Finanzskandal in Limburg sorgt für Schwund Bistum Osnabrück: Mehr Kirchenaustritte im Jahr 2013

Von Christof Haverkamp | 18.07.2014, 17:26 Uhr

Die katholischen Bistümer in Niedersachsen haben im vergangenen Jahr so viele Mitglieder verloren wie selten zuvor. Die Bistümer Osnabrück und Hildesheim so wie der niedersächsische Teil des Bistums Münster – der Offizialatsbezirk Oldenburg – verzeichneten deutlich gestiegene Austrittszahlen.

Das Bistum Osnabrück registrierte 2013 insgesamt 3026 Austritte, im Jahr zuvor waren es rund 1900. Das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta meldete 1346 Austritte im vergangenen Jahr (2012: 856). Im Bistum Hildesheim stieg die Zahl der Austritte von 4410 im Jahr 2012 auf 6306 im Jahr 2013 an. Niedersachsen liegt damit in einem bundesweiten Trend, nachdem die Zahl der Kirchenaustritte über mehrere Jahre rückläufig war. Die Zahl stieg von 118335 im Jahr 2012 auf 178805 im vergangenen Jahr.

Als eine entscheidende Ursache nannten die Bistümer den Finanzskandal um den Bau der Bischofsresidenz in Limburg. Der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul erklärte dazu, die Ereignisse im Bistum Limburg hätten eine kritische Debatte über den Umgang der Kirche mit ihrem Vermögen und ihren Finanzen in Gang gebracht. „Dabei ist viel Vertrauen verloren gegangen, was letztlich auch uns und die ganze Kirche in Deutschland getroffen hat.“ Vertrauen und Glaubwürdigkeit ließen sich vor allem durch Offenheit und Transparenz zurückgewinnen. „Das ist eine Herausforderung für alle Amts- und Funktionsträger in der Kirche.“ Die Leitung des Bistums Osnabrück sehe darin weiterhin eine wichtige Aufgabe.

Marx: Die aktuellen Zahlen sind schmerzlich

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte: „Die aktuellen Zahlen sind schmerzlich und alle in der Kirche müssen das ernst nehmen für ihr Handeln.“ Die katholische Kirche müsse immer wieder versuchen, auf allen Ebenen Vertrauen zu schaffen durch gute und überzeugende Arbeit. Allerdings sei er nicht entmutigt, sondern sehe die Statistik als „hilfreichen Weckruf“.

Insgesamt leben in Deutschland mehr als 24 Millionen Katholiken; das entspricht 29,9 Prozent der Bevölkerung (2012: 30,3 Prozent). Bundesweit gab es 2013 164664 Taufen (2012: 167505) und 43728 Trauungen (2012: 47161). Die Zahl der Eintritte in die katholische Kirche liegt bei 3062, die Zahl der Wiederaufnahmen bei 6980 Personen.

566077 Katholiken im Bistum Osnabrück

Im Bistum Osnabrück lebten im vergangenen Jahr 566077 Katholiken (2012: 568499); es gab 4264 Taufen (2012: 4350), 5267 Erstkommunionen (2012: 5315), 4776 Firmungen (2012: 5230) und 969 Trauungen (2012: 1105). Die Zahl der Übertritte lag bei 68; die Zahl der Wiederaufnahmen bei 121. Insgesamt wurden 5210 Menschen beerdigt (2012: 5027).

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ bezeichnete die Zahl der Kirchenaustritte als ein dramatisches Warnsignal, das nicht durch religiöse oder gesellschaftliche Trends erklärt werden kann, sondern endlich Verhaltensänderungen der Kirchenleitung zur Folge haben muss. „Nur wenn sich die deutschen Bischöfe und die römisch-katholische Kirche als Ganze endlich entschieden zum pastoralen und reformerischen Kirchenkurs von Papst Franziskus und des Konzils bekennen, besteht die Chance, dass die nach wie vor negativen Trends in der Kirchenstatistik gestoppt oder gar umgekehrt werden können“, erklärte „Wir sind Kirche“.

Fast 19000 Austritte aus der evangelischen Landeskirche

Die Evangelische Landeskirche Hannovers – die größte Landeskirche in Niedersachsen – zählte im Jahr 2012 in knapp 1300 Kirchengemeinden insgesamt 16205 Austritte. Für 2013 ist die Auswertung nach Angaben eines Sprechers noch nicht abgeschlossen. Die 1205 Kirchengemeinden, deren Daten bereits vorliegen, verzeichneten 2013 bereits 18856 Austritte. Für das erste Halbjahr 2014 rechnet die Landeskirche mit einem weiteren Anstieg aufgrund der Banken-Informationen zur Kapitalertragssteuer. Die Kirchen weisen jedoch darauf hin, dass sich nur das Erhebungsverfahren ändere und keine zusätzliche Kirchensteuer anfalle. (mit epd)