Insider berichtet Warum Banken wenig gegen Panzerknacker machen

Von Sven Kienscherf | 25.12.2015, 10:00 Uhr

Die sogenannten Panzerknacker halten die Region in Atem. Zuletzt wurde alle paar Tage ein Geldautomat gesprengt. Was machen die Banken dagegen? Laut einem Insider nicht besonders viel.

Die Masche ist immer gleich: Gas wird in die Geldautomaten eingeleitet und wenn alles klappt, legt die Explosion die Geldkassette frei. In einigen Filialen sind die Automaten gegen das Einbringen von Gas gesichert. Standard sei das aber nicht, wie ein Insider unserer Redaktion berichtete. Er arbeitet für ein großes Geldinstitut in Nordrhein-Westfalen und berät das Unternehmen in Sicherheitsfragen. Seinen Namen möchte er in dem Artikel lieber nicht lesen. Der Name ist der Redaktion bekannt.

Umrüstung der Automaten ist teuer

Warum machen die Banken nicht mehr, um sich gegen die Panzerknacker zu schützen? Eine Umrüstung der Automaten sei teuer. Angesichts von rund 60000 Geldautomaten bundesweit sei der Aufwand viel zu hoch. Verglichen damit sei die Anzahl der mit Gas gesprengten Automaten zu klein, die erbeuteten Geldbeträge zu niedrig. „Banken sind gegen den Schaden ohnehin versichert“, so der Experte.

Insgesamt hat es nach Angaben des Landeskriminalamts Niedersachsen 2015 rund 300 Angriffe auf Geldautomaten gegeben, mit den unterschiedlichsten Methoden. Die „Welt“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf die Landeskriminalämter von 134 Gas-Sprengungen von Geldautomaten in diesem Jahr, in Niedersachsen waren es 25. (Weiterlesen: Wie sprengt man einen Geldautomaten?) 

Schwarzmarkt für markiertes Geld

Das Sprengen der Automaten mit Gas sei aber kein bundesweites Phänomen. Betroffen in Westdeutschland sind vor allem NRW und Niedersachsen. „Das Emsland ist attraktiv, weil die nächste Polizeistation oft weiter weg ist, die Infrastruktur und die Nähe zur niederländischen Grenze sind für die Täter interessant“, so der Experte.

Ein Ausrüsten der Automaten mit Farbkartuschen, die im Falle einer Sprengung das Geld markieren, sei nicht wirklich sinnvoll, meint der Branchenkenner. „Für markiertes Geld gibt es einen Schwarzmarkt. Beispielsweise in der Türkei können die bunten Scheine eingetauscht werden, natürlich zu einem niedrigeren Preis.“

Rennen zwischen Hase und Igel

Das Nachrüsten hat seiner Ansicht auch deshalb in vielen Fällen wenig Sinn, weil die Täter ständig neue Methoden fänden, um an das Geld zu kommen. Es sei wie das Rennen zwischen Hase und Igel. „Jetzt ist das sogenannte Jackpotting aufgetaucht. Dabei wird die Abdeckung des Automaten entfernt und mit einem USB-Stick das Programm manipuliert.“

Dass es überhaupt so viele Geldautomaten gebe, sei der Liebe der Deutschen zum Bargeld geschuldet. Die Sprengungen könnten auf Umwegen auch den Kunden treffen. „Große Banken könnten versucht sein, auf dem Land keine Geldautomaten mehr aufzustellen, um sich den Ärger zu sparen.“