Grüne Energie von den Grün-Weißen Das neue Weserstadion punktet mit Modernität - Flair alter Tage verflogen

Von Benjamin Kraus | 27.09.2011, 18:13 Uhr

Im Sommer hat Werder Bremen den Umbau seines Stadions abgeschlossen. Die Präsentation der reinen Fußball-Arena im Rahmen eines Rundgangs, zu dem der Bundesligist mit dem Versorger EWE lud, offenbart die neue Fußball-Welt des Jahres 2011: Weniger Stallgeruch, eher Sterilität und Sponsoring prägen die neue Spielstätte. Diese Kombination hat aber eine einzigartige Stadion-Silhouette hervorgebracht.

Zumindest im Innenraum dominiert nach wie vor der Duft nach saftigem Gras, den bei Regen der Geruch feuchter Erde ablösen wird. Doch schon im Kabinengang fehlt heute der leicht müffelnde Akzent von vermodernden Rasenresten aus dreckigen Ecken, die es in Zeiten omnipräsenter Fernsehkameras nicht mehr geben darf: Ein leicht zu säubernder Fußboden zieht sich durch die grün getünchten Gänge, die Wände zieren Sponsorenlogos und Fotos vergangener grün-weißer Erfolge. An den Sanitäranlagen bei den Fanblöcken vermisst man fast den stechenden Geruch nach abgestandenem Bier und Urin, der hier bis Ende der 80er-Jahre prägte, als Fußball noch reine Männerdomäne war.

Einst zeichnete die Stadien der Duft aus – und die Individualität: die flache, weitläufige Schüssel des Münchner Olympiastadions mit Zeltdach oder die quasi im Patchwork-Verfahren zusammengeschusterten Tribünen des Weserstadions. Aber spätestens nach der Nichtberücksichtigung als Austragungsort für die Fußball-WM 2006 war man auch in Bremen gezwungen, den Zeichen der Zeit zu folgen: Das Spielfeld wurde tiefergelegt, die Laufbahn für 70 Millionen Euro mit Tribünen überbaut, die nun direkt an das Spielfeld heranreichen. Die neue Arena beeindruckt durch moderne Architektur: Breitere Zugänge und modernere Sanitäranlagen sowie mehr Stände für Entertainment und Versorgung wirken familienfreundlich – wichtig für das Fußball-Publikum des Jahres 2011. Insgesamt ist das Stadion aber steriler und austauschbarer geworden.

Diese Sicht der Dinge würde Klaus Filbry für das Weserstadion vehement bestreiten: „Wir haben ein einzigartiges Stadtstadion mit hoher Aufenthaltsqualität in exponierter Lage zwischen Weser und Osterdeich“, sagt der Werder-Geschäftsführer. Er steht selbst für den Wandel im Fußball: Gecastet von einer Head-Hunter-Agentur, geholt vom Sportartikel-Hersteller Adidas, übernahm er den Job im letzten Jahr.

Schon seine Grün-Weißen Amtsvorgänger hatten aber auf grün erzeugten Strom gesetzt, indem sie 2006 mit dem Versorger EWE den Bau der größten integrierten Fotovoltaikanlage in einem Fußballstadion initiierten – „lange vor der Energiewende“, wie Ulf Brömmelmeier anmerkt. Der 31-Jährige hat das Projekt für EWE durchgeführt und auf dem Dach und in der gläsernen neuen Fassade rund um das Stadion 200000 Solarzellen installiert, die weit über die benachbarte Weser hinaus leuchten. Sie liefern Strom für etwa 300 Haushalte.

Kostenpunkt der Anlage: rund zehn Millionen Euro. Bei optimaler Sonneneinstrahlung und Einspeiserückvergütung soll sie sich in 20 Jahren amortisiert haben. Doch dies sei nicht entscheidend, so Brömmelmeier – schon wegen des schwierigen Bauumfeldes, das der optimalen Ausrichtung der Zellen zur Sonne und damit einem ordentlichen Wirkungsgrad der Anlage entgegenstehe. „Viel wichtiger ist, dass die Leute das hier sehen.“