Hat Verdächtiger Hinweise gegeben? Nach Mordfall Dano: Neue Suche nach Jenisa erfolglos

10.07.2014, 13:03 Uhr

dpa/sha Hannover/Osnabrück. Sieben Jahre nach dem Verschwinden der damals achtjährigen Jenisa aus Hannover hatte die Polizei am Donnerstag eine neue Spur. Die Informationen kamen aus dem Umfeld desselben Mannes, der wegen des Mordfalls Dano in Haft sitzt. Gegen ihn wurde auch damals, nach dem Verschwinden des Mädchens, ermittelt.

Ab 9:30 Uhr suchten 30 Polizisten ein etwa 150 mal 50 Meter großes Waldstück zwischen den Ortschaften Blumenau und Liethe nahe dem Steinhuder Meer bei Hannover ab. Leichenspürhunde durchstreiften das Unterholz. Polizisten entfernten teilweise den Bewuchs des Geländes.

Auslöser der Suche waren Hinweise aus dem Umfeld des Verdächtigen im Mordfall Dano, der in Untersuchungshaft sitzt und möglicherweise Täter auch im Fall Jenisa ist. Es gebe Hinweise von „Mithäftlingen des Herrn B., denen wir nachgehen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Kathrin Söfker im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie betonte, bei den Informationen handele es um „Hinweise, nicht um ein Geständnis“. „Bild“ hatte von einem angeblichen Mordgeständnis des Häftlings Ibrahim B. berichtet. Der Mann sitzt als mutmaßlicher Täter im Herforder Mordfall Dano , in Haft.

Der fünfjährige Junge Dano war Mitte März in Herford verschwunden. Drei Wochen später wurde seine Leiche nahe der Werre gefunden. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter, einen Nachbarn der Familien, wenige Stunden später fest. Der angeklagte 43-Jährige hatte Anfang April gestanden, Dano getötet zu haben.

Schon 2007 hatte der Mann nach dem Verschwinden der achtjährigen Jenisa wochenlang in Untersuchungshaft gesessen, war aber schließlich mangels Beweisen freigelassen worden. Nun habe er Mithäftlingen den Mord an Jenisa genau beschrieben und eine detaillierte Karte von dem Waldstück angefertigt, in dem er das Mädchen angeblich vergraben hat, berichtete die „Bild“-Zeitung. Demnach soll es auch ein schriftliches Geständnis geben.

Jenisa war am 7. September 2007 verschwunden. Sie war auf dem Weg zu einer Tante, die aber nicht zuhause war. Im Fahrstuhl des Hochhauskomplexes hatte eine Frau das Mädchen noch gesehen, dann verlor sich seine Spur. An einer Autobahn bei Wunstorf gefundene Kleidung deutete auf ein Verbrechen hin.

Die Suche bei Hannover endete am Donnerstag ergebnislos – lediglich ein kleines Stück haben die Hunde noch nicht durchkämmt. Behördensprecherin Söfker hält für unwahrscheinlich, dass sie noch auf Hinweise stoßen.

Neue Befragungen des Verdächtigen Ibrahim B. sind nicht vorgesehen. Laut Staatsanwaltschaft ist er zu keiner Aussage im Fall Jenisa bereit. „Wenn er sich entscheidet zu schweigen, müssen wir das akzeptieren, sagte Söfker.

Jenisas Angehörige waren über die neue Suchaktion offenbar informiert. Ein Fernsehteam soll versucht haben, sie vor seine Kamera zu bekommen.

Der wegen Danos Tod angeklagte Mann aus dem Umfeld von Jenisas Familie hatte sich bei der damaligen Befragung in Widersprüche verstrickt. Er hatte sich wohl in der Nähe der abgelegten Kleidung aufgehalten, Zeugen hatten Jenisa in einem Wagen gesehen, der seinem Auto glich– doch nachgewiesen werden konnte ihm die Tat nicht.

Eine Anklage wegen Kindesentziehung gegen den Mann lehnte das Landgericht Hannover 2010 ab, der Verdächtige zog nach Nordrhein-Westfalen. Anfang April dieses Jahres wurde in Herford Danos Leiche gefunden. Der 43-Jährige war ein Nachbar und der Vater eines Spielkameraden des Fünfjährigen. Er gab an, den Jungen getötet zu haben, um zu vertuschen, dass er ihn zuvor geohrfeigt hatte.