dastehen? Nein. Um dem vorzubeugen, habe ich mir für ein Pressefoto auch extra ein Sakko angezogen (lacht). Im Ernst: In meiner Altersgruppe dreht mir niemand einen Strick daraus. Es gibt Schätzungen, wonach 15 Millionen Bundesbürger schon mal gekifft haben. Es handelt sich also nicht um ein Spartenphänomen.

Der Fachverband Drogen- und Suchthilfe schätzt, dass bundesweit bei 2,5 Millionen Konsumenten etwa 100.000 Menschen abhängig sind. Verharmlosen Sie die Gefahr des Konsums nicht? Nein, denn das Verbot von Cannabis führt ja nicht dazu, dass weniger konsumiert wird. Wenn der Staat das Geld, das jetzt in die Strafverfolgung gesteckt wird, in die Prävention stecken würde, wäre ein weitaus größerer Dienst getan.

Wie würde denn eine ideale Gesetzgebung aussehen? Besser noch als unser Vorschlag eines Cannabis Social Clubs wäre die rezeptfreie Abgabe von Cannabis in der Apotheke an Menschen ab 18 Jahren. Die Qualität des Cannabis würde vom Staat kontrolliert werden, Kiffer würden nicht mehr kriminalisiert. Dazu bräuchten wir aber eine bundesweite Regelung. Auf kommunaler Ebene kommt der Cannabis Social Club dem Ideal schon ziemlich nah.

Sie behaupten, dass der Staat auch finanziell von einer Legalisierung profitieren würde. Wie Tabak und Alkohol könnte und sollte der Staat auch Cannabis besteuern. Die Konsumenten würden das liebend gerne zahlen, wenn sie im Gegenzug nicht mehr kriminalisiert würden.