Innovative Projekte in Modellregionen – Lingen gleich zweimal vertreten Vom „Heimarzt“ bis zur rollenden Praxis

Von Hans Brinkmann | 26.09.2011, 16:17 Uhr

„Zukunftsregionen Gesundheit“ lautet der etwas sperrige Titel eines vor Kurzem gestarteten Modellprojekts. Doch schon in einer ersten Zwischenbilanz zeichnete sich gestern in Hannover ab, dass im Rahmen dieses auf drei Jahre angelegten Vorhabens innovative Lösungen entwickelt werden – vom „Heimarzt“ bis zur rollenden Praxis.

Gleich zwei dieser neuen Ansätze, die gestern während einer Fachtagung im Beisein von Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) vorgestellt wurden, beziehen sich auf Lingen.

So soll in der größten Stadt des Emslandes, wie der designierte Landrat Reinhard Winter (CDU) erläuterte, im nächsten Monat ein in dieser Form einzigartiges Demenzservicezentrum starten. Es versteht sich als Beratungs- und Hilfsangebot für die wachsende Zahl von Demenzkranken und ihren Angehörigen und soll sowohl für mehr Transparenz als auch für verstärkte Qualität in Betreuung und Pflege sorgen.

Neuland beschritten wird laut Winter auch mit dem Projekt „Heimarzt“. Es sieht die Anstellung von Ärzten in Heimen vor, um so durch direkte Betreuung vor Ort die medizinische Versorgung zu verbessern und gleichzeitig Arztpraxen zu entlasten und unnötige Krankenhauseinweisungen zu verhüten.

Özkan würdigte dieses Ärztenetzwerk als gelungene Verzahnung von ambulanter, stationärer und pflegerischer Versorgung.

Mit Lob bedachte sie auch andere Initiativen aus den drei Modell-Landkreisen Emsland, Heidekreis und Wolfenbüttel. Der dortige Landrat Jörg Röhmann (SPD) schilderte zwei Erfolg versprechende Ansätze.

Zum einen sollen – wie einst bei der Röntgenreihenuntersuchung im ländlichen Raum – mobile Arztpraxen eingesetzt werden, um die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung in den Dörfern zu gewährleisten.

Ein weiteres Projekt: sogenannte „Filialpraxen“. Diese Idee zielt darauf ab, dass Fachärzte sich an bestimmten Tagen in der Praxis von Allgemeinärzten in kleineren Orten einfinden und ihre Dienste anbieten. Gerade älteren Bürgern könnten so weite Wege in größere Städte erspart werden.

Die Umsetzung solcher innovativen Maßnahmen erfolgt – ein entscheidender Ansatz des Modellprojekts – in enger Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den beteiligten Krankenkassen.

Nach Darstellung von Ministerin Özkan handelt es sich dabei um das erste Projekt dieser Art in Deutschland. Es solle dazu beitragen, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit rückläufiger Bevölkerungszahl, aber steigendem Anteil älterer Menschen eine ortsnahe und finanzierbare Versorgung sicherzustellen. „Kurze Wege zu guter Versorgung und Pflege“, gab Özkan als Devise aus.