Festival in Oldenburg Plattart: „Eiche rustikal un Punkrock“

Von Ole Rosenbohm | 10.03.2017, 21:35 Uhr

Mit einer lange ausverkauften Gala im Staatstheater startete am 10. März die sechste „PLATTart“. Das vielfältige Engagement für die gefährdete Sprache zahlt sich inzwischen wohl aus.

Oldenburg. „Platt boomt“, sagt Stefan Meyer, seit sieben Jahren Referent für Plattdeutsch und Saterfriesisch bei der Oldenburgischen Landschaft. Bei der „Plattart“ bis zum 19. März rechnet Meyer mit möglichst vielen Belegen für diese Aussage. Meyer gehört zum Organisatorenkreis des „Festivals für neue niederdeutsche Kultur“, die Macher bewerben es „Füürwaark an platt Kultuur“.

An zehn Tagen stehen bei der Plattart in Oldenburg und vielen anderen Orten der Region insgesamt 35 unterschiedlichste Veranstaltungen auf dem Programm: heute Abend eine Show in Lemwerder mit Handpuppe Werner Momsen und Matthias Brodowy, morgen ein Dinnerkrimi im Heimathaus Halsbek, Montag ein Spielenachmittag im „Klönschnackcafé“ Leutbecher am Schlossplatz – dort ist sozusagen das Festivalzentrum –, ein „Science Slam“ an der Universität am Dienstag oder am Mittwoch ein plattdeutsches Rudelsingen in der Kulturetage. Für Organisatorin Annie Heger ein Programm wie „Eiche rustikal un Punkrock, Grönkohl un Erotik“.

Wunsch nach verbindlichem Schulfach

Die alle zwei Jahre stattfindende Plattart ist nicht die einzige Frucht des Engagements für die gefährdete, aber scheinbar sich langsam wieder verbreitende Regionalsprache: Es gibt Aktionen wie den seit 50 Jahren stattfindenden Lesewettbewerb oder den noch nicht ganz so alten Bandwettbewerb „Plattsounds“. Auch an vielen Schulen wird Platt gesprochen, allerdings, bedauert Stefan Meyer, meist freiwillig, etwa in Arbeitsgemeinschaften. „Auf verbindlicher Basis wie ab Klasse 3 Englisch gibt es das nicht“, ärgert sich Meyer. „Warum kann man Französisch benoten, Plattdeutsch aber nicht?“

Insgesamt hätten sich aber die Anstrengungen gelohnt. Plattdeutsche Sprachwendungen würden immer mehr den Alltag erobern, „Platt ist cool geworden“, hat Meyer beobachtet. „Der Abwärtstrend ist gestoppt“, sagt er. Ähnliches habe kürzlich eine Untersuchung des Instituts für Germanistik in Mannheim festgestellt: „Wenn man so zehn Jahre zurückblickt, ist da schon eine Menge passiert.“

Wie viele Menschen in Deutschland oder den Niederlanden genau Plattdeutsch sprechen können – Meyer schätzt, es seien um die 2,5 Millionen – oder auch nur verstehen (diese Zahl dürfte bedeutend höher liegen), ist nicht ganz klar. Aber vielleicht steigt sie ja auch ein wenig durch die sechste Auflage der „PLATTart“.