Grünkohl-WM in Oldenburg Alles außer norddeutsch

Von Ole Rosenbohm | 15.01.2017, 19:38 Uhr

In Oldenburg fand am Samstag die erste Grünkohl-WM statt. Der Sieger Christoph Steinhauser aus Hamburg nahm neben einer vergoldeten „Oldenburger Palme“ 333 Euro Preisgeld mit, und so mancher Gast wurde um eine kluge Rezeptidee reicher.

Ob wohl mehr Medienvertreter oder mehr Zuschauer zugegen waren, fragte sich am Samstag in der Bauwerkhalle mancher Besucher des Koch-Wettbewerbs. Bisweilen nahmen die sieben Kamerateams sowie die diversen Radio- und Fotoreporter den Zuschauern die Sicht aufs Geschehen, dem Wettstreit von insgesamt 19 Köchen rund ums Thema Grünkohl. Das Probieren in kleinen Schälchen hatte das Live-Publikum dann wieder exklusiv. Erlaubt war alles – außer typisch norddeutsch.

Auch wenn die meisten Teilnehmer aus Oldenburg und umzu kamen und im Engländer Ian Hames (der einst in Oldenburg studierte) nur einer aus dem Ausland anreisen musste, tischten die je zur Hälfte aus Profis und Amateuren bestehenden Teilnehmer kreativ international auf: Der aus der Demokratischen Republik Kongo stammende Oldenburger Mbala Mabibi probierte es afrikanisch mit Bananen. Hotelbetreiber Claus Peter aus Wingst wählte mit Saté-Spießen von der Ente auf Grünkohl eine ostasiatische Variante, der in einer Oldenburger Behinderteneinrichtung lebende und arbeitende Faris El-Kaakout eine afrikanisch-libanesische. Auch dabei waren ungarische, italienische und iranische Kohl-Gerichte.

Wilfried Fey aus Wüsting, ehemaliger Betreiber des Oldenburger „Ratskellers“, erntete mit einer Grünkohl-Steckrüben-Suppe „Das-ist-aber-lecker“-Kommentare. Zudem hatte der 67-Jährige einen Steckrüben-Puffer mit gespiegeltem Wachtelei und Grünkohl-Tatar im Angebot. „Alles hat hingehauen, einmal hatte ich zu Hause geübt“, sagte er. Sein Favorit unter den Konkurrenten? Konditor Christian Klinge mit einer süßen Variante des sonst so deftig zubereiteten Kohls: „Eine Wucht.“

Bei der Preisverleihung jubelte Torben Solheid (Risotto mit Parmaschinkenchips) über Platz drei, schlug dann aber entsetzt seine Hände über den Kopf, als sein Chef Claus Peter als Zweiter nach vorne gerufen wurde – so gerne hätte er ihn geschlagen. War diese Entscheidung für die Jury noch eng, gab es über den Sieger keine Diskussionen: Gegen Christoph Steinhausers „Grünkohl-Graupenrisotto mit geräuchertem Aal in Tempura und Grünkohl-Chips mit Speck-Salz“ hatte die Konkurrenz keine Chance. „Eigentlich bin ich kein großer Grünkohl-Esser“, meinte der erst 26-jährige Hamburger nach der Pokalübergabe. Aber dann habe er sich abends hingesetzt und die Idee entwickelt: „Man braucht zu jedem Gericht einen gewissen Crunch, man braucht das Würzige – das hat alles ganz gut gepasst.“ Verteidigen will er seinen Titel übrigens nicht: „Ich bin selbstständig – das passt nicht in meinen Plan.“

Ob es überhaupt zu einer Wiederholung der Veranstaltung kommt, ist ohnehin unsicher. Zwar zogen die Organisatoren des ehrenamtlich wirkenden Vereins „Kreative Runde“ abends beim Grünkohlessen nach traditionell Oldenburger Art gemeinsam mit den Teilnehmern eine gute Bilanz ihrer WM. „Aber allein werden wir das nicht noch einmal stemmen können“, stellte Wiebke Schneidewind für die Runde klar.