Handwerkskammer legt Zahlen vor Konjunktur in Oldenburg auf hohem Niveau

Von Ole Rosenbohm | 11.05.2017, 21:27 Uhr

Die Konjunktur im Handwerk brummt schon lange – und ist zum Frühjahr noch mal besser geworden, sagt HWK-Präsident Manfred Kurmann. Gewinner ist erneut die Baubranche, Verlierer das Gesundheitshandwerk.

Der Geschäftsklimaindex im Handwerk hat mit der Frühjahrs-Umfrage unter den Betrieben in der Region um drei Punkte auf 120 Zähler zugelegt, sieben Punkte über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt. Diesen Wert präsentierte gestern die Handwerkskammer (HWK) Oldenburg.

Stellenausbau statt Stellenabbau

Konjunkturelle Treiber waren wieder die Bau- (128 Punkte) und Ausbaufirmen (125). Erstmals seit drei Jahren berichteten die Betriebe dieser Branchen, in den vergangenen sechs Monaten mehr Menschen eingestellt als Stellen abgebaut zu haben – trotz konjunkturschwachen Winters. HWK-Präsident Manfred Kurmann erwartet, dass der Boom noch lange anhält – fehlendem Wohnraum in vielen Städten und den anhaltenden Niedrigzinsen sei Dank. Auch die sogenannten Zulieferer hätten „zu alter Stärke zurückgefunden“, berichtete HWK-Betriebsberater Klaus Hurling.

Die Kammer habe 2239 Betriebe angefragt, geantwortet nach ihren Erfahrungen seit Herbst und den Erwartungen für die Zukunft hatten allerdings nur 313.

Kfz-Handwerk leidet

Aber nicht jeder Sparte geht es den Zahlen nach gut: Im Kfz-Handwerk etwa ist die Stimmung wegen der Diskussionen um Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge gedämpft. Die Nachfrage sinke wie die Rechtssicherheit: „Nicht mal bei einem neuen Auto weiß man, ob es am nächsten Tag noch in die Stadt kann“, sagte Hauptgeschäftsführer Heiko Henke überspitzend.

Natürlich, generell liege eine bessere Luft auch im Interesse der Betriebe. Aber: „Wir brauchen Lösungen“, sagte Henke. „Eine könnte sein, dass die Handwerker in die Stadt dürfen.“

Probleme im Gesundheitshandwerk

Eher mittelmäßig sehen Lebensmittelbranche und das Dienstleistungshandwerk, etwa Juweliere oder Frisöre, ihre Lage. Großer Verlierer ist das Gesundheitshandwerk – einer älter werdenden Gesellschaft mit all ihren Anforderungen in diesem Sektor zum Trotz.

Überraschend viele Gesundheitsbetriebe erklärten, Personal abgebaut zu haben. Der nach neuer Formel berechnete Index hier liegt bei unter hundert – genau diese hundert Punkte markieren seit dieser Umfrage die Grenze zwischen positivem und negativem Geschäftsklima.

Gründe sehen die HWK-Experten in einer sinkenden Konsumbereitschaft wegen ansteigenden Teuerungsraten und nur „moderaten Lohnabschlüssen“. Wer’s hat, investiert also in Steine und Beton, wer’s nicht hat, verzichtet auf die nächste Zahnreinigung.