Unauffällig in Zivil hat die niederländische Armee geprüft, ob sich die zerstörte Eisenbahnbrücke über die Ems in Weener auf der Strecke Groningen-Leer durch eine Behelfsbrücke ersetzen lässt. Die Erkenntnis des Erkundungstrupps des 101ste Geniebataljon (101. Pionierbataillon): Im Prinzip ja, aber nur wenn der Schiffsverkehr auf der Ems weitgehend eingestellt wird.
Den genialen Einfall mit der Behelfsbrücke hatte die Fraktionsvorsitzende der christlich-konservativen ChristenUnie im Provinzparlament von Groningen, Stieneke van der Graaf. Sie gibt sich mit der Aussage deutscher Fachleute nicht zufrieden, dass es gut fünf Jahre dauern kann, bis eine neue Brücke gebaut ist und der Bau einer Behelfsbrücke keine Lösung des Problems darstellt. Im Zweiten Weltkrieg habe man in solchen Fällen Bailey-Brücken gebaut, meint sie. General Ivo de Jong, vom Operationeel Ondersteuningscommando Land (Einsatzunterstützungskommando Land) zeigte zu Beginn der Woche Pioniergeist und beorderte seine Brückenbau-Spezialisten von der 105 Brugcompagnie aus s‘Hertogenbosch zu einer unauffälligen Erkundung mit Zivilfahrzeugen ins Nachbarland, ohne sich vorher mit der deutschen Seite abzustimmen, wie die Zeitung Dagblad van het Noorden schreibt.
„Tatsächlich sind wir als Touristen über die Grenze gegangen. In Zivilkleidung haben wir Fotos gemacht, den Schaden begutachtet und Gespräche geführt. In den Niederlanden wurden danach alle Möglichkeiten durchgeplant“, erzählte Oberstleutnant Peter van Sorgen dem Fernsehsender RTV-Noord in einem am Freitag veröffentlichten Interview.
Grundsätzlich hält der Offizier den Bau einer Behelfsbrücke für machbar. Das Loch in der Brücke ist 30 Meter breit, aber die bei den Niederländern verfügbaren Pionierbrücken können nur 21 Meter überspannen. Also müsste entweder eine Stütze in die Fahrrinne für die Schiffe gesetzt werden, oder man verschiebt ein vorhandenes Brückenteil auf die Lücke über die Durchfahrt und ergänzt dort, wo ein zusätzlicher Pfeiler weniger stört, ein Stück mit dem Pioniermaterial. Ein Problem ist das Gewicht der Personenzüge von 175 Tonnen. Schwere Panzerfahrzeuge wiegen dagegen maximal 75 Tonnen. Die Behelfsbrücke des Militärs müsste entsprechend verstärkt werden. Wenn nicht auf den Seeschiffsverkehr zwischen Papenburg und der Nordsee und bei Hochwasser auf den Binnenschiffsverkehr zu den Häfen Leer, Emden und Delfzil. verzichtet werden soll, muss das Brückenteil über die Schiffsdurchfahrt beweglich gemacht werden. Alles hänge außerdem von der Antwort auf die Frage ab, ob die Brückenpfeiler unbeschädigt geblieben sind, erklärt van Sorgen.
Die ChristenUnie-Fraktionsvorsitzende van der Graaf freut sich über so viel Tatkraft beim Militär. Jetzt fordert sie, dass weiter über Provisorien für die Zeit bis zu einem Neubau der Brücke nachgedacht wird. Sie will deshalb ihre Parteifreunde im niederländischen Parlament einschalten.